Leserreisen

Normandie

Zauberschloss und Camembert


Zwischen der Normandie und der Bretagne liegend und bei Flut auch im Meer, ragt der normannische Felsen Mont Saint Michel steile 80 Meter aus dem Watt hervor.

Es war der Erzengel als Himmelsbote, der vor zwölfhundert Jahren dem Bischof Aubert die Aufgabe für die Errichtung einer Wallfahrtsstätte an dessen Spitze übertrug. Mit Erfolg: Das einzigartige Ensemble am Rande der Normandie gilt heute nach Paris und Versailles als meistbesuchte Sehenswürdigkeit Frankreichs.
Geschützt von dicken Festungsmauern windet sich das mittelalterliche Dorf schneckenförmig den Granit-sporn hinauf. Auf der Spitze thront die Abteikirche und reckt ihren Turm zu Ehren des heiligen Michael weitere 80 Meter gen Himmel. Die Aussicht ist so einmalig wie die architektonische Leistung der Benediktinermönche, die im tiefsten Mittelalter neben dem Sakralbau noch zwei gewaltige Säle und den berühmten Kreuzgang übereinander errichteten.
Trrr… die Geräuschkulisse ähnelt einer schwachbrüstigen Vespa. Auch das Fahrverhalten ist so, als würde ein wilder Teenie quer durchs sizilianische Dorf preschen. Da gibt Fabien Gas und der Ultraleichtflieger hebt mühelos vom Boden ab. Binnen weniger Minuten erreichen wir beide die Flughöhe von 500 Metern. Der Wind greift in die Spanten und wirbelt die Ultraleicht-Maschine umher wie ein Blatt. Und da erscheint uns zu Füßen Mont Saint Michel: "So fern von der Erde wie ein Zauberschloss, verblüffend wie ein Traumpalast, unwahrscheinlich fremd und schön", geriet bereits Guy de Maupassant ins Schwärmen. 80 Euro kostet diese ungewöhnliche Annährung an den berühmten Klosterberg.
Häufig hängen die Wolken gar schwer über den grünen Weiden der Normandie. Das freut das Vieh. "Oh, la vache!", gilt dazulande als Ausbruch der Verwunderung. Von besagter Kuh stammt eine der Delikatessen der Normandie. Mönche wissen bekanntermaßen, wo es sich gut leben lässt und was gut schmeckt. Nicht zufällig war es ein Priester, der im Haus einer Bäuerin aus Rohmilch einen wohlschmeckenden Weißschimmelkäse zauberte. Wo? Im normannischen Dorf Camembert! Dort gibt es auch ausgedehnte Obstgärten. Zu den Spezialitäten der Normandie gehören der Apfelwein Cidre und der Apfelbranntwein Calvados.
Ganz ohne umdrehungsreiche Apfelprodukte wird mir in La Roche d' Oëtre schwindelig. Das liegt weniger an dem 40 Meter hohen Felsabhang der Normannischen Schweiz, vielmehr bewege ich mich auf den schwankenden Tauen des Hochseilgartens voran. Die Kletterpartie weit über dem Waldboden verläuft in mehreren Schwierigkeitsgraden. Je nach Adrenalinbedarf auch fast in den Himmel …

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Wort und Bild: Uwe Schieferdecker