Die wilde Schönheit der Pyrenäen

Die wilde Schönheit der Pyrenäen

Die wilde Schönheit der Pyrenäen

Geformt von Gletschern


Die Pyrenäen bilden die vierhundert Kilometer lange Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Zur gleichen Epoche wie die Alpen faltete sich das Hochgebirge aus den Tiefen des Meeres empor. Der aus Kreuzworträtseln bekannte Berg Aneto erreicht eine Höhe von 3.404 Metern über dem Meeressspiegel. Dieser höchste Gipfel der Pyrenäen ist von ewigem Eis bedeckt. Überhaupt verraten die imposanten Berge und großartigen Täler die formende Kraft vergangener Gletscher.
Das Gebirgsmassiv stellte seit Menschengedenken eine gewaltige Barriere dar. Dennoch lassen sich an den Pässen Spuren von Durchzügen der Karthager und Mohammedaner, von Römern, Germanen oder Vandalen nachweisen. Auch heute sind die Pyrenäen im Vergleich zu den Alpen nur mit Aufwand passierbar. Hotels, Gasthöfe, Berghütten sowie ausgebaute Skigebiete bestehen durchaus. Auch die Preise sind bezahlbar. Dennoch stehen die touristische Erschließung und Vermarktung der Pyrenäen noch ganz am Anfang, vergleicht man diese mit Tirol oder dem Wallis. Eine Autofahrt ins Nachbartal, auf der Landkarte nur zehn Kilometer Luftlinie entfernt, dauert über das Vorland drei oder vier Stunden. Kurz: Wer auf Jause, Skizirkus und Massentourismus steht, sollte sich nach einem anderen Urlaubsziel umschauen.
Die Pyrenäen sind eine Landschaft für Entdecker geblieben. Schon deshalb, weil die Sehenswürdigkeiten hierzulande kaum bekannt sind, wechseln Adrenalinschübe und Anfälle von unbändigem Staunen einander ab. Dazu bedarf es gar nicht immer der alpinen Kammlagen. Der Bergführer Harry führt seit 20 Jahren deutsche Alpinisten durch die Pyrenäen. Das Hotel Terradet liegt sehr reizvoll an einem Stausee in der Sierra Montsec. Ein Uferweg bringt uns zügig zur Felsenschlucht Barranc del Bosc. Die Wände ragen beidseits mehrere hundert Meter hinauf. Hoch oben zieht majestätisch der Gänsegeier seine Kreise. Kleine weiße Punkte in schwindelerregender Höhe am Fels verraten seine Nester. Der Greifvogel gehört mit einer Spannweite von 2,70 Metern zu den größten Vögeln überhaupt.

Die wilde Schönheit der Pyrenäen

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Der Geier nährt sich nur von Aas, sucht uns der Führer zu beruhigen. Der Blick in die gähnende Tiefe konterkariert seine Bemühung. Indes täuscht die Hochgebirgsszenerie, der Aufstieg gestaltet sich schweißtreibend: Der ausgetrocknete Talboden liegt auf einer Höhe von nur 300 Metern über dem Meer. Nach der Rückkehr ins Hotel lädt der tiefblaue Swimmingpool ein zu einem entspannenden Bad.
Am Morgen fährt uns Harry auf einer endlosen Schotterpiste zu einer kleinen Baude. „Es gibt eine Spur menschlichen Lebens“, spotte ich über den PKW neben uns. Hinter der Baude verliert sich ein schmaler Weg im Dunkel des dichten Waldes. Am Himmel ziehen sich graue Wolkenmassen zusammen, es donnert. Wollen wir oder wollen wir nicht? Harry ist kein Feldwebel. So viel verrät er aber doch: Ein Rückweg wäre für uns ausgeschlossen. Wir beschließen, zu gehen. Nach einem kurzen Wegstück wird das Gefälle stärker. An einer Biegung öffnet sich hunderte Meter unter uns der Blick auf einen strahlend türkisenen Fleck. Kann das überhaupt Wasser sein? Es ist. Schritt für Schritt wird die Landschaft gewaltiger. An den senkrechten Kalkhängen tritt der Wald zurück und lässt den Blick in ein kilometerlanges Tal fallen. Die verspringenden Wände scheinen einander fast zu berühren. Mal klettern wir über hölzerne Stiegen die senkrechte Wand hinauf, später ist der Weg mit einer Breite von einem Meter waagerecht in die 500 Meter hohe Steilwand gefräst. Ein Geländer gibt es nicht. Das an der Innenwand befestigte Stahlseil wirkt fester als es ist. Fünf Stunden Herzrasen sind programmiert. Doch keiner wird die Monrebei-Klamm je vergessen.
Bevor unsere Tour „in die richtigen Pyrenäen“ führt, überrascht uns Bergführer Harry im Vorland mit den 300 Meter aufsteigenden Felsentürmen der Mallos de Riglos. Es sind nicht nur die Gänsegeier, die wir an den oft überhängenden Felsen entdecken. Schon seit Jahrzehnten sind die Torres ein beliebtes Kletterrevier.

Die wilde Schönheit der Pyrenäen

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Am Mündungsloch eines Straßentunnels lässt uns der Führer aussteigen. Auf der alten Fahrstraße gelangen wir in die wildromantische Collegats-Schlucht. Schroff steigen die Kalksteinformationen der Vorpyrenäen gen Himmel. Das Weltgeschehen ließ die kleinen Dörfer unterhalb des Nationalparks über Jahrhunderte außen vor. Kein Krieg und keine Brandschatzung versehrte je die Kirche Sta. Eulària de Unha. Im Inneren des romanischen Sakralbaus überdauerten Wandmalereien des 11. und 12. Jahrhunderts. In Sichtweite erhebt sich im Nachbarort St. Andreu de Salardú. Eine gläserne Vitrine schützt das hölzerne Kruzifix aus dem zwölften Jahrhundert. Bis heute begleitet die wertvolle Reliquie die Gemeinde bei der alljährlichen Prozession im Mai.
Der Nationalpark Aigües Tortes – was so viel wie mäandrierendes Wasser bedeutet - gilt als die größte alpine Seenplatte in Europa. Südliche Sonne und Niederschläge von über 2.000 mm im Jahr lassen die Natur in den schönsten Farben prangen. Und ja doch, es kommt immer noch gewaltiger, wird uns am Ordesa-Canyon im aragonischen Nationalpark Ordesa y Monte Perdido bewusst. Aus Buchenwäldern führt uns der Weg 700 Meter höher an den Eingang des gletschergeformten Canyons. Aus den schroffen, kilometerhohen Kalkwände treten hunderte Wasserfälle hervor, darunter der Wasserfall Cola de Caballo.
Die Pyrenäen bieten mannigfaltige Naturschauspiele. Zu empfehlen sind dabei geführte Wanderungen mit Expeditionscharakter, wie sie etwa der Summit Club des Deutschen Alpenvereins mit der Transpyrenaica in Etappen oder in Gänze anbietet.

www.spain.info
www.dav-summit-club.de/reiseziele/europa/spanien.html

Wort und Bild: Uwe Schieferdecker


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