Westkanada

Von Bären und Prince Rupert


Westkanada mit seinen Hochgebirgen, den ewigen Wäldern und Flussläufen bis hin zur rauen Pazifikküste gilt zweifellos als eines der Traumreiseziele.

Kein Wunder, dass die US-amerikanischen Filmstudios einen Großteil ihrer Western eben da drehen. Denn hier ist alles live, die Holzfällerromantik am Lagerfeuer, die Indianer in ihren Holzbauten oder die riesigen Trucks auf dem Weg nach Alaska …
Bereits zum Landesanflug auf die Olympiastadt Calgary erheben sich am Horizont die von Schnee und ewigem Eis bedeckten Gipfel der Rocky Mountains. Über den Transkanada-Highway ist es nur noch ein Katzensprung bis zu den berühmten Wintersportzentren Banff und Canmore. Hier wurden die nordischen Disziplinen während der Olympiade 1988 ausgetragen. Das Willkommensschild des großartigen Banff National Parks ist mit einer Warnung gekoppelt. Denn so niedlich, wie sich die braunen oder schwarzen Bären am Straßenrand ausmachen - im Motel zeigt ein Video, dass Meister Petz bei der direkten Begegnung nicht spaßt.
Hinter der Postkartenidylle des Lake Louise beginnt die Panoramastraße Kanadas, der Icefield Parkway. Tiefblaue Seen, reißende Wasserfälle, gigantische Felsmassive und als Höhepunkt der Athabasca Glacier, wo die Besucher in den signalroten, allradgetriebenen Bussen auf das Columbia Icefield gefahren werden. Vorbei an dem eher beschaulichen Touristenstädtchen Jasper geht die Fahrt zum Mount Robson, mit knapp 4.000 Metern die höchste Erhebung der kanadischen Rockys. Bald schon treten die Bergriesen zurück und weichen den endlosen Wäldern. "206 km no Service" verheißt ein Schild am Ende des gottverlassenen Ortes McBride. Das ist wörtlich zu nehmen: Keine Tankstelle, Imbiss oder Werkstatt flankieren den Yellowhead Highway, immerhin die eine von zwei West-Ost-Straßen des Landes.
Die abgeholzten Wälder enden über den Umweg der Sägewerke von Prince George in Tokyo als Essstäbchen oder als Wandregal bei Ikea. Monströse Trucks mit geladenen Baumstämmen begleiten uns denn auch auf der tagelangen Fahrt zum Pazifikhafen Prince Rupert. Schön ist etwas anderes, doch weiß der Ort in zahlreichen Restaurants mit fangfrischem Fisch zu begeistern. Kreuzfahrtschiffe liegen an der kleinen touristischen Hafenmeile vertäut. Prince Rupert ist eine Station der legendären Inside Passage. Uns ist eine 15stündige Fährfahrt durch die pazifischen Schären nach Port Hardy auf der Nordspitze von Vancouver Island eine günstige Alternative.
Die größte Pazifikinsel Kanadas beeindruckt ihrerseits mit sonnigen Badeorten, Regenwäldern von beinahe einhundert Meter hohen Douglasien sowie schroffen Felsküsten zum Stillen Ozean. Im Süden endet sie überraschend europäisch, nein schlimmer, "very british": Pünktlich 17 Uhr eilen die amerikanischen Touris in ihren grellbunten Klamotten zum Tee ins Empress Hotel, das mit seiner dunklen Eleganz einen größeren Kontrast nicht bieten könnte.

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Wort und Bild: Uwe Schieferdecker