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Strand von Cadiz

Strand von Cadiz

Andalusien - abseits der Touristenströme

Geschichte und Strand


Es gibt kaum eine Landschaft in Europa, die uns so viel Romantik, Feuer und Exotik verspricht wie das südspanische Andalusien. Sei es der heiße Flamenco, der blutige Stierkampf oder auch das flüssige Gold namens Sherry. Hier, ganz im Südwesten Europas, entführen uns pittoreske Bauten wie die Alhambra von Granada ins Morgenland des Mittelalters und damit in eine Zeit, in der Muslime, Christen und Juden unter der Herrschaft des Islams friedlich miteinander lebten. Jenes flirrende Bild Andalusiens in unseren Köpfen prägten übrigens Reisende des 19. Jahrhunderts.
Im Zeitalter der Billigflieger ist Andalusien recht einfach über Málaga zu erreichen und kann mit einem klimatisierten Mietwagen erobert werden (www.billiger-mietwagen.de).

Im Jahr der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus fiel mit Granada die letzte Bastion der Araber in die Hände der christlichen Eroberer. Hunderttausende Mauren und Juden mussten im Zuge der Inquisition das Land verlassen. Die ausgeklügelten Bewässerungsanlagen verfielen, weite Teile Andalusiens versanken in einem Dämmerschlaf. Ausgerechnet der Diktator Franco regte die touristische Entwicklung der zurückgebliebenen Region an. Seit den 1970er Jahren entstanden entlang des Mittelmeeres, der sogenannten Costa del Sol, riesige Hotelanlagen. Bis heute tummeln sich in der Region vor allem Pauschaltouristen.

Alhambra

Alhambra



Längs der Küste wachsen in großen Gärtnereien Chrysanthemen, Nelken und Lilien. Aus Andalusien gelangen diese über den Umweg Amsterdam nach Deutschland und werden hierzulande als holländische Blumen verkauft. Der Kontrast zwischen der paradiesischen Natur am Atlantik und dem kargen Felsengebirge des Hinterlandes ist schroff. Auch in Ronda, dem berühmtesten unter den "weißen Dörfern", drängen sich die Touristen. Doch das hoch über der atemberaubenden Schlucht El Tajo gelegenen lebendige Museum - von der Kathedrale über die Stierkampfarena bis zu den Moscheen - ist auf jeden Fall den Besuch wert.

Die Costa de la Luz westlich von Gibraltar (www.tourspain.es), also zum Atlantik hin, blieb seinerzeit von der touristischen Entwicklung ausgeschlossen. Dabei weist die "Küste des Lichts" neben beeindruckenden historischen Zeugnissen von den Phöniziern, Römern, Mauren bis in die spanische Kolonialära auch weite, feinsandige Strände auf. Herrlich und weitgehend naturbelassen etwa die idyllische Playa von Barabate.

Strand von Barbate

Strand von Barbate

Ronda

Ronda

Tarifa

Tarifa



Die Erschließung der Costa de la Luz begann erst in den 1990er Jahren. Natürlich war das stolze Sevilla schon seit Jahrzehnten auf dem Tourenplan der großen Reiseveranstalter verzeichnet. Die Verzögerung hatte ihr Gutes: Die irreparablen städtebaulichen Fehler der älteren Touristenzentren konnten hier vermieden werden. Die Palme diente als Maßstab für die Höhe der Hotelbauten - mehr als drei Geschosse sind da nicht drin und ein Abstand von 300 Metern zum Strand vorgeschrieben. Diese Küste gilt dank ihres beständigen Windes als Eldorado der Surfer. Manchmal aber, wenn der scharfe Llevante weht, ist der Strand nur aus einem der beliebten Chiringitos, wie die urigen Strandkneipen hier heißen, schön anzusehen.

Die Grenze zwischen der Costa del Sol und der Costa de la Luz bilden die britische Exklave Gibraltar sowie Tarifa, der südlichste Punkt Festlandeuropas. Nirgendwo rücken Europa und Afrika so dicht aneinander. Es braucht dazu nicht einmal besondere Fernsicht, um von den Affenfelsen Gibraltars die Ausläufer des Atlasgebirges in Marokko zu erkennen.

Der beste Flamenco wird zwischen Cádiz und Jerez getanzt. Weniger zu empfehlen sind die kommerziellen Auftritte in den Hotelhallen. Authentisch ist er irgendwo spontan auf einer privaten Feier oder in einem Klub zu erleben. Gerade hier, an der weitgehend unbekannten Costa de la Luz, hat der Flamenco seinen Ursprung und lebt in alter Kraft fort.

Tarifa

Tarifa

Cádiz

Cádiz

Vejer

Vejer



Das auf einer schmalen Halbinsel in den Atlantik ragende Cádíz gilt als älteste Stadt Europas (www.cadizayto.es/turismo). Unter den Phöniziern brachten der Erzhandel, der Thunfischfang und die Salzgewinnung märchenhafte Einkünfte.

In der Römerzeit galt Cádiz gar als drittgrößte Stadt der alten Welt. So fasziniert hier der Mix der Epochen - neben dem römischen Theater für 15.000 Zuschauer erhebt sich die wuchtige Kathedrale aus dem 18./ 19. Jahrhundert. Vormittags pulsiert auf der Plaza Topete der farbenfrohe Markt. In den umliegenden Restaurants ist der hervorragend zubereitete "Tuna" unbedingt zu empfehlen.

Auf den weißen Böden um Jerez de la Frontera wächst seit phönizischer Zeit Wein. Diese Tradition von immerhin drei Jahrtausenden lässt selbst süddeutsche Winzer erblassen! Sein weltweites Renommeé verdankt der Wein ausgerechnet Sir Francis Drake. Um 1580 überfiel der englische Admiral Cádiz. In großen Eichenfässern gelangte das köstliche hellgelbe bis tiefgoldene Getränk nach London.

Probleme allerdings hatten die Engländer mit der spanischen Aussprache von Jerez und nannten den Wein kurzerhand Sherry. Heute gehört der Besuch einer der großen Bodegas - ob Sandeman, Osborne oder Tio Pepe (www.gonzalezbyass.es) - zu den Höhepunkten eines Besuchs an der Costa de la Luz.


Text: Uwe Schieferdecker / Bild: Torsten Reineck


Abendstimmung in Vejer

Abendstimmung in Vejer

Vejer

Vejer