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Blick von der Prager Karlsbrücke zum Hradschin

Blick von der Prager Karlsbrücke zum Hradschin

Tschechien

Goldene Kuppeln, barocke Perlen


In gut zwei Stunden ist Prag von Sachsen aus zu erreichen. Auch wer noch nie dort war, hat Bilder vom Hradschin oder der Karlsbrücke vor Augen. Im Umland künden historische Stätten vom einstigen Glanz Böhmens und Mährens.

Prag zeigt sich dem Besucher mit vielen Facetten. Beim Selfie zur vollen Stunde vor der astronomischen Uhr des Alten Rathauses oder aber an einem Spätsommerabend auf der Karlsbrücke seid Ihr von Touristen aus aller Welt umringt. Prag ist im Aufwind: Stolz berichtet Marketa von der Tourismuszentrale, dass ganz Tschechien heute die niedrigste Arbeitslosenrate innerhalb der EU verzeichnet. Wer einige Jahre nicht in der Hauptstadt des Nachbarlands war, ist überraschend von den vielen frisch sanierten Fassaden oder modernen Glaspalästen im Stadtbild.
Unvergleichlich ist der Blick vom Hradschin über die goldenen Kuppeln der Altstadt. Die steile Nerudagasse wird gesäumt von Lokalen und Souvenirläden. In der Nummer 14 wohnte einst der Architekt Johann Blasius Santini-Aichl, als Schöpfer der "Barockgotik" und Meister des Lichts gerühmt. Auf dem Weg von der Prager Burg zum Strahov-Kloster liegt das einstige Armenviertel "Neue Welt" (Novy Svet). In den romantischen Gassen zwischen der Wallfahrtskirche Loreto und eingestreuten Weinbergen wohnen heute Künstler. Keine fünf Minuten von den Touristenströmen entfernt, treffen sich hier verliebte Pärchen und Bohemiens in beschaulichen Cafés.
Vršovice galt vor nicht allzu langer Zeit als Viertel, um das anständige Prager und erst recht die Touristen einen Bogen machten. Vor einigen Jahren gründete Katerina McCreary in der Krymská-Straße das Café Sladkovský. Spätestens mit dem Café v Lese (Café im Wald) mauserte sich das frühere Arbeiterquartier voll chilliger Clubs, Galerien, schräger Märkte und Bars zum Treff der Hipster.

Die Wallfahrtskirche des Heiligen Nepomuk in Zdár nad Sázavou

Die Wallfahrtskirche des Heiligen Nepomuk in Zdár nad Sázavou

Kutná Hora - das silberne Herz Böhmens

Kutná Hora - das silberne Herz Böhmens



Anders als die Hauptstadt Prag liegen die kleinen Städte Südböhmens und Mährens abseits der Touristenpfade. Und das völlig zu Unrecht! Kutná Hora, auf Deutsch Kuttenberg, stellte ich mir als verschlafenes Industriekaff vor. Doch weit gefehlt. Im Mittelalter galt das "silberne Herz" Böhmens als zweitgrößte Stadt des Landes. Im Welschen Hof wurde damals das Geld geprägt. Nicht wenig vom Reichtum blieb am Ort haften, wie die atemberaubende Kathedrale bis heute bezeugt. Nach den Schrecken des hier ausgelösten Dreißigjährigen Krieges lag ganz Böhmen in Trümmern. 1703 beauftragte der Abt des Zisterzienserklosters den gerade mal 26jährigen Architekten Johann Blasius Santini-Aichl mit dem Wiederaufbau der Kathedrale. In Erinnerung an die glorreiche Zeit der Gotik in Böhmen vereinte dieser Elemente der Gotik mit dem zeitgemäßen Barock und schuf den ganz eigenen Stil der "Barockgotik".
Unweit von Kutná Hora befindet sich in Sedlec die Friedhofskirche Allerheiligen. In dem unterirdischen Beinhaus formte ein Mönch bereits im 15. Jahrhundert die Gebeine der Opfer von Pest und Hussitenkriegen zu Pyramiden, Vasen oder Kerzenständern. Ein amerikanisches Magazin setzte die von Santini umgebaute Kapelle auf den dritten Platz der gruseligsten Orte der Welt. An erster Position liegt übrigens Tschernobyl.
Sein Meisterwerk lieferte Santini wohl in Zdár nad Sázavou (Saar) mit der Wallfahrtskirche des Heiligen Nepomuk. Der beispiellose Bau auf einem Hügel ist seit 1994 UNESCO-Welterbe. Das Wunderwerk vereint auf faszinierende Weise Symbolik, raffinierte Formen und bestechende Lichtreflexe.

www.czechtourism.com
www.destinace.kutnahora.cz
www.zelena-hora.cz

Wort & Bild: Uwe Schieferdecker