Leserreisen

Irlands Südwesten

Kneipen, Kelten, raue Küsten


Bunte Fassaden, schicke Boutiquen und Gourmettempel aller Preislagen - das irische Cork empfängt seine Besucher freundlich und selbstbewusst. Kein Wunder, ist die pulsierende Hafenstadt im Jahr 2005 doch Kulturhauptstadt Europas gewesen.

Cork ist eine Stadt zwischen Tradition und Moderne. Größter Arbeitgeber ist die Europa-Zentrale von Apple, doch in der Innenstadt erinnert ein Butter-Museum an die einstige Bedeutung als Ausfuhrhafen landwirtschaftlicher Produkte. Die gesalzene Markenbutter Kerrygold wurde von hier aus bis Australien verschifft. In der City protzen zahlreiche Banken. Weil Irland gerade besonders hart von der Finanzkrise erwischt wurde, profitieren Touristen von etwas günstigeren Preisen.
Die zweitgrößte irische Stadt wurde im Jahr 600 gegründet und dehnte sich im Mittelalter auf 14 Inseln des Flusses Lee aus. Ihre heutigen Einwohner als Kelten zu bezeichnen, ist jedoch so sinnig, als würde man alle Deutschen als Germanen ansehen. Die Stadt gibt sich denn auch weniger historisch. Britische Truppen brannten das Zentrum von Cork im Jahr 1920 nieder. Ausgesprochen bunte Fassaden helfen den Einwohnern vielleicht über die häufigen Regentage hinweg. Viele kleine Läden, dazwischen moderne Einkaufspassagen oder das moderne Opernhaus - nichts ist unmöglich - mit der Leuchtwerbung eines japanischen Autoherstellers prägen die Stadtansicht zu den zahllosen Wasserläufen.
Abends ändert sich dann das Leben in der City. Events wie der Harbour Day oder die Culture Night, das Film- und das Jazz-Festival haben jahrzehntelange Tradition. Nach Einbruch der Dunkelheit füllen sich die kleinen Gassen mit Kneipensurfern. Getrunken wird nicht wenig - im vergangenen Jahr begingen die Iren das 250jährige Jubiläum ihres Guinness. Das kommt allerdings ursprünglich aus der Hauptstadt Dublin. Heimvorteil besitzt hingegen der Whiskey der Marke Jameson. Er wird ganz in der Nähe von Cork in Midleton gebrannt und steht für drei Viertel des weltweiten irischen Whiskey-Absatzes. Die historische Destillerie stammt aus dem 18. Jahrhundert. Abschließender Höhepunkt der Führung ist eine Verkostung, bei der auch die schottischen und US-amerikanischen Konkurrenzprodukte verabreicht werden.
Die kleine Hafenstadt Cobh südlich von Cork war der letzte Ort, den die Gäste der Titanic auf ihrer finalen Jungfernfahrt am 11. April 1912 passierten. Weitaus mehr Menschen nahmen hier Abschied von der alten Welt. Gut drei Millionen Iren verließen vom Ausschiffungshafen Cobh ihr Heimatland gen USA, Südamerika oder Australien! Die Zahl wirkt umso eindrucksvoller, wenn man bedenkt, dass die Republik Irland heute rund vier Millionen Einwohner zählt. Armut und Hunger vertrieben die Iren vor allem während der großen Hungers-nöte. Dem Hafenstädtchen Cobh bescherte das einen gewissen Reichtum, den die markante neogotische Kathedrale hoch über der Stadt ausstrahlt. Fährschiffe verkehren heute noch nach Frankreich und Großbritannien. An der Promenade locken Fischlokale mit fangfrischen Meeresfrüchten.
Wenn die nordatlantischen Tiefausläufer auf Irland treffen, sind Regen und Nebel die Folge. Burgen, Schlösser und Kirchenruinen inmitten der grünen Weidenflächen, das sagenumwobene Blarney Castle oder der geschichtsträchtige Rock of Cashel zum Beispiel, wirken dann wie Kulissen aus einem Fantasy- oder Horrorfilm. Doch Irland kann auch anders: Unter dem Einfluss des Golfstroms wachsen an der Atlantikküste südlich von Cork Palmen. Die Küstenstraße vom pittoresken Badeort Kinsale gen Westen bietet Sandstrände und Leuchttürme, Steilküsten und alte Forts. Das Meer begeistert Taucher, Surfer, Segler oder lädt einfach zum Sonnenanbeten ein. Kein Wunder, dass der Südwesten zu den beliebtesten Urlaubsregionen der Grünen Insel gehört.

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Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: Uwe Schieferdecker, R.K.