Leserreisen
Ausstellung Gender in der Krakauer Kunsthalle MOCAK

Ausstellung Gender in der Krakauer Kunsthalle MOCAK

Städtereisen (Teil 4)

Lust auf Frühling


Wer ist die Schönste im Land? Krakau gilt mit seiner unzerstörten Altstadt, den Theatern, Museen und Klubs als heimliche (Kultur-)Hauptstadt von Polen. Die schlesische Metropole Breslau fungiert 2016 gar als europäische Kulturhauptstadt. Gründe genug also mal wieder für einen Abstecher ins Nachbarland!


Krakau

Beeindruckend lebendig


Oderbrücke mit Blick zur Dominsel

Oderbrücke mit Blick zur Dominsel

Krakaus Rynek ist neben dem Markusplatz in Venedig der größte Marktplatz des Kontinents. Prachtvolle Bürgerhäuser bilden eine zauberhafte Kulisse für die mittelalterlichen Tuchhallen. Beeindruckend lebendig gibt sich eine Etage tiefer eine archäologische Präsentation der Bodenfunde unter dem 1.000 Jahre alten Handelsplatz. Die Krone hingegen gebührt der imposanten Marienkirche mit ihren beiden verschiedenartigen Türmen. Ihre äußere Pracht wird noch getoppt von dem märchenhaften Kircheninneren. Der 13 Meter hohe spätgotische Schnitzaltar des Nürnbergers Veit Stoß zählt zu den berühmtesten seiner Art. Südlich der Altstadt beginnt das Viertel Kazimierz, in dem 1939 rund 68.000 Juden wohnten. Wenige Hundert überlebten den Holocaust, auch dank des Mutes des Fabrikanten Oskar Schindler. Steven Spielberg setzte den Opfern und ihrem Retter mit "Schindlers Liste" ein filmisches Denkmal. Die Reste der Filmkulisse sind noch in einem Steinbruch zu besichtigen. Auf dem Gelände von Schindlers Fabrik befindet sich heute eine Ausstellung über die nationalsozialistische Okkupation sowie das spannende und für die Heimat Papst Johannes Paul II. überraschend provokante Museum für zeitgenössische Kunst MOCAK. Durch den Schrank ins "Alchemia": Abends zieht es Studenten und Touristen zur Party nach Kazimierz, später ans Weichselufer in die schräge Location "Lato".
www.cracow-life.com




Breslau

Magisch anziehend


Der prachtvolle Altar von Veit Stoß in der Marienkirche

Der prachtvolle Altar von Veit Stoß in der Marienkirche

Mit 150 Veranstaltungen über das ganze Jahr feiert sich die Europäische Kulturhauptstadt Breslau selbst und ihre Bürger. Besucher sind selbstverständlich gern gesehen. Ein Höhepunkt wird am 1. Mai tausende Gitarrenspieler auf den Marktplatz locken, den Jimi-Hendrix-Song "Hey Joe" anzustimmen. Eingeladen ist ein jeder, der eine Gitarre hat. Der Markt von Breslau - früher Ring genannt - ist keineswegs weniger eindrucksvoll als jener von Krakau. Blickfang ist hier das gotische Rathaus, das geradezu aus einem Märchenbuch entsprungen scheint. Sein Bierkeller soll angeblich bereits seit dem 15. Jahrhundert durstige Kehlen anziehen. Die Bars und Cafés im Umfeld üben spätabends eine magische Anziehung auf Touristen und die 100.000 Studenten aus. Durch die Gassen der Altstadt gelangen wir über romantische Oderbrücken zur Dominsel, gekrönt von den beiden spitzen Türmen des Doms. Die Kurfürstenkapelle trägt die Handschrift des Wiener Barockbaumeisters Fischer von Erlach. Den schönsten Ausblick auf Breslau gewährt hingegen die gotische Elisabethkirche nahe dem Marktplatz. Mühelos mit der Straßenbahn ist der östlich des Stadtzentrums gelegene Kuppelbau der Jahrhunderthalle zu erreichen. Anlass für die imposanten Betonkonstruktion 1913 war das einhundertjährige Jubiläum der Befreiungskriege. Seit 2007 gehört das Werk des Stadtbaurates Max Berg zum UNESCO-Weltkulturerbe.
www.wroclaw.pl

Wort und Bild: Uwe Schieferdecker