Leserreisen
s'Gravensteen in Gent

s'Gravensteen in Gent

Städtereisen (Teil 5)

Kulturtrip im Frühling


Für den kurzen Städtetrip empfehlen wir in diesem Monat zwei lebendige Städte, die eigentlich zu Unrecht abseits der üblichen Touristenpfade liegen: Gent und Dublin. Beide sind sie überraschend geschäftig, ziehen den Besucher mit beeindruckender historischer Kulisse in ihren Bann, bieten Kunst ebenso wie Shopping und Nightlife.


Gent

Licht und Cafés


Touristen-Information am Sint Veerleplein

Touristen-Information am Sint Veerleplein

Mit ihren wunderschönen Gilde- und Stapelhäusern ist die Grasleie ein Postkartenmotiv vom Feinsten: Wo einst Segelschiffe ihre Ladung löschten, starten heute die Ausflugsboote auf den Grachten der Großstadt in Flandern. Vor allem aber ist sie ein Treffpunkt der lokalen Jugend ebenso wie der 70.000 Studenten. Tags sitzen sie auf der Kaimauer und chillen. Bei Anbruch der Dunkelheit zieht das Leben in die rund 600 Kneipen - hier heißen sie Cafés - der autofreien Altstadt hinein. Das kleinste unter ihnen ist das schrullige "T Galgenhuisje". Das Galgenhäuschen bietet auf seinen beiden Etagen Platz für ganze 20 Gäste.
Der Stadtführer schildert die blutigen Metzeleien zwischen Bürgern der freien Stadt Gent und den Grafen im "Steen". Wie zum Hohn tanzen und flimmern heute die angestrahlten mittelalterlichen Gemäuer auf dem Wasserspiegel der Grachten. Die Grafenburg s'Gravensteen ist aber nur eine von vielen illuminierten Bauten der Stadt. Die Tourist-Information am Sint-Veerleplein gibt sogar eine eigene Broschüre zum Lichtspaziergang heraus. Seit 2011 wird in Gent im Zweijahrestakt das Lichtfestival ausgetragen, das nächste im Jahr 2017. In diesem Jahr zieht vom 15. bis zum 21. Juli das Stadtfest zahlreiche einheimische und internationale Künstler und deren Fans an: Das Fest lockt mit seinen vielgestaltigen und kostenlosen Angeboten an Musikveranstaltungen, Straßentheater, Ausstellungen, Kinderanimation, Vergnügungsparks, Paraden und Umzügen und vielen anderen mehr.
www.visitgent.be




Dublin

Bier und Bücher


Old Library im Trinity College Dublin

Old Library im Trinity College Dublin

Die irische Hauptstadt gehört weder zu den großen europäischen Metropolen, noch weist sie eine beschauliche Altstadt, imperiale Boulevards oder eine gewaltige Skyline auf. Dennoch zieht das besondere Lebensgefühl nationale Künstler, Akademiker und im zunehmenden Maße Touristen an. Das mächtige Schloss Dublin Castle lag einst als britisches Machtzentrum im Visier der irischen Freiheitskämpfer. Unser Weg führt entlang des River Liffey zum Trinity College im Szeneviertel Temple Bar. Gleich Connewitz oder der Dresdner Neustadt entwickelte sich das in den 1980er Jahren heruntergekommene Quartier mit inzwischen hunderten Kneipen und Restaurants zum Szenetreff. Als Sir Arthur Guinness im Jahr 1876 seine Stout-Brauerei gründete, ließ er sich die Betriebsrechte auf schlappe 9.000 Jahre sichern. Auf der Guinness-Storehouse-Tour lernen wir, wie Guinness hergestellt wird und wie es zu seinem eigenen Geschmack kommt. Wer sich ein Early-Bird-Ticket bei Guinness sichert, spart übrigens 20 Prozent auf den Ticketpreis von sonst 18 Euro.
Einen Besuch wert ist die Library im Trinity College. Die älteste irische Universität geht auf das Jahr 1592 zurück. Der georgianische Prachtbau ist reizvoll direkt im Stadtzentrum an einem Landschaftspark gelegen. Die Bibliothek, in der das 1.200 Jahre alte Book of Kells bewahrt wird, kann besichtigt werden. Prachtstück der Old Library ist der 70 Meter lange Lesesaal und seine beeindruckende Gewölbedecke.
www.visitdublin.com

Wort und Bild: Uwe Schieferdecker