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Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

Von der Blödheit zum Pudding


"Wir hätten ja lieber den Marc-Uwe Kling eingeladen als dich", sagt die Veranstalterin kurz vor dem Auftritt in Suhl. "Aber der ist blöd!" Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Marc-Uwe Kling mit seinen Känguru-Abenteuern ist sehr lustig und überhaupt nicht blöd. Also frage ich: "Wieso ist der denn blöd?" "Naja, ich hab da bei seinem Verlag angerufen, und die haben gesagt, ich soll bei seinem Management anrufen - und da hatte ich gleich keinen Bock mehr," erklärt die Veranstalterin. "Der ist doch blöd!" Ich zucke mit den Schultern und kann diese spezielle Suhler Logik nicht nachvollziehen. Wenn ich hier wieder weg bin, bin ich wahrscheinlich auch blöd.
Zum Glück bin ich nie allein bei meinen Lesungen unterwegs, mein Freund und Pianist Andreas begleitet mich. Wir können uns die Blödheit also teilen. Oder die Geschenke. Und das Elend. Oder alles zusammen. Wie etwa in der Ernst-Abbe-Bücherei in Jena. Da gab es am Ende des Auftritts eine Rose für uns beide. Weil Andreas an diesem Tag Geburtstag hatte, überließ ich ihm die obere Hälfte der Rose und nahm den Strunk. In Jenaprießnitz hingegen, nur wenige Kilometer entfernt, wurden wir nur drei Monate zuvor opulent bewirtet, sogar mit Pudding zum Nachtisch, mit Papierlätzchen drunter, auf dem stand: "Wenn Du denkst, es geht nichts mehr / löffle schnell den Pudding leer!" Wir löffelten ihn leer - und wurden dann zum Auftritt gerollt.
Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die der Veranstalter. Viel wichtiger ist das Publikum. In Kölleda kam eine Frau eine halbe Stunde zu spät. Wir ließen die Gruppe darüber abstimmen, ob sie noch teilnehmen durfte oder nicht. Es ging gut aus, und die Frau erklärte sich: "Im Internet stand die falsche Zeit!" Worauf ich fassungslos entgegnete: "Das höre ich zum ersten Mal, dass im Internet etwas Falsches steht."
In Themar kam ein älterer Herr nach der Lesung an den Büchertisch, zeigte auf das Buch, aus dem ich vorgelesen hatte, und fragte: "Und worum geht's da so im Allgemeinen?" Ich holte erstmal tief Luft, und der Herr Pianist lachte sich schlapp. Wobei er sich das knicken sollte. Denn bei ihm läuft auch nicht alles rund. Bei einem Medley, das er gern ins Programm einstreut, sollen die Leute die darin verwursteten Ost-Songs erraten - sowas wie "Rockerrente" oder "Du hast den Farbfilm vergessen". In Altenburg rief eine Dame: "Man müsste Klavier spielen können!" Recht hatte sie, selbstverständlich ließ ich sie sofort gewinnen.
Andreas steckt soetwas prima weg. Auch ich bin hart im Nehmen. In Zella-Mehlis erzählte ich während der Lesung, dass die Zeitung "Freies Wort" bei einem früheren Auftritt "Kaudernatsch" aus "Kudernatsch" gemacht hatte - was gut zum "Freien Wort" passt, da es ja nicht das "Korrekte Wort" ist. Und was stand daraufhin im Lokalteil? "Kundernatsch!" "Na und!", rufen wir und ziehen trotzdem wieder los. Durch die Thüringer Metropolen wie Hildburghausen oder Schmalkalden. Die kommen jetzt auch noch dran. Der Herbst gehört uns!


Kudernatsch liest:

19.10. Hildburghausen, Historisches Rathaus


Internet:

www.kudi.de


Wort und Bild: André Kudernatsch