Mykonos

Wo die Götter Urlaub machen


Es waren die Blumenkinder, die ab den späten 1960er Jahren den Reiz von Mykonos für sich und die Welt entdeckten. Heute rufen graumelierte Banker danach, Griechenland möge doch angesichts seiner horrenden Staatsschulden einige seiner Inseln verkaufen. Es scheint, als wären die Hippies von einst inzwischen in den Chefetagen angekommen ...
Hochglanzprospekte der griechischen Tourismuswerbung verheißen: Die Götter schenkten den Menschen Mykonos. So bezaubernd, wie das Eiland seine Gäste empfängt, können wir den Werbestrategen wohl sogar folgen. Zumindest ihren Namen verdankt die Insel den Göttern: Mykon war der Enkel des Sonnengottes Apollon. Viele weiße und feine Sandstrände laden hier zum Relaxen ein. Apollon verwöhnt seine Jünger, versprochen!
Die griechische Insel Mykonos ist Teil der Kykladen und befindet sich nur etwa 150 Kilometer südöstlich von Athen. Schon in den 1950er Jahren trafen sich hier Schauspieler, amerikanische Millionäre und der französische Hochadel. Ihre Yachten ankerten am Psarou-Beach, dem schönsten Strand der Insel. Heute liegen vor dem beschaulichen Little Venice in Mykonos-Stadt riesige Kreuzfahrtschiffe, deren Passagiere tagsüber mit ihren Kameras die berühmten Windmühlen einfangen und sich zum Shoppen in den bezaubernden Gassen von Mykonos-Stadt treffen.
Ob alt oder jung, in Mykonos trifft sich gewiss nicht das Ballermann-Publikum. Schnäppchenangebote sind daher auf der Haupteinkaufsstraße Mandojannis nicht zu erwarten. Auch die Restaurants warten mit einem eher gehobenen Preisniveau auf. Empfehlenswert ist es da, den Einheimischen zu folgen, die die kleinen Lokale in den Seitenstraßen bevorzugen. Dort ist die Küche oft besser und das Essen trotzdem bezahlbar.
Kleine idyllische Plätze und malerische Kapellen mit blauen Dächern locken die Touristenscharen auf Entdeckungstour. Das traditionelle Ortsbild wird nicht durch Hochhäuser oder Allerweltsglasfassaden entstellt. Die Sonne des Mittemeers spielt mit dem Kontrast zwischen den farbigen Holztüren und Fenstern sowie der Blütenpracht auf den windschiefen hölzernen Balkonen.
"Sehen und gesehen werden" lautet das Motto an der Uferstraße zwischen dem Hafen und dem Fähranleger. Wie Spielzeugklötze reihen sich die weißen kubischen Häuschen mit ihren flachen Dächern und blauen Fensterläden aneinander. Wie oft die Pelikane vom Hafen per MMS um die Welt geschickt worden sind, wissen wohl auch nur die Götter ...
Den Bewohnern des Eilandes wird ein besonderes Maß an Toleranz und Gastfreundschaft nachgesagt. Wenn sich nach Sonnenuntergang das Kreuzfahrtpublikum in seine Kabinen zurückgezogen hat, trifft sich das Partyvolk am Paradise Beach. Hier wartet selbst der Campingplatz mit eigenem Nightclub auf! Übrigens kann der Besucher sogar voll eingerichtete Zelte mieten! Das Paradise Beach Resort und Camping bietet also anständigen Service, ein lauschiges Plätzchen ist er eher nicht. Kein Wunder, wenn allabendlich am angrenzenden Strand die Post abgeht. Die benachbarte Tropicana Bar ist berühmt für ihre Vollmond-Parties.


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Erst drei Stunden nach Mitternacht öffnet am Paradise Beach die größte Diskothek von Mykonos, das Cavo Paradiso. Am Osthang der Bucht feiern alsbald an die zweitausend Gäste unter freiem Himmel. Zum Sonnenaufgang wird den Party-Machern das Frühstück gereicht. Ein Grund vielleicht, warum der Frühstücksservice in den meisten Hotels eher mäßig ist? Übrigens ist der traumhafte Strand, der Paradise Beach vormittags echt zu genießen. Kein Wunder, finden sich doch die Partyjünger kaum vor 15 Uhr am Strand ein. Dann allerdings ist sein Beiname "Sardinenbüchse" nicht ganz von der Hand zu weisen.
Auch in Mykonos-Stadt selbst feiern junge Griechen, internationale Stars sowie Schwule aus aller Welt bis weit in die Morgenstunden hinein. So flippig wie sie auch scheinen mögen, folgen sie gewissen ungeschriebenen Gesetzen. Zunächst fallen sie in eine der Bars ein, die sich im Hafenviertel von Mykonos-Stadt konzentrieren. Spätestens ab Mitternacht steigt das Partyfieber in den Diskotheken Scandinavian Bar und Down Under. Im Schatten der Kirche Agios Nikolaos wird in der Jackie O Bar heiß gefeiert, geflirtet und schließlich auf den Tanzflächen und Tischen getanzt. Auch in Klein-Venedig brennt in den heißen Sommernächten rings um die Nachtbars Castro, Porta und Montparnasse förmlich die Luft. Wenn schließlich das Morgengrauen anbricht, zieht es Hartgesottene noch zum Yachtklub am Fährhafen.
Zu den angesagten Hotels auf der Insel gehört das Elysium. Dank seiner traumhaften Lage auf einer Anhöhe von Mykonos-Stadt gehört es zu den schönsten Aussichtspunkten der Insel. In dem Haus nächtigt vornehmlich Gay-Publikum, doch die Terrasse lockt bei Sonnenuntergang auch viele andere Besucher zum Sunset-Drink bei chilliger Musik. Ist die Sonne einmal im Mittelmeer versunken, findet sich das Publikum an der Poolbar zu Themenpartys ein: Dann heißt es wieder: "The Show Must Go On!"


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Wort und Bild: Uwe Schieferdecker, Tom