Annonay

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Städtereisen (Teil 7)

Mit Trabi und Ballon


Es muss ja nicht unbedingt die Stretchlimousine sein. BLITZ! stellt zwei ausgefallene Fahrzeuge vor, mit denen sich spannende Orte bei unseren französischen und polnischen Nachbarn sehr authentisch erleben lassen. Kontakte mit den Einheimischen sind dabei garantiert!


Krakau

Crazy Trabi Tour


Krakau

Krakau

Der Zweitakter heult auf wie eine Kreissäge und schon holpert der froschgrüne Trabant über das Kopfsteinpflaster der Krakauer Altstadt. Mühelos bedient Ida die knuffige Handschaltung am Lenkrad. Die Crazy Tour verspricht zweieinhalb Stunden Spaß in einem "kultigen DDR-Trabant". Unser Ziel ist Nowa Huta, eine sozialistische Planstadt östlich von Krakau. Der städtebauliche Entwurf von 1949 nahm sich eine Renaissancestadt zum Vorbild. Die Fassaden folgten dem Neoklassizismus. 450 Millionen Dollar brachten die Bruderländer für das damals größte Stahlkombinat der Welt auf.
Breite Magistralen führen zum zentralen Platz, der damals Stalins und heute Ronald Reagans Namen trägt. "Die Feinde unserer Feinde sind unsere Freunde", meint Ida zweideutig. Anfangs führte Nowa Huta den Beinamen "Weiße Stadt", doch alsbald verfärbten die Abgase des gigantischen Stahlwerkes die hellen Fassaden in ein tristes Grau. Wir steigen die Treppen eines Wohnblocks hinauf und erreichen eine Wohnung mit dem Mobiliar der 60er Jahre. Von der Wohnzimmercouch aus sehen wir im Schwarzweiß-Fernseher einen Jubelfilm der Anfangsjahre.
Unser Guide berichtet überraschend differenziert über Leben, Träume und Sorgen der Bewohner in der "kommunistischen" Epoche. Der Volksmund taufte den Eingang zum Stahlwerk wegen seiner prachtvollen Fassaden "Vatikan". Wir drehen auf dem verwaisten Vorplatz zum Abschluss selbst eine Runde mit dem Trabi. Crazy!
www.crazyguides.com




Annonay

Der Traum vom Fliegen


Annonay

Annonay

L'Art de l'Envol, eine kleine Werkstatt in Annonay. Mit geübten Händen verbindet Mercedes die Bahnen aus Papier und Leinen zu einem runden Ballon. So ungefähr muss die Montgolfière ausgesehen haben, die sich am 4. Juni 1783 vom Marktplatz von Annonay in die Lüfte erhob. Niemals zuvor war der ewige Traum des Menschen, sich wie ein Vogel in die Lüfte zu erheben, gelungen. Jedes Jahr im Juni schlüpfen die Menschen in der Kleinstadt in der Ardèche in prachtvolle Gewänder des 18. Jahrhunderts und verfolgen die Neuauflage des Spektakels. Nach Einschätzung der Brüder Joseph und Jacques Montgolfier war es der Rauch, der den Ballon in die Lüfte erheben würde. Auch beim Balloon Festival von 2016 verbrennen die Ballonfahrer viel feuchtes Stroh. Und siehe da: Langsam belebt sich der von Mercedes genähte große Sack, formt sich vor den Augen der begeisterten Zuschauer zu einem Ballon und fliegt...
Was Wunder, dass die Zahl der Ballonbegeisterten am Geburtsort der Montgolfière groß ist!? Am frühen Morgen, da ist die beste Thermik, treffen wir vor dem Château de Déomas auf Mercedes und ihre ballonverrückten Freunde. Nach am Vorabend waren heftige Regenfälle niedergegangen, und doch hatte der Veranstalter zwölf Stunden vor dem Start "Grünes Licht" gegeben. Je nach Größe von Ballon und Gondel sind für eine Mitfahrt zwischen 150 und 180 Euro zu berappen. Im Schein der aufgehenden Sonne erleben wir dafür eine Luftfahrt an der Stelle, an der 1783 alles begann.
www.ardechegrandair.com


Wort und Bild: Uwe Schieferdecker