Leserreisen

Polen

Mit GPS in den Urwald


Endlose Wälder voller Beeren und Pilze, ursprüngliche Flüsse und Seen, Störche und Rotbauchunken - in Wielkopolska gibt sich die Natur unzerstört. Hunderte Kilometer ausgebaute Fahrradwege führen quer oder als Rundweg durch diese Idylle. Im Herzen befindet sich die alte polnische Stadt Poznan.

Quietschend fährt der Schnellzug aus Berlin nach exakt drei Stunden im Hauptbahnhof von Poznan ein. Das quirlige Treiben auf dem Bahnsteig gemahnt an einen orientalischen Basar. Die reine Postkartenidylle präsentiert sich hingegen auf dem Alten Markt. Die Einwohner rühmen das Renaissancerathaus als das schönste nördlich der Alpen. Mit seinem hohen Turm und der verspielten Fassade des Italieners Giovanni Battista di Quadro ist es ebenso bezaubernd wie die umstehenden Bürgerhäuser.
Wie auf einer italienischen Piazza sitzen Studenten und Touristen ringsum vor den Cafés und Pubs. Nachts zieht die Jugend um die Blöcke, um schließlich in den Szeneläden und Bars der Altstadt zu verschwinden. Die Touristen hingegen treffen sich gerade in der Mittagsstunde am Rathaus. Sie gelten als Wahrzeichen von Poznan: Zwei kleine Ziegen, die Schlag zwölf aus einer Pforte im Turm heraustreten. Immer wieder gern erzählt der Stadtführer die passende Story von dem Küchenjungen, der …
Mit dem Auto, Zug, Bus oder einfach dem Fahrrad sind die weitgehend naturbelassenen Wälder, Seen und Flüsse von Wielkopolska (Großpolen) schnell zu erreichen. Die "Hundert-Seen-Route" ist eine von sieben Fahrradstrecken mit satellitengestützter Orientierung über GPS. Vorbei an idyllischen Gewässern passieren wir endlose dunkle Wälder und verschlafene Dörfer. Bären soll es hier keine geben, wie beruhigend. Menschenscheue Wölfe aber durchaus. Völlig überraschend dann das luxuriöse polnische Herrenhaus von Wojnowo. Nach Jahreszeiten gestylte Zimmer oder die gedeckte Tafel unter Stuck und Kronleuchtern bilden den passenden Rahmen für VIP-Treffen oder Hochzeiten.
Der 1.097 Hektar große Powidzkie-See bietet bei Westwind beste Möglichkeiten für Windsurfer. Auf dem Drawa-Fluss fuhr der Krakauer Bischof Karol Wojtyla einst mit Jugendlichen Kajak. An den späteren Papst erinnert heute ein Gedenkstein. Unterwegs mit dem Boot entpuppt sich der Flachlandfluss als überraschend strömungsschnell. Am Ufer entdecken wir die Hinterlassenschaften des Bibers. 150 Vogelarten vom Roten und Grauen Milan bis zum Seeadler fühlen sich hier heimisch. Die organisierten Kajaktouren können bis zu zwei Wochen andauern; Übernachtungen mit Frühstück werden dazu ab zwölf Euro angeboten.

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Wort und Bild: Uwe Schieferdecker