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Johann Janus' Kolumne

Windige Gesellen


"Ganze drei neue Windparks wollen die ja jetzt bauen!", meckert mein Opa mit finsterer Miene. "Die pflastern noch ganz Sachsen-Anhalt zu!" Da können die noch so viel von Bürgergesellschaften reden, das sind doch alles Windbeutel!"
Wir sind zu unserem gemeinsamen Sonntagsausflug mit den Rädern nach Norden gefahren - ein schöner Opa-Enkel-Ausflug mit leichter Unterhaltung. Bis wir an den Trothaer Hafen kamen. Niedliche neun Meter streckt sich hier eine Kleinwindanlage in die Höhe, die Flügel schneiden leicht surrend durch die Luft. Die Sonne strahlte durch einen Junihimmel, dass man die Augen zusammenkneifen muss, ich zückte mein Handy und machte ein Instagrammfilter-Bild des Windrads.
"Findest du das etwa schön?", fuhr mein Opa auf, um sich dann über die jüngsten Ergebnisse der Windkraft-Ausschreibungen auszulassen. Er betont die Anzahl der Windparks, als würde das alles bisher dagewesene übertreffen. Dabei leben wir ja nicht in Schleswig-Holstein.
"Also, viel ist das ja eigentlich nicht", finde ich. Ich kann mich auch nicht erinnern, wo der nächste sichtbare Windpark im Umfeld Halles stünde.
"Einer reicht ja auch schon! Was das alleine für die Vögel bedeutet!" Ich schaue mich suchend um und entdecke schließlich eine gelangweilt umhertrudelnde Taube. Sie fliegt einmal um die Turbine herum, kackt dann zielgenau auf einen der Flügel und setzt sich dann am Hafenbecken nieder. "Na und der Lärm! Also, wohnen würde ich neben so einem Monstrum ja nicht." Ich schweige, weil ich keine passende Replik auf Lager habe. Neben mir zirpt eine Grille. Wir stehen wortlos neben dem Windrad, der alte Windkraftgegner und der gutgläubige Hippie, als der er mich sieht. Nach ein paar Minuten unangenehmer Stille steigen wir wieder auf unsere Räder und fahren weiter nach Norden.
"Du, Opa", frage ich schließlich, als die Trothaer Mühle aus unserem Sichtfeld verschwunden ist, "wie müsste denn ein Kraftwerk für dich sein, dass es dich nicht stören würde?"
Er überlegt eine Weile und deutet dann auf sein Fahrrad. "So wie unsere Räder. Nur das leichte Klackern der Kette, nicht allzu anstrengend, billig..." Er zeigt auf mein altes Peugeot-Rennrad. "Mancher würde sie sogar hübsch finden."
Wir lassen die Stadt hinter uns und werden von einem kräftigen Rückenwind vorangetrieben, dass wir kaum noch strampeln müssen. "Hast ja Recht, Opa", stimme ich ihm zu. "Kann ja nicht so schwer sein, so was mal zu erfinden."


Wort: Jesko Habert / Bild: Sabine Kirchner