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Piranhas angeln im Fluss der Flüsse


Das Abenteuer beginnt in Manaus, einer alten kolonialen Großstadt, leicht chaotisch und doch irgendwie schön. Dahinter beginnt der Regenwald. Wir wollen dorthin, wo Rio Negro und Rio Solimoes zum Amazonas zusammenfließen. Der Fluss der Flüsse ist bis zu 200 Kilometer breit und fast 6.500 Kilometer lang. Und dank aufblasbarer Boards ist Stand-Up-Paddeln inzwischen fast überall möglich.
Unsere Guides sind Stefan, ein Aussteiger aus Deutschland, und sein Mitarbeiter John. John ist ein echter Brasilianer, der den Amazonas bestens kennt. Beim Militär erlernte er Überlebenstechniken im Regenwald. Da es im Urwald kein Handynetz und kein Internet gibt, muss alles vorher gut organisiert werden.

Wie gefährlich ist paddeln auf dem Rio Negro? Auf keinen Fall sollte man es auf eigene Faust versuchen. Man könnte sich im Gewirr der Seitenarme und Kanäle verlieren - und übernachten im Urwald ist wegen der zahlreichen Tiere nicht ratsam. Im Wasser lauern Alligatoren, Kaimane, Anacondas und gefräßige Fische wie Piranhas. Der Waldboden ist voller giftiger Tiere. Natürlich sind Tiere sind von Natur aus scheu und nehmen in aller Regel Reißaus. Aber ...
Dafür ist die Gastfreundschaft der Brasilianer einfach überwältigend. Wir hatten oft Schwätzchen mit Händen, Füßen und den paar portugiesischen Brocken, die wir sprachen. Die Stimmung war immer ausgelassen. Dabei stellten wir uns als Bürger des Landes "Sete para un, 7:1" vor. Diese Aussage ruft entweder lautes Gelächter oder große Scham hervor. Es ist das Ergebnis des Halbfinalspiels der Fußball-WM 2014. Befänden wir uns unter schlechten Verlierern, wären wir spätestens jetzt als Piranha-Futter geendet. Die Brasilianer hingegen sind nicht nachtragend und nehmen es mit Spaß. Sie freuen sich mit uns über die gewonnene Weltmeisterschaft. "Jaja, nur nicht Argentinien", meinten die Fischer.

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Der Urwald ist laut. Affen und seltsame Hühner in den Bäumen machen geräuschvoll auf sich aufmerksam. Im Wasser sind Alligatoren und Schlangen sichtbar. Aber keiner gibt zu, Angst zu verspüren, logisch. Noch drei Tage zuvor hatte ich mich mit einem Paar aus Schwaben unterhalten, meinte locker, dass der Amazonas für die dort lebende Bevölkerung wie der Spreewald für die Sorben wäre. Spätestens nachdem ein mindestens 1,50 Meter langer Kaiman unmittelbar neben mir ins Wasser rannte, revidierte ich diese unüberlegte Aussage. Doch die Fahrt im Kanu werde ich nicht vergessen. Wir kamen uns wie Entdecker vor.
Rast im ersten Flusshotel: Ein kleines Reihenhäuschen auf Stelzen am Rande des Regenwaldes mit dem Charme einer kleinen Jungle-Lodge. Terrasse, Küche, fünf Zimmer und Bäder, alles sehr einfach, aber sauber und gemütlich. Nach ein paar Getränken und gutem Essen aus Fisch, Gemüse, Reis und Obst unterhielten wir uns bis spät in die Nacht. Kurz nach 4 Uhr wurde ich von einem Hahn geweckt. Der hatte wohl gute Freunde in der Nachbarschaft. Jetzt krähten noch gefühlte zehn andere Hähne aus allen Himmelsrichtungen. Im Ort leben vielleicht 160 Leute. Hinter ihren Häusern halten sie sich Hühner.
Nach dem Frühstück gab es Donner und Regen. Beides so laut, dass jede Unterhaltung unmöglich war. Trotzdem musste das Abendessen noch gefangen werden. Mit Bambusstöcken, Angelsehne und einem Draht vor einem Haken wurde geangelt. Als Köder verwendeten wir frisches Fleisch vom Rind. Als Kind hatte ich gelernt, beim Angeln still zu sein. Hier werden die Fische durch Krach an der Oberfläche angelockt. Nach nicht einmal fünf Minuten hatten wir den ersten Piranha gefangen. Der konnte aber nur in einer Suppe landen. Übrigens, auch kleine Exemplare verfügen über eine immense Beißkraft. In den nächsten Tagen trafen wir immer wieder mal Männer, denen Fingerkuppen, Finger oder sogar eine Hand fehlten.

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Der bekannteste Fisch im Amazonas-Gebiet heißt Piracuru. Er ähnelt einem Wels und wird bis zu 2,50 Meter groß. Er saugt seine Nahrung blitzschnell mit Unterdruck ins Maul. Weiße Delfine kamen bis zum Steg und holten sich die gerade gefangenen Fische. Die Einheimischen sagen, dass bei der Geburt eines unehelichen Kindes ein weißer Delfin der Vater sei. Andere Länder, andere Sitten ...
Unsere Guides erklärten uns, wie man im Urwald überlebt. Fast alle Früchte des Waldes sind in unerreichbarer Höhe und man ist auf alles am Boden Befindliche angewiesen. Zum Test grillten wir uns ein paar dicke Maden aus einer alten Baumrinde. Sie schmeckten wie Erdnuss-Flips. Doch man kann auch auf Bäume klettern. Zur Nahrungssuche und zum Schlafen. Für Ungeübte ist das nicht ganz einfach. Eine Augenweide sind die riesigen Falter, die durch den dichten Dschungel fliegen.
Für den letzten Tag wurde ein für den Amazonas typisches Holzboot mit zwei Decks gechartert. Es sollte uns samt Gepäck wieder stromabwärts nach Manaus bringen. Wir übernahmen zeitweise das Steuer des Gefährts und angelten von Bord aus. Interessant waren die von uns besichtigten historischen Orte am Ufer des Rio Negro, gruselig ein der Wildnis überlassenes ehemaliges Gefängnis mit einer Lepra-Krankenstation. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir unter der 3,5 Kilometer langen Ponte Rio Negro durch, sie ist die teuerste und längste Brücke Brasiliens, ein beeindruckendes Bauwerk. Der Fluss "verengt" sich an dieser Stelle auf circa 2,7 Kilometer. Wir erreichten den Hafen von Manaus erst bei Dunkelheit.

Fazit: Abenteuer pur in einer traumhaften Welt. Wenn Ihr neugierig geworden seid, diese Tour ist buchbar im November 2015. Anfragen, Buchungen und weitere Informationen zur Reise findet Ihr auf: amazonassup.com

Wort und Bild: Thomas Richter


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