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#17 Ziele Poetry Slam

Wortschritt und Entwicklung


Veranstaltungen "für den guten Zweck" haftet ja oft der Hauch von "gut gewollt" an - leicht angestaubt, man denkt an Charity-Galas und langatmige Vorträge. Wenn dann noch das Wort "Oper" als Veranstaltungsort auftaucht, führt das im Fall des 16. Februar jedoch auf die falsche Fährte. Da treten im Wohnzimmer-Flair des Operncafés acht der besten Poetry Slammer und Slammerinnen Deutschlands im Wortwettbewerb gegeneinander an, um neue Perspektiven auf die 17 UN-Ziele nachhaltiger Entwicklung (Sustainable Development Goals = SDG) zu geben. Sie stellen die Frage, was wir hier und heute tun können - eben nicht zum "Welt retten" und "an die Zukunft denken", sondern bei jedem von uns im ganz normalen Leben. In ganz normalen Texten, nur eben in gut. In allen vier Himmelsrichtungen des Landes veranstalten die Berliner Kiezpoeten regionale Vorentscheide, die Gewinner performen im April beim Finale in der Hauptstadt. Für den "Vorentscheid Ost" haben sie sich für Halle entschieden, moderiert und co-organisiert wird der Abend von der lokalen Slammerin und Veranstalterin Katja Hofmann (Bild).
"Ich finde es wichtig, dass Kunst auch mit einer Message einhergeht", sagt Katja Hofmann, die im Dezember auch einen Benefiz-Slam für die NGO Viva con Agua im Charles Bronson organisiert hat, "aber vor allem soll es auch Spaß machen." Im Line-Up werden sich deshalb ernste und lustige Texte die Hand reichen, auch stilistisch ist von Lyrik bis Prosa alles dabei. "Zu den Auftretenden können wir noch nichts verraten", sagt Ortwin Bader-Iskraut von den Kiezpoeten, die die zentrale Organisation der #17 Ziele Poetry Slams übernehmen, "aber einige Meisterschafts-Titel verstecken sich schon im Line-Up." Und dabei kostet das Event nichts, zumindest an Eintritt. Sämtliche Kosten übernimmt die gemeinnützige GmbH Engagement Global, die für entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit eintritt. So wie eben für die 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung - dabei geht es nicht nur um Umweltschutz und Klimawandel, sondern auch um soziale Nachhaltigkeit: Die Vermeidung von Armut, faire Urbanisierung und Geschlechtergerechtigkeit zum Beispiel, Themen also, die auch in unserem Alltag relevant sind.
"Wir möchten, dass besonders junge Leute sich damit beschäftigen, welche Rolle die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung in ihrem Leben spielen können", sagt Christian Mäntele, Leiter des Projekts #17 Ziele bei Engagement Global. "Das ist ja nicht nur eine Sache der Politik. Jeder von uns hat die Möglichkeit, einen Teil dieser Ziele umzusetzen." Die Umsetzung als Poetry Slam war auch ihre Idee, damit die Themen auf künstlerische Weise angegangen werden. Aber nicht nur inhaltlich, auch als Veranstaltung selbst werden beim #17 Ziele Poetry Slam die Ziele nachhaltiger Entwicklung angewendet: Das spielt sich zwar hinter den Kulissen ab und das Publikum bekommt wenig mit, aber CO2-Kompensation, ausgeglichener Genderschlüssel und faire Löhne versuchen die Veranstalter konsequent umzusetzen. Und eine besondere Eigenheit weist auf das SDG-Ziel "Demokratie" hin: Die Abstimmung über den Gewinnertext kommt nicht nur wie üblich vom Publikum, sondern von einer Mischung aus zwei verschiedenen Verfahren - Jury-Tafeln auf der einen Seite, allgemeine Chip-Abstimmung auf der anderen. Wer trifft die bessere Entscheidung - Volk oder "Junta"? So wird aus dem Slam im Operncafé gleich eine Art soziales Experiment und natürlich ein Abend voller lustiger, nachdenklicher und poetischer Kultur.


Termin:

16.02. Operncafé


Wort: Jesko Habert / Bild: Richard Bohn