Leserreisen

Chile - Land der Gegensätze

Am anderen Ende der Welt


Von Arica im Norden über die Magellanstraße und die Inselgruppe Feuerland im Süden bis hin in die endlosen Eiswüsten der Antarktis - all das ist Chile.

Das Land der Gegensätze erstreckt sich über eine Länge von 4.300 Kilometer an der südamerikanischen Pazifikküste entlang und gilt zu recht als eines der aufregendsten Urlaubsziele der Welt. "Land der Gegensätze", mit diesem abgedroschenen Slogan geht heute fast jedes zweite Reiseunternehmen hausieren. Die Formulierung soll helfen, die vermeintliche Vielfalt und den Abwechslungsreichtum des potenziellen Urlaubsorts hervorzuheben. Leider ist die Prophezeiung der Gegensätzlichkeit oft nicht mehr als ein leeres Versprechen. Um ein wahres Land der Gegensätze zu entdecken, muss man fast bis ans Ende der Welt reisen - nach Chile. Der schmale Staat durchzieht halb Südamerika an der Westküste entlang und ist durchschnittlich nur 175 Kilometer breit. Dank seiner unglaublichen Längsausdehnung - verglichen mit Europa reicht Chile von Dänemark bis zur Sahara - durchquert es verschiedene Klima- und Vegetationszonen.
Mit der Atacama im Norden verfügt Chile über die trockenste Wüste der Welt, in der es jahrelang nicht regnet. Gleichsam befinden sich im Süden gigantische Gletscherfelder und Eismassen, die fast unberührt ihr Dasein in der Kälte fristen. Trotz der geringen Ausdehnung in der Breite erheben sich unübersehbar und majestätisch im Osten des Landes die Anden. Sie sind die längste Gebirgskette der Erde. Zwischen den gigantischen und zerklüfteten Hochgebirgspässen thront der höchste Vulkan der Welt, der Ojos del Salado mit seinen 6.893 Metern. Zwischen den Extremen in Nord und Süd kommt das Land zur Ruhe. In den zentralen Lagen finden sich gemäßigte Gebiete, die wohltuend mediterranen Charme versprühen und mancherorts an die Toskana erinnern.
Die uralten Wälder und fruchtbaren Täler überziehen auch die zugehörigen Inseln, deren berühmteste, die Isla Robinsón Crusoe, die Vorlage für den Roman von Daniel Defoe lieferte. Der Natur entgegen steht die Moderne der Metropole. Die Unterschiedlichkeit der Welten wird selten so deutlich wie in Santiago de Chile. Zwischen den Gipfeln der Anden und verträumten Wäldern liegt die Hauptstadt mit ihren über fünf Millionen Einwohnern. Der kulturelle Schmelztiegel ist Chiles Tor zur globalisierten Welt. In Santiago trifft der kühle Purismus der Wolkenkratzer auf den verspielten Prunk der Kolonialzeitvillen. Hier zeigt sich die urbane Seite des Landes, das am anderen Ende der Welt alle Vielfalt und Gegensätzlichkeit in sich vereint.


Wort: Felix Till / Bild: Felix Till, Jens Grubert

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