Leserreisen
Rom - Blick vom Tiber auf den Petersdom

Rom - Blick vom Tiber auf den Petersdom

Rom

Zeitreise und Dolce Vita


Ob alle Wege nach Rom führen, wie es der christliche Volksmund behauptet, sei mal dahingestellt. Zumindest gibt es verschiedene Möglichkeiten der Annäherung an die Ewige Stadt.
Ich schließe die Pilgerreise einfach mal aus, auch weil die Vorstellung, das holperige römische Pflaster auf Knien zu bewältigen, mir eher befremdlich erscheint. Für eine Reisegruppe von Studiosus fehlen mir das Kleingeld und auch das Alter.
Dann wäre da noch der Thriller "Illuminati" von Dan Brown über einen angeblichen Geheimbund, der die katholische Kirche mit Verschwörung und Verrat, Mord und Totschlag zerstören wollte. Etwas illustrer Grusel als guter Antrieb, der Stadt der sieben Hügel einen Besuch abzustatten ...
Ob es die Illuminati wohl je gab? Verbürgt sind jedenfalls im Jahr 247 die römischen Festspiele anlässlich der tausendjährigen Wiederkehr der Stadtgründung im Kolosseum. Der Stadtführer weiß zu berichten, dass damals Tausende Sklaven zum Ergötzen der Römer ihre Kräfte mit hungrigen Löwen messen durften. Dagegen verblasst selbst die in ihrer Geschichte nicht immer friedfertige katholische Kirche, deren Anhänger in Rom allerdings bis ins vierte Jahrhundert zu Tausenden im Stadion des Nero enthauptet oder ans Kreuz genagelt wurden.

Rom - Forum Romanum

Rom - Forum Romanum

Rom - Engelsburg

Rom - Engelsburg

Rom - Konstantinsbogen vor dem Palatin

Rom - Konstantinsbogen vor dem Palatin



Zu den Schauplätzen des Romans gehört die Engelsburg als Hauptquartier der Illuminaten. Ein tatsächlich existierender Gang führt die Akteure zu den päpstlichen Gemächern. Unterwegs schieße ich ein Bild von der Schweizergarde, die seit 1506 den Papst beschützt. Selbstverständlich - sind sie doch zu schön anzuschauen - finden sich die Gardisten auch bei Illuminati wieder. Die pittoreske Engelsburg wurde von Kaiser Hadrian (76 - 138) als Mausoleum errichtet. Nachfolger Aurelian, ein prominenter Feind der Germanen, ließ den Hügel Anfang des 5. Jahrhunderts zu einer Burg als Gefängnis und Fluchtstätte der Päpste ausbauen.
Durch den erwähnten Gang gelangten Frauen von der Engelsburg zum Liebesspiel in die Gemächer des Papstes Alexander VI. Seinen Namen erhielt das Gemäuer indes nach einer Pestepidemie: Im Jahr 590 soll der Erzengel Michael hier dem Papst Gregor I. das Ende der Pest verkündet haben. Die Statue des Engels auf der Spitze des Gebäudes erinnert bis heute an den Event. In meinem Kopf schwirren nun Versatzstücke päpstlicher Geschichte, Intrigen der Illuminati, von Tod und Aberglauben.
Angeregt von Vino und Grappa verfolge ich das abendliche "Dolce Vita" auf Roms alten Gassen und Plätzen. Merke: Die römische Jugend trifft sich immer in einer lockeren Gruppe und natürlich stets später als ausgemacht. Ein angesagtes Ziel ist - wir sind ja in Rom - ein Scherbenhaufen der Antike: Das Viertel am Monte Testaccio. Längst ist das einstige Arbeiterviertel zu einem alternativen Ausgehviertel mutiert. Mit Vorliebe stehen die Studenten mit ihrem Drink vor dem Eingang. In der Bar sitzend kostet das Getränk schon mal das Doppelte. Der namensgebende Monte diente bis ins vierte Jahrhundert hinein als Halde für zerbrochene Amphoren und Gefäße, in denen Wein, Öl und Getreide zum nahegelegenen Tiberhafen Roms transportiert wurde. Im 1975 geschlossenen Schlachthof von Testaccio befindet sich seit 2003 ein Ableger des Museums für zeitgenössische Kunst MACRO.

Rom - Piazza Navona

Rom - Piazza Navona

Rom - Päpstliche Schweizergarde

Rom - Päpstliche Schweizergarde

Rom - Trevi-Brunnen

Rom - Trevi-Brunnen



Rings um die Spanische Treppe, einem beliebten Treffpunkt der Touristen, locken so ab Mitternacht viele Bars, Pubs und angesagte Clubs. Nummer Eins unter ihnen ist "Gilda" in der Via Mario de' Fiori. In dem Club trifft sich die römische Prominenz, und doch lässt es sich hier auch ganz entspannt chillen. Ohne billig zu sein, reißt der Besuch kein unangemessenes Loch in die Urlaubskasse. Tagsüber findet sich an der Via Condotti zu Füßen der Spanischen Treppe ein luxuriöses Einkaufsviertel. Labels à la Giorgio Armani, Gucci, Dolce e Gabbana oder Versace laden zum Staunen ein. Die Treppe selbst dient mit ihren 138 Stufen gern als Bühne für Modeschauen.
Zur "Festa della Primavera" zieht es Touristen und Römer zur Piazza di Spagna. Mit Straßentheater und Konzerten wird der Frühling begrüßt und gleichzeitig die Gründung Roms am 21. April gefeiert. Die Spanische Treppe verwandelt sich dabei in ein betörendes Blumenmeer aus roten Azaleen.
Des Nachts ist das Quartier am Pantheon ein weiteres Amüsierviertel. Ganz in der Nähe habe ich über Airbnb eine charmante Ferienwohnung gebucht. Nach langer Nacht und fußlahm vom Sightseeing-Programm kann ich hier zwischendurch entspannen. Eine Klimaanlage ist dank Ventilator und schattiger Gasse gar nicht nötig. Dafür schlägt die Ferienwohnung die Hotels preislich um Längen.
Das antike Pantheon ist die namensgebende Mutter wichtiger Begräbniskirchen und zugleich das Vorbild für Kuppelbauten wie den nahen Petersdom, den Invalidendom in Paris, das Kapitol in Washington oder den Berliner Dom. Ich betrete ehrfurchtsvoll die 43 Meter hohe Rotunde. Hier also liegt Raffael begraben, dessen Sixtinische Madonna in der Dresdner Galerie hängt. Unbescheidene 1.700 Jahre lang galt das Pantheon als größte Kuppel der Welt!
Apropos Raffael: Sein in Rom für den päpstlichen Bankier Agostino Chigi geschaffenes Grabmal enthält Botschaften wie Sternzeichen und Pyramiden, die für eine christliche Kirche untypisch sind. Für die Illuminati macht es das unzweifelhaft zum Altar der Wissenschaft ...


Wort: U. Schieferdecker / Bild: T. Reineck


Rom

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