Nizza

Glanz und Glamour


Komforthotels sehen in Paris so aus wie in Maimi oder Moskau? Mag sein. Im "HI" mitten in Nizza präsentiert sich Zeitgeschmack anders.

Die gestylte Rezeption duftet nach Orange und erinnert an eine U-Bahn-Station der 1970er. Das spacige Foyer ist tagsüber Restaurant; freitags und sonnabends mutiert es zur Partylocation. Die vegetarische Kost nach den Rezepten eines Starkochs wird in recycelbaren Pappbehältern gereicht.
Nizza ist angesagt. Das "HI" liegt unweit der berühmten Promenade des Anglais, ein japanischer Kultfilm steht für den knappen Namen. Direktorin Laurence Shukor sieht ihre zahlungskräftige  Kundschaft auch unter den Nomaden-Twens. Ihre Gäste in Flip-Flops verlangen eine Individualität, die große Hotelketten mit ihrer Copy-and-Paste-Innenarchitektur nicht bieten können. "Manche Kollegen meinen noch immer, alle Leute unter 30 rollen nachts ihre Isomatten bei Bekannten aus!"
Nachts aber tobt das Partyleben ähnlich turbulent wie auf Ibiza. Die Vieux Nice wartet mit zahlreichen Diskotheken, Pubs und Kneipen auf. Außerhalb der Happy Hour sind alkoholische Getränke sündhaft teuer. Besonderer Beliebtheit bei Jugend und Studenten erfreut sich das eher preiswerte "Jonathan's" mit Live-Musik. Andernorts feiern sich Glamour und Show-Biz. Der Pomp der Fassaden der Belle Epoque kündet bis heute vom Einfall des europäischen Hochadels im 19. Jahrhundert. Im Hotel "Négresco" nächtigten Rockefeller und die Queen Elisabeth. Heute haben Elton John, Tina Turner und die Agnielli-Familie ihren Wohnsitz in Nizza, ebenso wie Bono von U2 oder Sean Connery. Und David Beckham joggt lässig die Strandpromenade hinunter.
Über allen Parties steht im Februar der volkstümliche Karneval von Nizza. Er soll seine Wurzeln im 13. Jahrhundert haben und zieht Hunderttausende in seinen Bann: Straßenkünstler und Musikgruppen, Lichterumzüge sowie die große Karnevalsparade "y fuegos artificiales". Während der "Bataille des fleurs" auf der Promenade des Anglais liefern sich junge Männer und Frauen regelrechte Blumenschlachten.
"In Nizza ist alles teuer. Die Sonne scheint immer, und das muss man bezahlen", meint Fremdenführerin Coline. Im Umfeld der Rue Masséna findet sich von Lafayette bis Zara alles, was den internationalen Jet-Set und vor allem den neuen russischen Geldadel erquickt. Günstiger und ebenso schick ist es in den kleinen Gassen der Altstadt, sehenswert der Markttrubel auf dem Cours Saleya. Prachtvoll und sogar ohne Geld zu haben ist der Blick vom Schlossberg. Picasso, Chagall und Matisse ließen sich von der Cote d'Azur inspirieren. Paris ausgenommen bietet Nizza mehr Museen als jede andere französische Stadt.

www.guideriviera.com  · www.franceguide.com  

Nizza Nizza Nizza Nizza

 

Wort: Uwe Schieferdecker

Bild: Uwe Schieferdecker, www.nicetourisme.com