Leserreisen
Jakobsweg, Galizische Küste

Jakobsweg, Galizische Küste

Städtereisen (Teil 9)

Aktiv in der Sonne


Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela gehört zu den beliebtesten Fernwanderwegen in Europa. Doch Galicien bietet weit mehr: Auf 200 Kilometern führt der Leuchtturmweg als abenteuerliche Trekkingroute längs der Todesküste bis zum Kap Finesterre, dem Ende der mittelalterlichen Welt. In Lugo lockt die besterhaltene Stadtmauer aus römischer Zeit zum Joggen. Und: Für alle aktiven Fahrradfreunde verbindet die Via Rhona als neuer Radfernweg den schweizerischen Rhonegletscher mit der Cote d'Azur.


Via Rhona

Radeln durch die Weinberge


Weinberg von l'Hèrmitage im Rhonetal

Weinberg von l'Hèrmitage im Rhonetal

Die Rhone gilt als wasserreichster Strom Frankreichs. Über Jahrtausende verknüpfte das Tal Zentraleuropa mit dem Mittelmeer. Neuerdings führt auf 817 Kilometern Länge die Via Rhona vom Genfer See in der Schweiz bis in die französische Provence. Die Fertigstellung des noch lückenhaften Radfernwegs ist für das Jahr 2020 geplant. Auch unterhalb von Lyon ist die Fließgeschwindigkeit der Rhone noch beträchtlich und steht im Kontrast zu den reizvollen Weinbergen und Schlössern am Wegesrand.
Verträumte Dörfer wechseln sich ab mit beeindruckenden römischen Baudenkmalen. Sehenswert sind etwa die römische Siedlung Saint-Romain-en-Gal oder die Kleinstadt Vienne auf antikem Grundriss. Noch heute finden in dem rekonstruierten Freilufttheater renommierte Festivals statt.
Längs des Radwegs bilden romantische Campingplätze und kleine Landhotels attraktive Etappenziele. Die Weinlagen beidseits der Rhone zählen zu den besten in Frankreich. Schon der Romancier Marie-Henri Stendhal verbrachte hier feucht-fröhliche Stunden. Etwas versteckter als in deutschen Anbaugebieten laden Winzer zu Weinverkostungen. Hoch über der Rhone reicht die Kellermeisterin Marie-Josée Faure im Terres de Syrah edle AOC-Weine. In der mittelalterlichen Burg Tournon werden edle Tropfen der Lage d'Hermitage geboten. Vor Valence als Tor zur Provence passiert die Via Rhona in Andance die älteste Hängebrücke Frankreichs. Nun ist es nur noch ein Katzensprung bis zur vielbesungenen Brücke von Avignon.
www.viarhona.com




Galicien

Abseits des Jakobswegs


Römische Stadtmauer und Kathedrale in Lugo

Römische Stadtmauer und Kathedrale in Lugo

Spätestens seit Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg!" ist der Jakobsweg in aller Munde. Wie zur Zeit der Kelten versinkt die glutrote Sonne allabendlich hinter dem Finisterre in den Weiten des Atlantiks. Ob die Todesküste zum Atlantik im Westen oder die Playa de las Catedrales an der Grenze zu Asturien im Nordosten, tief ins Hinterland reichende Buchten, hohe Felsenkaps oder romantische Leuchttürme - Galicien bietet neben dem Jakobsweg vielfältige landschaftliche und bauhistorische Highlights. Badestrände sind allerdings selten. Neben den kalten Wassermassen des Atlantiks sind es vor allem die tückischen Meeresströmungen, die dem Badespaß abträglich sind. Kenner aber wissen: Ein kaltes Meer ist sehr reich an Meeresfrüchten. So gehört die galicische Küche zum Besten, was Spanien zu bieten hat. Vor schaukelnden Fischerbooten im Hafenlokal "O Barqueiro" oder in der weithin berühmten Pulpería "Aurora" von Lugo: Fangfrisch gelangen achtzig Sorten Seefische, dazu Austern, Langusten und Muscheln neben Kalbfleisch und hervorragendem Weißwein auf den Tisch.
Abseits der Touristenpfade liegt im Landesinneren die Stadt Lugo. Nirgendwo in Spanien ist das römische Erbe so präsent wie hier. Seit beinahe 2.000 Jahren umfängt eine zehn Meter hohe Stadtmauer die Altstadt und steht unter UNESCO-Schutz. Auf der vier Meter breiten Mauerkrone drehen heute Jogger ihre Runden. Nach dem Besuch der romanischen Kathedrale lädt schließlich das historische Zentrum zu einer ausgiebigen Shoppingtour.
www.turgalicia.es


Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: U.S., Torsten Reineck