• Beitrag zuletzt geändert am:9. August 2026
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Die Altstadt liegt spektakulär auf einem Felsplateau über der tiefen Schlucht El Tajo
Die Altstadt liegt spektakulär auf einem Felsplateau über der tiefen Schlucht El Tajo

Ronda - die Perle Andalusiens

Dramatische Landschaften und Geschichte zum Anfassen

Die Kleinstadt Ronda thront auf einem Felsplateau im gleichnamigen Bergland von Ronda, ungefähr 50 Kilometer entfernt von der Costa del Sol, und empfiehlt sich vor allem für einen Besuch im Herbst, also im September und Oktober, aber auch im Mai und Juni.

El Tajo Canyon
El Tajo Canyon

Denn obwohl der Ort 700 Meter über dem Meeresspiegel liegt, zeichnen sich die Sommermonate angesichts der Meerferne durch eine schwer erträgliche Hitze aus. Überdies lässt sich in der Hochsaison kaum ein Strandurlauber den Tagesausflug nach Ronda entgehen, und so wird die malerische Altstadt dann von tausenden Urlaubern überrannt.

Neben der Alhambra in Granada zählt der Ort zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Andalusiens. Für diese Beliebtheit gibt es gute Gründe. Ronda gehört zu den gerühmten „weißen Dörfern“. Diese gehen meist auf römische oder phönizische Siedler zurück und erblühten später unter den Mauren. Typisch sind die verwinkelten Gassen und die weiß gekalkten Häuser, die den Orten den Namen gaben. Beispiele sind Arcos de Frontera, Grazalema und Setenil de las Bodegas. Die wunderschöne Landstraße „Ruta de los Pueblos Blancos“ verbindet die Dörfer mit der Hauptattraktion Ronda. Reizvoll ist der Kontrast zwischen den schlichten Fassaden der maurischen Häuser und den herrschaftlichen Naturstein-Bauten aus der Epoche nach der Reconquista. Dagegen gehen die heutigen katholischen Kirchenbauten vielfach noch auf die Moscheen der Araber zurück.

Ronda selbst besticht den Ankommenden zunächst mit seiner imposanten Lage. La Ciudad, wie die Altstadt genannt wird, erhebt sich rund einhundert Meter über die Schlucht des Rio Guadalevín. Die steilen Kalkwände zum jüngeren Stadtteil El Mercadillo werden durch drei malerische Brücken verbunden. Die jüngste von ihnen, die Puente Nuevo, stammt immerhin auch aus dem 18. Jahrhundert. Damals galt sie angesichts der Höhe von 98 Metern über dem Talboden als höchste Brücke der Welt! Praktisch: Für den Bau nutzte man den Kalkstein der angrenzenden Schlucht. Von der Straßenbrücke aus bietet sich ein reizvoller Blick auf die Gebirgszüge und die weißen Häuser der Stadt. Folgst Du der Straße nach Casa don Bosco, zweigt ein Weg hinunter in die Schlucht El Tajo ab. Er ist zwar etwas beschwerlich und bei Nässe sehr rutschig, aber unten wirst Du mit einem fotogenen Wasserfall belohnt. Auch die Brücke selbst mit ihren drei eindrucksvollen Bögen begeistert als Fotomotiv.

Die Puente Viejo (Alte Brücke) stammt in ihrer heutigen Form aus dem 16. Jahrhundert. An ihrer Stelle gab es bereits zu Zeiten der Römer einen Brückenschlag. Als der Vorgängerbau der Puente Nuevo 1741 einstürzte, wuchs die Bedeutung dieses alten Brückenbauwerks wieder an. Als sichtbares Zeichen dafür entstand 1742 an der Puente Viejo der prachtvolle Torbogen zur Ehren Felipe V. Im Mittelalter wurden hier Waren kontrolliert und Steuern erhoben. Namensgebend war Philipp V. von Anjou, der erste Bourbone auf dem Thron der Spanier. Daran erinnert auch die Muschel auf der Vorderseite des Sandsteinbogens: Es ist das königliche Wappen der Bourbonen.

Etwas zwiespältiger kommt beim Mitteleuropäer eine andere Sehenswürdigkeit Rondas an. Die kreisrunde Stierkampfarena Plaza de Toro stammt aus dem späten 18. Jahrhundert. Ja, Ronda rühmt sich sogar als Geburtsstätte des modernen Stierkampfes! Verschiedene Regeln dieses Sports haben hier ihren Ursprung, so der Auftritt des Toreros zu Fuß und die Verwendung des roten Tuches. Denn im Mittelalter lief die Stierhatz noch vom Pferde. Von außen schlicht, ist sie von innen mit den 136 toskanischen Säulen palastartig. Die Arena kann auch besichtigt werden, es sei denn, es ist gerade Stierkampf. Dann fiebern hier 6.000 Zuschauer – für den Torero oder den Stier. Wer weiß das schon? Eine Stierfigur draußen vor der Arena eignet sich für das passende Selfie. Näheres ist in einem kleinen Museum zu erfahren, auch die Stallungen können besichtigt werden.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Parkanlage Jardines de Cuenca. Die terrassenförmige Grünanlage entstand in den 1960er Jahren. Gewidmet ist sie der Partnerstadt Cuenca. Der Besuch ist kostenlos und gerade in der Blütezeit zu empfehlen. Die Gärten bieten einen phantastischen Ausblick auf die Brücken Puente Viejo und Puente Nuevo, die Schlucht und den gegenüberliegenden Palast des Maurenkönigs.

Zwischen Schlucht und Rathaus lockt eine weitere Sehenswürdigkeit von Ronda: Die Kirche Santuario de Maria Auxiliadora. Dort bietet eine Aussichtsplattform einen herrlichen Blick auf das Tal. Die Kirche selbst ist ein Ort lebendiger Marienverehrung. Beeindruckend ist auch der Palast des Marqués de Salvatierra aus dem 18. Jahrhundert. Sofort ins Auge fällt das prachtvolle Barocktor und natürlich der reiche Fassadenschmuck. Vier nackte Indianerfiguren erinnern an die engen Beziehungen der adligen Besitzer zu Lateinamerika.

Und ja, Ronda ist weit mehr als nur die Brücke(n)! Neben den repräsentativen Bauten aus vergangenen Epochen weiß die Altstadt zu begeistern. Die Gassen sind aufgrund ihrer Enge zwangsläufig autofrei. So schmal und verwinkelt sie sind, würde nicht einmal ein kleiner Seat hindurchpassen. Die Wegführung stammt noch aus maurischer Zeit. Meist läufst Du in ihnen selbst im Hochsommer im Schatten, das haben sich die alten Araber fein ausgedacht!

Der Stadtpalast Palazzo de Mondragón stammt noch aus maurischer Zeit. Kleine Boutiquen, Galerien, Cafés und Restaurants entführen mich in die umgebenden, weißgetünchten Häuser. Wer auf das Shoppen aus ist, für den ist die Carrera Espinel zu empfehlen. In der Hochsaison musst Du sie allerdings mit zig anderen Besuchern teilen. Kühle verspricht dann der Besuch der Santa Maria Mayor. Hier wurde der Kirchturm einfach auf das Minarett der früheren Moschee aufgesetzt. Die Turmbesteigung lohnt sich, so schweißtreibend sie auch ist! Nach solch einer Tour ist Rast angesagt! Das kleine Restaurant El Campillo ist ein echter Geheimtipp und nicht so überlaufen! Lokale Spezialitäten wie der Tomatensalat mit Thunfisch und kühle Erfrischungen verwöhnen Gaumen und Seele.

Am Ende des Tagesausflugs nehme ich mir vor, beim nächsten Besuch in einem der Hotels zu verweilen. Das wussten auch schon Orson Welles und Ernest Hemingway bei ihren Aufenthalten. Und der Lyriker Rainer Maria Rilke verbrachte gar mehrere Monate im schönsten der weißen Dörfer Andalusiens!

Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: Torsten Reineck