Feuerland

Feuerland

Feuerland

Das südliche Ende der Welt


"Willkommen am Ende der Welt", kündet ein Schild am Hafen von Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde. Angesichts zerklüfteter Berge und wilder Ozeane mögen Ferdinand Magellan wohl genau solche Gefühle beschlichen haben, als er 1521 die Südspitze Amerikas erreichte. Doch ausgerechnet der portugiesische Seefahrer bewies mit der ersten Erdumrundung überhaupt, dass die Welt auf der Rückseite des Kontinents weiter geht. Von seinem Flaggschiff Trinidad aus registrierte er karge menschenleere Landschaften. Nur des Nachts kündete Feuerschein von der Anwesenheit von Menschen. So war der Name der Insel am Südende Amerikas geboren – Tierra del Fuego – Feuerland.
Am rauen Klima hat sich seitdem wenig verändert. Die Großartigkeit der Landschaft rührt von den wilden Buchten und schroffen Bergen, Gletscher formten die bizarren Felsengipfel. Die südlichen Ausläufer der Anden wirken daher weitaus höher, als sie mit rund eintausend Metern eigentlich sind. Die mysteriöse Erhabenheit Feuerlands lässt sich auf geführten Trekkingtouren Lapataia-Nationalpark erleben. In geschützter Lage am romantischen Küstenweg längs des Beagle-Kanals breiten sich jedoch auch Buchenbestände aus. Im Südherbst, also Anfang April, scheinen sie in einem Feuerwerk von Farben förmlich zu explodieren.
Indianer leben heute auf Feuerland nicht mehr. Die vier indianischen Völker wurden von rücksichtslosen Kolonisatoren und brutalen Goldgräbern ausgerottet. Ausgerechnet Charles Darwin lieferte ihnen dabei eine moralische Rechtfertigung: Für den Naturwissenschaftler waren es einfach nur "verächtliche Geschöpfe". Das Londoner Anthropologische Museum setzte gar Kopfgelder von acht Pfund Sterling für die Feuerländer aus.

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Feuerland - Jules Verne setzte dem Faro Les Eclaireurs auf der Isla de los Estados in seinem Roman "Leuchtturm am Ende der Welt" ein literarisches Denkmal

Feuerland - Jules Verne ...


Im Jahr 1885 erklärte Argentinien das karge Eiland zur Sträflingskolonie. Elf Jahre später kamen die ersten Gefangenen in Feuerland an. Sie bauten Straßen, das Sägewerk und schließlich das Presidio, ihr späteres Gefängnis. Die gewaltige Anlage beherbergte neben Gewaltverbrechern viele politische Gefangene. Auch der Tren del Fin del Mundo geht auf die Sträflinge zurück. Heute führt die Eisenbahnstrecke als Touristenattraktion in den Nationalpark. Noch 1970 zählte das entlegene Ushuaia kaum 6.000 Einwohner. Schafzüchter, Robbenfänger und Seeleute bewohnten die bunt gestrichenen Häuser aus papiergedämmten Wellblech. Als Zentrum einer Sonderwirtschaftszone hat Ushuaia in den vergangenen Jahren eine atemberaubende Entwicklung hinter sich und wird inzwischen von 70.000 Menschen bewohnt.
Das Gefängnis ist inzwischen eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das monströse Museum Maritimo y Presidio zeigt gruselige Zellen. Zuletzt pferchte die von 1976 bis 1983 währende Militärdiktatur hier politisch Missliebige ein. Im Ausstellungsbereich Schifffahrt ist der Nachbau eines Kanus der Yamana-Indianer zu beschauen, weitere Themen sind die Antarktis und der Falkland-Krieg.
Ushuaia gilt in der Gegenwart als wichtiger Ausgangspunkt für touristische Expeditionen. Hier legen Kreuzfahrtschiffe an, werden einwöchige Trips in die Antarktis ebenso angeboten wie Wandertouren durch Feuerland. Zu den Attraktionen, die sich kein Besucher entgehen lässt, gehört eine Schifffahrt auf dem Beagle-Kanal. Dessen besondere Ausstrahlung reizte schon Jules Verne, der dem Leuchtfeuer Faro Les Eclaireurs auf der Isla de los Estados in seinem Roman "Leuchtturm am Ende der Welt" ein literarisches Denkmal setzte.

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Feuerland


Mindestens fünf Stunden währt die Tour "Pinguinera" mit einem der schnittigen Ausflugsboote zur Insel Martillo. Jeweils im November kommen die possierlichen Vertreter der Gattungen Magellan- und Kaiserpinguine pfeilschnell durch das kalte Nass des Südatlantiks angeschwommen. Einmal an Land, wirken sie hingegen drollig und tollpatschig. Der Kaiserpinguin erreicht eine Körpergröße von 130 Zentimetern und gilt damit als der größte Vertreter der Gattung überhaupt. Pinguine gehen am Strand aufrecht und im Wasser schwimmen sie. Nur fliegen können sie nicht, trotzdem gehören sie zur Familie der Vögel. Auf der chilenischen Insel Martillo bilden die Pinguine eine eigene Kolonie.
Apropos Chile: Zwischen den beiden Nachbarländern herrscht eine spürbare Intimfeindschaft. So schlug sich Chile während des Falkland-(Malwinen-)Krieges 1982 auf die Seite der Briten, was der Fehde neue Nahrung gab. Bei der Trekkingtour durch den argentinischen Nationalpark Lapataia frage ich den Führer nach der Höhe der umliegenden Berge. Mit einer Handbewegung nach Westen zeigt er auf den Monte Darwin. Der mit 2.488 Metern höchste Berg des Feuerland-Archipels liegt auf chilenischer Seite. "Wir werden ihn bei Gelegenheit wegbomben!", kommentiert er gelassen.
Der Nationalstolz wird allerorten herausgekehrt. Auf einer Landungsbrücke an der Isla Redonda zähle ich 15 Fahnen in Blau-Weiß-Blau, den Farben Argentiniens. Kein Wunder, die Grenze zu Chile liegt wenige hundert Meter entfernt. Außerordentlich argwöhnisch beäugen die Einwohner von Ushuaia die Entwicklung von Puerto Williams jenseits des Beagle-Kanals. Die chilenische 1.800-Seelen-Gemeinde liegt ein paar Kilometer näher am Südpol. Noch zählt Puerto Williams nicht als Stadt, noch gilt Ushuaia als südlichste Stadt der Erde. Doch ob dieser Status dauerhaft erhalten bleibt, darf an dieser Stelle schon einmal bezweifelt werden.

www.reallatino-tours.com

Wort und Bild: Uwe Schieferdecker


Feuerland - Das ehemalige Gefängnis in Ushuaia

Feuerland - Das ehemalige Gefängnis ...

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Feuerland