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Jesko Haberts neue Märchen

Naiv im besten Sinne


Unser Kolumnist Jesko Habert hat im Berliner Verlag Periplaneta soeben ein neues Buch herausgebracht. Es heißt "Märchen aus einer grausamen Welt".

BLITZ!: Mit diesem Buch ist es raus, Du wohnst in Berlin. Im Herzen aber bist Du in Halle geblieben, oder?
Jesko: Viele meiner Einflüsse kommen tatsächlich noch aus meiner Zeit in Halle und dort habe ich tatsächlich auch mit der Slam-Poesie angefangen. Auch ein Großteil meiner Freundschaften und Kontakte hat die Umzüge überdauert - so zum Beispiel auch zu Sabine Kirchner, die nicht nur weiterhin die Johann-Janus-Kolumne illustriert, sondern auch die "Märchen aus einer grausamen Welt" mitillustriert hat.

BLITZ!: Stichwort Johann Janus: Wir kennen Dich als Kolumnenschreiber sowie als Kinderbuchautor. Offensichtlich reimst Du aber auch wie wild?!
Jesko: Tatsächlich war die Lyrik zuerst da - insofern ist dieses Buch jetzt auch ein "Zurück zu den Anfängen". Daraus ist dann in Halle sowohl die Band Fremdgang entstanden als auch letztlich die Kolumne: Meine erste Janus-Kolumne vor inzwischen über fünf Jahren war ursprünglich ein Slam-Text.

BLITZ!: Du zerbrichst Dir den Kopf über die "grausame Welt" und deren Zustand. Trotzdem bleibst Du positiv - wie gelingt Dir das?
Jesko: Das gelingt mir keineswegs immer. Die Welt kann ja schon ganz schön scheiße sein. Aber darum geht es eben auch in den "Märchen": Trotzdem das Zauberhafte sehen und schaffen, trotzdem etwas ändern. Die Texte in diesem Buch versuchen das zu vereinen: Wenn alles den Bach runtergeht, kommt man irgendwann ans Meer.

BLITZ!: Sehr schön gesagt! Sind Deine Märchen, die Du im Untertitel "Gereimte Ungereimtheiten" nennst, in erster Linie Mutmacher? Denn allein auf Unterhaltung scheinst Du nicht aus zu sein …
Jesko: Vielleicht macht es manchen Mut, vielleicht unterhält es andere oder bringt sie zum Nachdenken. Eigentlich beobachte ich nur, mit der ein oder anderen Verzierung. Was es für die Lesenden bedeutet, entscheiden diese ja letztendlich selbst.

BLITZ!: Im Gedicht "Kindheitswünsche" präsentierst Du uns kaputtgegangene Illusionen und möchtest "wieder naiv" werden. Dieses Motiv - naiv werden, naiv sein - taucht mehrmals in Deinen Märchen auf. Naiv in welchem Sinne?
Jesko: Das Motiv stammt noch aus unserer Zeit als Band - naiv sein kann auch etwas Positives sein, das Gegebene nicht nur hinnehmen, bei aller Aussichtslosigkeit trotzdem handeln, weiter glauben, dass man einen Unterschied machen kann, auf dem Ball des Weltuntergangs mit geschlossenen Augen weitertanzen. Weil ein Tag, an dem getanzt wurde, nie gänzlich schlecht gewesen sein kann.

BLITZ!: Wir freuen uns auf Deinen nächsten Besuch in Halle!


Internet:

www.periplaneta.com


Jesko in Halle:

30.11. Charles Bronson: Viva-con-Aqua-Slam


Wort: Ernie LC / Bild: Gert Schober