Leserreisen
Valldemossa

Valldemossa

Mallorca und Ostpolen

Auf entlegenen Wegen


Wir entführen Euch in diesem Monat an zwei ganz besondere Orte abseits von Stränden und Millionenmetropolen: Sowohl das Kartäuserkloster von Valldemossa auf Mallorca als auch Zamosc in Ostpolen gehören zum Welterbe der UNESCO.


Kartause von Valldemossa

Polnischer Komponist


Valldemossa

Valldemossa

Im November des Jahres 1838 mieteten sich der polnische Komponist Frédéric Chopin und seine Geliebte George Sand in der Kartause von Valldemossa ein. Nur wenige Jahre zuvor hatten die Mönche das Kloster im entlegenen Norden der Insel Mallorca verlassen. Majestätisch überragen seine wuchtigen Mauern das Dorf am Fuß des 1.000 Meter hohen Puig de Teix. Die Postkartenidylle mit dem jahrhundertealten Dorfzentrum, der historischen Klosteranlage, der spätbarocken Klosterkirche sowie dem ehemaligen Königspalast wird seit 2011 von der UNESCO als Welterbestätte geführt. Chopin suchte in der Höhenluft und im milden Mittelmeerklima Linderung seiner Tuberkulose. In den beschaulichen Natursteinhäusern von Valldemossa finden sich heute kleine Läden und Lokale. Wir stoßen auf George Sands Buch "Ein Winter auf Mallorca". Längst zum Kultbuch avanciert, geht die Schriftstellerin darin mit den Dorfbewohnern hart ins Gericht. Steine flogen - eine Frau mit Pfeife und Hosen, das war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohl zu viel für die konservative Bevölkerung. Deren Nachfahren machen heute gutes Geld mit der Vermarktung der berühmten Gäste. Und keiner der Besucher lässt sich die Mönchszellen entgehen, in denen die beiden Künstler 1838/39 überwinterten. Für das eher regnerische Herbstwetter entschädigt uns das Schauspiel von Wasserfällen an den Hängen der Tramuntana-Berge. Hier holte sich Chopin damals die Anregung für sein berühmtes "Regentropfen-Prelude" ...
www.spain.info/de



Idealstadt Zamosc

Polnischer Kanzler


Zamosc

Zamosc

Im Jahr 1580 verkündete der polnische Kanzler Jan Zamoyski seinen Plan, eine gewaltige Idealstadt im Sinne der Renaissance zu errichten. Er beauftragte den Architekten Bernardo Morando und suchte sich ein Areal im südöstlichen Polen aus: Zamosc sollte nach den Wünschen seines Gründers auf der "rohen Wurzel", also auf dem freien Feld in der Hügellandschaft Roztocze, entstehen. Auf dem regelmäßigen Schachbrettgrundriss wuchsen alsbald um den Hauptmarkt prachtvolle Bürgerhäuser mit Attiken und Bogengängen empor. Der Plan sollte aufgehen: Nach nur elf Jahren waren bereits 90 Prozent der Grundstücke bebaut. Hier siedelten u.a. Juden, Griechen, Deutsche, Schotten und Armenier. Die bunten Fassaden der armenischen Handelshäuser künden noch heute von einem Reichtum, der sich im Handel mit chinesischer Seide, sibirischen Pelzen oder indischen Gewürzen begründete. Dieser Wohlstand wurde gut geschützt, denn die Stadt war von Mauern, Wassergräben und sieben Bastionen umgeben. Deren gewaltige Dimensionen lassen sich am ehesten mit der Brühlschen Terrasse in Dresden vergleichen.
Wenn Zamosc heute eher am Rande des Weltgeschehens liegt, so hat das sein Gutes: Zamoyskis Idealstadt von 1580 ist praktisch vollständig erhalten, sehr gut saniert und wurde folgerichtig bereits 1992 von der UNESCO in die Liste der Welterbestätten aufgenommen. Den besten Eindruck von der Stadtanlage bietet nach wie vor der Ausblick vom 51 Meter hohen Turm des Renaissancerathauses am Hauptmarkt.
www.zci.zamosc.pl


Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: Uwe Schieferdecker, Torsten Reineck