Film 160x600_content

Konzert-Special

Den Finger ziehen, den Finger zeigen


Nun scheint er sich ja doch noch in unsere Breiten bequemt zu haben: Die Rede ist vom Sommer, der rechtzeitig zu Beginn der Open-Air-und-Festival-Saison Einzug gehalten hat. Also steht großartigen Erlebnissen mit ebenso großartigen Künstlern in wunderbaren Kulissen nichts mehr im Weg. Natürlich, es gibt in jüngster Zeit sehr ernsthaft Grund, über das Gefährdungspotenzial innerhalb großer Menschenansammlungen nachzudenken. Das kann man nicht einfach weglächeln. Trotzdem: Die Statistik sagt, dass die Autofahrt zum Festival auch jetzt noch gefährlicher ist als das Festival selbst, und außerdem gilt es, denen, die auf unsere Angst bauen, einen souveränen Stinkefinger zu zeigen. Jetzt erst recht!


Kosmonaut-Festival

Kosmonaut-Festival - Deichkind

Kosmonaut-Festival - Deichkind

Noch relativ neu stieg das Kosmonaut am wunderschönen Stausee Rabenstein rasch in die Spitzengruppe der wirklich spannenden, innovativen Open-Air-Weekender auf, weit über den mitteldeutschen Raum hinausstrahlend. Location, Gestaltung, detailverliebte Orga und ein profundes Händchen für perfektes Booking sind die Erfolgsbausteine: Allein mit den Headlinern Deichkind (Foto), Editors und OK Kid ist das Festival am ersten Tag schon sicher im Heimathafen. Am zweiten kommen noch die unglaublichen Annenmaykantereit und Bilderbuch dazu. Getoppt von einem Haupt-Act an der Spitze des Billings. Ob es sich hier um die Festivalgründer und Organisatoren, die Band Kraftklub aus Chemnitz, handelt? Es bleibt spannend!

16./17.06. Chemnitz, Stausee Rabenstein


Dieter Thomas Kuhn

Dieter Thomas Kuhn

Dieter Thomas Kuhn

The neverending Rollfrisur, das Brusthaar-Toupet, das, eben weil Toupet, nie ergraut. Die singende Fönwelle hat seinerzeit im Verbund mit der schmelzenden Nussecke Guildo Horn dank wunderbarer Persiflagen auf den deutschen Schlager der 60er und 70er tolle Erfolge erzielt. Das sollte eigentlich gar nicht von langer Dauer sein, Kuhn hat auch zwischenzeitlich versucht, mit Eigenem anzuknüpfen. Am Ende hat er einen Geist geweckt, der ihn nicht verließ. Er ist jetzt unterwegs in einem Niemandsland aus Ironie und Bewahrung einer Kunstform, die Wirkungen hinterlassen hat. Wenn D.T.K. sie uns singt, können wir über die alten Schlager lachen und gleichzeitig innig dazu schunkeln.

23.06. Leipzig, Parkbühne
30.06. Dresden, Elbufer


Rea Garvey

Rea Garvey

Rea Garvey

Ein echter Supermann. Er kam Ende der 90er mit nichts in den Taschen, dafür dem unwiderstehlichen Willen im Herzen, in diesem Land ein Popstar zu werden, aus Irland nach Deutschland, gründete hier eine Band und legte quasi aus dem Stand mit "Supergirl" eine überwältigende Hitsingle und danach noch eine Reihe Hits und weitere Erfolgs-alben vor. Nach zehn erfolgreichen Jahren wurde deutlich, dass Reamonn doch eher ein Frontmann mit Begleitband waren, Garvey entschied sich folgerichtig, die Sache konsequent in eigener Verantwortung fortzusetzen. Was dem Erfolg keinerlei Abbruch tat, denn es war ja seine unbeschreibliche Personality, die das Ganze trug und bis heute trägt. Einfach ein hinreißender Performer.

24.06. Leipzig, Parkbühne


Jennifer Rostock

Jennifer Rostock

Jennifer Rostock

Jennifer heißt richtig Weist, aber das wissen wir ja längst. Wir wissen auch, dass sie gegen die Böhsen Onkelz, Freiwild und die AfD ist. Das jüngste Video mit dem Namen "Hengstin" ist ein feministisches Protestlied für starke Frauen und gegen Machos. Jennifer zieht sich dafür aus und singt, dass ihr Körper niemanden etwas angeht. Wir erkennen, dass bis auf einige Areale des rechten Beins keine freien Stellen vorhanden sind auf dem Körper, der uns nichts angeht, aber trotzdem auf Bildschirmen und Bühnen gern vorgezeigt wird. Wer es also noch schaffen will, Jennifer so zu beeindrucken, dass es zu einem Tattoo auf ihrem Körper reicht, der muss sich beeilen!

24.06. Dresden, Junge Garde
12.08. Halle, Peißnitzinsel


Sting

Sting

Sting

Mit Police hat er Ende der 70er ein popmusikalisches Erdbeben ausgelöst. Sie hatten die Vibes des New Wave, brachten Reggae in das seinerzeit entstehende neue Popgemisch ein, hatten mit ihren unglaublich authentischen Songs von Anfang an die Indie-Verfechter ebenso hinter sich wie den großen Erfolg in der Masse: Sie waren die Band der Stunde, deren Hits einfach alle gut fanden. Nach dem Split ging der Englishman nach New York und legte eine beispiellose Karriere im Welt-Musik-Jazz-Kosmos hin. Irgendwie hat er immer alles richtig gemacht. Ein Popmusiker ohne Verfallsdatum, eine Persönlichkeit, die dafür steht, dass Erfolg und Haltung sehr gut zusammenpassen können. Irgendwie ein Held.

28.06. Dresden, Elbufer


Söhne Mannheims

Söhne Mannheims

Söhne Mannheims

Da sind sie aber heftig in die Kritik geraten mit der neuen Single "Marionetten". Mannheims Söhne mit dem in jeder Beziehung eigenwilligen Xavier Naidoo an der Spitze haben Autoritäten in Frage gestellt und ihren Unmut über Politiker geäußert. Da werden heutzutage schnell Populismuskeulen geschultert und Schützengräben besetzt. Es gibt übrigens noch mehr kritische Songs auf ihrem aktuellen Album "MannHeim". Warum auch nicht? Wo kommen wir hin, wenn Rock und Pop nicht mehr Machthaber kritisieren dürfen? Wir Konsumenten sollten uns hier locker ein Urteil bilden und uns nicht von Demagogen in eines der beiden verbliebenen politischen Lager stecken lassen.

30.06. Halle, Peißnitzinsel
01.07. Dresden, Junge Garde


Rudolstadt-Festival

Rudolstadt-Festival - Amy Macdonald

Rudolstadt-Festival - Amy Macdonald

Schon seine Geschichte macht es zu einem der bemerkenswertesten Musikfestivals weltweit: Begonnen hat das Ganze 1955 als 1. Fest des deutschen Volkstanzes, wurde dann zum DDR-Tanz-und-Folklorefest, bis es nach der Wende zu einem furiosen Relaunch als Tanz- und Folkfest kam. Dieser Name wurde den Machern wegen des Tanzes zu ungenau, weshalb man sich einige Jahre (erfolglos) um die Verinnerlichung der Abkürzung TFF bemühte. Schließlich drehte die kleine, sehr schöne ehemalige Residenzstadt an der Saale den Spieß um und nahm sich selbst in den Namen des wichtigsten Folk-Roots-Weltmusik-Festival Deutschlands: Es ist heißt jetzt Rudolstadt-Festival und mehr muss auch nicht.

06.-09.07. Rudolstadt, diverse Orte


Scooter

Scooter

Scooter

Über 100 Jahre steht es nun, es ist das schwerste, wuchtigste Monument Europas. Unzerstörbar eigentlich. Doch im Juli kommen Scooter. Da wird vor dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal ein Bassgewitter entfesselt, das auch massive Grundmauern in zerstörerische Schwingungen versetzen könnte. Scooter sind, vergöttert und verteufelt, die letzten Überlebenden des deutschen Techno-Booms der 90er. Die Kollegen, von denen sie damals heftig gedisst wurden, sind längst durch das Rüttelsieb der Zeit gefallen. Scooter haben alle ihre Kritiker überlebt. "Hyper Hyper" ist längst Hymne. Und sie haben noch mehr davon. Ihr Erfolg macht sie gültig. Und Europas massigstes Denkmal wird's auch überleben ...

07.07. Leipzig, Völkerschlachtdenkmal


Bonnie Tyler

Bonnie Tyler

Bonnie Tyler

Es ist unbestritten, dass die kleine Waliserin eine der gewichtigsten Stimmen, welche die Popmusik in den letzten 40 Jahren hervorbrachte, ihr Eigen nennt. Gefeiert schon mit den ersten Hits "Lost In France" und "It's A Heartache" Ende der 70er, erreichte sie mit dem unsterblichen "Total Eclipse Of The Heart" 1984 den Status, den heute Adele innehat. Sie hatte noch mehr große Hits ("Holding Out For A Hero" zum Beispiel), ihr enormes Organ hat bis heute nichts von seiner Wucht verloren.

08.07. Kamenz, Hutbergbühne
09.07. Erfurt, Zitadelle Petersberg
12.07. Magdeburg, Seebühne
14.07. Zwickau, Freilichtbühne
15.07. Dresden, Weißer Hirsch


Nena

Nena

Nena

Sie ist das weibliche Popwunder dieses Landes schlechthin, war Gallionsfigur der Neuen Deutschen Welle, aber wo andere Nonsensblödeleien vertonten, schrieb sie Zeilen wie "Liebe wird aus Mut gemacht". Sie ist die einzige Deutsche mit einer Hitsingle an der Spitze der amerikanischen Billboard-Charts. Sie vollbrachte das unglaubliche Kunststück, sich nach der erfolgreichen Frolleinwunderzeit noch einmal musikalisch neu zu erfinden und mit 50 genau so viel Erfolg zu haben wie mit 20. Zwischendurch ist sie irgendwann in einen Jungbrunnen gefallen: Es ist wirklich gerade-zu unverschämt, wie blendend diese reife Frau aussieht.

11.08. Leipzig, Parkbühne
12.08. Chemnitz, Theaterplatz
19.08. Steinbach-Langenbach, Naturtheater


Wort: FW / Bild: Per Florian Appelgren, Jonas Lindström, Tommy Mardo, Klaus Polkowski, Sven Sindt, Universal Music, P.D., Esther Haase