Das Guggenheim-Museum in Bilbao

Das Guggenheim-Museum in Bilbao

Kunst in Spaniens Norden

Weniger im Fokus


Spaniens Inseln und auch die iberische Mittelmeerküste können den Ansturm von Sonnenanbetern kaum verkraften. Weit weniger im Fokus liegt die spanische Nordküste, an der es spektakuläre Strände, aufstrebende Städte und ein abwechslungsreiches Hinterland zu entdecken gibt.


Bilbao

Avantgarde im Baskenland


Bilbao

Bilbao

Bilbao im spanischen Baskenland begeistert seine Besucher heute mit einer avantgardistischen Architektur, die die Wurzeln der Hafen- und Industriestadt nicht verleugnet. In der Altstadt laden die Siete Calles (Sieben Straßen) tagsüber zum Shoppen ein, abends zieht es die Jugend beim "Txikiteo" von Bar zu Bar. Etwas im Schatten von all der aufregenden Moderne erhebt sich hier die gotische Kathedrale Santiago aus dem Mittelalter.
Weltweit macht Bilbao seit 20 Jahren mit dem Neubau des Guggenheim-Museums am Flussufer des Nervíon Furore. Das Meisterwerk des Stararchitekten Frank Gehrys beherbergt die weltgrößte Privatsammlung zeitgenössischer Kunst. Vor der atemberaubenden silbernen Skulptur des Museums zieht Jeff Koons' blumenbepflanzte Figur "Puppy" magisch die Blicke auf sich. Eigentlich sollte das Werk nur im Eröffnungsjahr stehen bleiben. Nach heftigen Protesten der Bevölkerung bleibt Puppy nun dauerhaft und wird vom zeitigen Frühjahr an fortlaufend neu mit bunten Blumen bepflanzt. Wirkte Guggenheim anfänglich eher wie ein notgelandetes Ufo, strahlt es längst entlang des Nervíon auf die übrige Stadt aus. Eine hypermoderne Metrolinie aus der Feder Sir Norman Fosters bildet ein zeitgenössisches Gegenstück zur historischen Puente de Vizcaya mit der ältesten Schwebefähre der Welt. Die weiße Brücke Zubizuri überspannt den Fluss gleich einem aufgeblähten Segel. Unschwer zu erkennen ist hier die Handschrift des Architekten Santiago Calatrava. Bunt, innovativ und lebhaft, so präsentiert sich Bilbao heute.
www.bilbao.net



Galicien

Lebendige Dörfer


Galicien

Galicien

Galicien ist eine Region im Nordwesten Spaniens. Gängige Klischees sind die immergrüne Landschaft und die Züge der Pilger nach Santiago de Compostela. Vieles läuft hier anders als im übrigen Spanien, was sich auch in der Autonomie und eigenen Sprache ausdrückt. Abseits der Pilgerwege empfangen im Rahmen des "turismo rural" relativ preiswerte Herbergen in Herrenhäusern und Bauernhöfen.
In Galicien ticken die Uhren etwas langsamer. In den pittoresken "Hórreos" lagern die Bauern Getreide und Mais sicher vor den Mäusen. Mitten in diesen noch landwirtschaftlich geprägten Dörfern haben sich Handwerker und Künstler niedergelassen, die geschickt traditionelle Volkskunst mit aktuellen Modetrends verknüpfen. Der spanische Staat fördert das galicische Kunsthandwerk und verleiht Zertifikate für "Artesanía de Galicia". Im Dorf Cela treffe ich auf Idoia Cuesta, die in ihrer Werkstatt traditionelle Korbflechterei mit farbkräftigen Motiven in Wolle verbindet. Ihr Material züchtet die Künstlerin in einer kleinen eigenen Farm auf der Rückseite des Ateliers. In einem kleinen Weiler namens Merza ist es wieder eine Frau, die das aussterbende Gewerk der Herstellung von Holzpantinen durch schickes Aufmotzen salonfähig macht. Die Werkstatt von Elena Ferra setzt die hippen Schuhe inzwischen in ganz Spanien ab. An Stelle einer eingegangenen Eisengießerei entstand vor zwei Jahrhunderten in Sargadelos eine Porzellanfabrik. Heute gehören weiß-blaue Figuren oder Geschirr aus Galicien in Spanien zu den beliebtesten Hochzeitsgeschenken.
www.turgalicia.es


Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: U.S., Torsten Reineck