Mittelkroatien

Reif zum Entdecken


Kroatien ist touristisch gesehen kein Neuland. Die langgestreckte Küste zur Adria zwischen Istrien, Split und Dubrovnik mit der vorgelagerten Inselwelt zählt seit den 1970ern zu den beliebten Urlaubszielen der Bundesdeutschen.

Anders ist es um Mittelkroatien bestellt. Die Mehrzahl der Deutschen wüsste nicht einmal mit Bestimmtheit zu sagen, ob Zagreb nun die Hauptstadt von Slowenien oder Kroatiens ist.
Mittelalterliche Gassen und prachtvoller Habsburger Klassizismus, sozialistische und aktuelle Moderne, gewürzt mit lebendigen Märkten und einem unverkennbaren slawischen Charakter machen schon auf den ersten Blick den Charme der Millionenmetropole Zagreb aus. Die beinahe mediterrane Sonne strahlt über den breiten Boulevards der Innenstadt, die ein grünes Hufeisen bilden. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht verbindet es die Prachtbauten aus der Zeit der k.u.k.-Monarchie, die bis 1918 das Land beherrschte: Vom neobarocken Nationaltheater bis zum neoklassizistischen Hauptbahnhof. Nebenan erinnert das Luxushotel "Esplanade" an den Glanz des legendären Orientexpress nach Istanbul.
Von der quirligen Einkaufsstraße Ilica führt die kleine Standseilbahn Uspinjaca in die Zagreber Oberstadt. Über der kleinen oberen Plattform liegt der Duft gerösteter Kastanien. Uns zu Füßen breitet sich die City aus, im Rücken befinden sich die wichtigen Museen und die Kathedrale der Stadt. In den letzten Jahren öffnete in den umliegenden Gassen des 17. und 18. Jahrhunderts eine Fülle von Szenekneipen, in denen sich abends die Studenten und Jugendlichen zum Partymachen treffen.
Nördlich das Machtzentrum der Habsburger, vom Süden drängten die Osmanen vor: Kaum eine Region weist so viele Festungen und Burgrui-nen auf, wie das mittelgebirgige Hinterland von Zagreb, Zagorje genannt. Während die Farbgebung der Häuserfassaden an die ukrainische Provinz erinnert, werden in der Küche venezianische Einflüsse spürbar. Dieses bunte Potpourri ist für den Touristen von Reiz. Die Kroaten hingegen sehen sich selbst, vielleicht auch wegen der lockenden EU-Gelder, zunächst als Mitteleuropäer.
Von der Lage und Ausstrahlung erinnert das bezaubernde Schloss Trakoscan am ehesten an Neuschwanstein. Wer es ohne die von dort bekannten Touristenmassen mag, den wird das kroatische Märchenschloss mehr als begeistern. Weiter nordöstlich, schon nahe der Grenze zu Ungarn und Slowenien, befindet sich das historische Varazdin. Hier werden im September zum bereits 39. Male die musikalischen Barock-abende veranstaltet. Und wenn sonnabends die Stadtwache aus der Ära der Kaiserin Maria Theresia vor dem Varazdiner Rathaus die Wachablösung zelebriert, scheint einmal mehr die Zeit stehengeblieben.

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Wort und Bild: Uwe Schieferdecker