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Lissabon

Schmuckstücke nicht nur im Museum


Die portugiesische Metropole Lissabon gehört in Europa zu den kleineren, wenn auch sicher spannendsten Hauptstädten für den Touristen. Da ist zunächst die herzliche und gastfreundliche Art der Einheimischen.
Anders als vielleicht in Athen fühlt sich der Besucher - ungeachtet der Finanzkrise - überall willkommen. Die Stadt besticht durch den Kontrast zwischen prachtvoller Architektur aus der Zeit als Kolonialmacht und modernsten Bauten aus Glas und Stahl. Insbesondere die Weltausstellung von 1998 hat sehr gut getan. Es entstanden tolle, futuristische Bauten und eine komfortable Infrastruktur.
Lissabon verfügt inzwischen über ein gut ausgebautes Metronetz. Auch der Flughafen ist auf diese Weise bequem vom Stadtzentrum zu erreichen. Tagestickets sind mit sechs Euro sehr preisgünstig und so lässt sich die Stadt gut erkunden. Diverse Verkehrsmittel erleichtern unter der südländischen Sonne auch die Überwindung der starken Höhenunterschiede. Denn neben langen Treppen und steilen Stiegen verbinden einfallsreiche Erfindungen wie Rolltreppen, historische Aufzüge wie der Elevador de Santa Justa oder Standseilbahnen das Barrio Alto mit der Baixa.


Die Standseilbahnen erinnern an ältere Straßenbahnen. Doch die gibt es auch noch: Eine Fahrt mit der historischen Linie 28 ist die perfekte Stadtrundfahrt. Dabei erhascht der Besucher einen Blick auf das normale Leben und passiert engste Gassen, die kaum breiter sind als die Tram selbst. Diese ächzt und quietscht dabei und auch für den Magen sind die fulminanten Straßengefälle und Steigungen eine Herausforderung.
Was tagsüber als nettes, alternatives Shoppingquartier erscheint, besticht des Nachts durch ein pulsierendes Nachtleben. Im Bairro Alto, dem hochgelegenen historischen Altstadtviertel, reiht sich Bar an Bar und unzählige gute Restaurants säumen die Straßen. Wer sich von elegischen Klängen oder dem Duft aus den Küchen anziehen lässt, sollte wissen: Echten Fado gibt es nicht während der Touristentouren zu hören, denn der beginnt nie vor Mitternacht. Und wer von den kleinen Vorspeisen, die im Restaurant ungefragt auf den Tisch gestellt werden, probiert, muss sie auch bezahlen.


Im Amüsierviertel finden das nächtliche Leben und die Party tatsächlich auf der Straße statt. Für den Gaumen ist das "Sea Me" unweit vom Baixo Chiado im Herzen der Stadt zu empfehlen. Selbst bekennende Fleischesser können bei diesem Angebot an Fisch und Meeresfrüchten nicht widerstehen. Der Stockfisch ist das Nationalgericht und gebratene Sardellen werden gern verzehrt. Sehr lecker sind Schalentiere, die der Mitteleuropäer so meistens noch nie zuvor gesehen, geschweige denn gegessen hat. Sie sehen oft wie Schmuckstücke aus, bereiten aber echte Gaumenfreuden. Doch Vorsicht: Hummer und Langusten haben auch in Lissabon ihren Preis! Die fantastisch angerichteten Gerichte bieten an der langen Tafel köstlichen Gesprächsstoff mit den Tischnachbarn.
Das sicherlich beliebteste Ausflugsziel für Lisboetas wie Touristen ist Belém. Der Vorort an der Mündung des Tejo in den Atlantik ist dank unseres Tagestickets bequem mit der Straßenbahn zu erreichen. Um 1515 entstand an der Zufahrt zum Hafen der Kapitale der Turm von Bethlehem - Torre de Belém. Kein Tourist, der dieses pittoreske Bauwerk im manuelinischen Stil nicht ablichten würde. Der Wehrturm gehört heute zum UNESCO-Welterbe. Hier in Belém ist auch die Heimat der köstlichen Pastéis. Die Sahnepasteten, frisch aus dem Ofen gezogen und mit Zucker und Zimt bestreut, sind aber auch zu lecker!


So gestärkt, sollte das weltberühmte Mosterio dos Jerónimos besichtigt werden. Der beeindruckende Kuppel-bau ist zugleich wichtig für die portugiesische Identität. Neben dem rosafarbenen Präsidentenpalast locken das Kutschenmuseum und das nahe Marinemuseum. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2007 gehört das moderne Museu Coleção Berardo mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts zu den meistbesuchten Museen Europas. Äußerlich erinnert das monumentale Gebäude an altägyptische Architektur. Und - Überraschung - am Tejo sind die Werke von Warhol bis Picasso, Dubuffet, Pollock, Mel Ramos und Baselitz sogar kostenlos zu bewundern!
Die mehr als zwei Kilometer lange Ponte 25 de Abril über den Tejo gilt als zweitlängste Hängebrücke mit kombiniertem Straßen- und Eisenbahnverkehr der Welt. Die Einheimischen bezeichnen sie schlicht als "Ponte". Das faszinierende Meisterwerk der Ingenieurskunst steht der Golden Gate in nichts nach ...
Ein weiteres Muss für jeden Touristen ist das Museum für Archäologie. Mitten in der Altstadt neben dem Elevador befindet es sich in einer Kirchenruine. Die Ausstellungsmacher haben skurrile Ausstellungsstücke wie Mumien ungewöhnlich in Szene gesetzt. Auch die Museumskatze darf natürlich nicht fehlen.
Trotz bester Urlaubsstimmung können wir die Augen nicht vor den sozialen Problemen verschließen. Die Finanzkrise riss eine spürbare Kluft in die Gesellschaft, welche oft erst auf den zweiten Blick deutlich wird.
Weiterhin bildet der Tourismus ein wichtiges Standbein der portugiesischen Wirtschaft. Die tägliche Flugverbindung mit der Airline TAP Portugal ab Berlin-Schönefeld eröffnet beste Möglichkeiten, die herzliche und stolze Nation am südwestlichsten Ende Europas neu zu entdecken.


Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: Torsten Reineck