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Das Löwenmädchen

Das Löwenmädchen


Die Romanverfilmung des Monats erzählt eine Geschichte aus dem Winter des Jahres 1912, als in einem norwegischen Dorf ein Mädchen geboren wird, dessen ganzer Körper behaart ist. Die Mutter stirbt bei der Geburt, und der Vater, ein Bahnhofsvorsteher, ist mit der Situation vollkommen überfordert. Er lehnt seine Tochter ab, versteckt sie. Doch irgendwann entflieht die Kleine dieser Enge, will zur Schule und erweist sich dort als mathematisch hochbegabt. Wäre sie normal, könnte sie in der Wissenschaft ihren Weg finden. Stattdessen gibt es da eine Schaustellertruppe mit anderen Menschen, die ebenfalls körperlich ungewöhnliche Merkmale haben, wie siamesische Zwillinge oder die Frau mit Bart. Doch ob das Evas Weg ist? Ein wenig lang, dafür aber eine schöne, leise erzählte Geschichte. Die Auseinandersetzung damit, wie mit Fremdem, Ungewohntem umgegangen wird, ist gelungen und sehenswert.
Schloss aus Glas

Schloss aus Glas


Ein Tipp für alle, die wirklich gute Schauspieler miteinander agieren sehen möchten, in einer Geschichte, die tatsächlich passiert ist: Woody Harrelson spielt den Vater einer Tochter, die ihn liebt. Er holt ihr die sprichwörtlichen Sterne vom Himmel mit seinen Geschichten, verspricht, ihr ein Schloss aus Glas zu bauen, hilft ihr, vieles zu ertragen, wie die eigensinnige Mutter, die bittere Armut, die ständigen Fluchten und damit verbundenen Umzüge der fünfköpfigen Familie und vor allem auch seine Alkoholsucht. Doch das hilft nicht ewig; als junge Frau entkommt die Tochter ihrem gestörten Elternhaus und erinnert sich später als Kolumnistin an ihre Kindheit. Es war die Fantasie, die ihr geholfen hat, an eine bessere Zukunft zu glauben. Alles in allem ein Film, der zu unterhalten versteht, emotional und auf ziemlich konventionelle Weise umgesetzt ist. Letzteres muss ja nicht schlecht sein ...
Bild: NFP/Christine Schröder Bild: Studiocanal
Happy End

Happy End


Michael Haneke ("Die Klavierspielerin", "Das weiße Band"), einer der spannendsten Regisseure und bekannt für seine provozierenden und die Gesellschaft sezierenden Filme, erzählt erneut ein distanziert unterkühltes Familiendrama. Durch die einflussreiche Familie Laurent gehen tiefe Risse, jeder hat seine Probleme. Kalt ist es hier, eisig kalt, aber die heile Fassade wird gewahrt. Der Blick dahinter macht all die vielen Dramen sichtbar. Das zeigt Haneke gewohnt faszinierend und konsequent. Geschickt nutzt er die Möglichkeiten, die das Medium Film bietet und lässt die Zuschauer teilhaben an dieser teilnahmslosen Eiseskälte, diesem Jeder-ist-nur-mit-sich-selbst-beschäftigt-Sittenbild. Viel Kopfkino, das sich da dem Publikum offeriert, uns erschaudern lässt und dennoch in den Bann zieht. Ein Familien-, ein Gesellschaftsdrama, bei dem wir uns sicher sind, dass alles, was den Zuschauern zugemutet wird, klug durchdacht ist!
Blade Runner 2049

Blade Runner 2049


Man könnte ja mal eine Preisfrage einbauen: Vor wie vielen Jahren kam der erste "Blade Runner" auf die Leinwände? Sparen wir's uns, es ist glatte 35 Jahre her. Die meisten der damals Beteiligten sind nach wie vor im Filmgeschäft tätig; der damalige Hauptdarsteller Harrison Ford konnte erneut zum Mitwirken bewegt werden (Regisseur Ridley Scott allerdings musste zugunsten eines anderen Projekts passen). Und um den Ex-Blade-Runner geht es auch. Officer K (Ryan Gosling) sucht nach ihm und stößt dabei auf ein gut gehütetes Geheimnis: In der düsteren Zukunft drohen die letzten gesellschaftlichen Strukturen zerstört zu werden. Und ob es dieser Fortsetzung gelingt, die so einmalige düster-ruhige Atmosphäre des Kultklassikers zu treffen oder gar zu übertreffen, sei einfach erst einmal dahingestellt. In der Zeit zwischen Teil 1 und dieser Fortsetzung hat sich einiges verändert, die Sehgewohnheiten der Kinogänger betreffend.
Bild: X-Verleih Bild: Sony Pictures Releasing GmbH


Wort: Carola Kinzel