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Dr. Winters Kolumne

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Roderich? Kenn ich nich'!


Liebe Freunde,
vor ein paar Minuten kam jemand um die Ecke geschlendert und hat mich gefragt, ob ich wüsste, wer Roderich ist. "Roderich?", habe ich zurückgefragt. "Ja, Roderich!" "Nein", habe ich gesagt, "ich kenne keinen Roderich!" "Wirklich nicht?" "Nein! Wenn ich es doch sage!" Ich bin tatsächlich absolut überzeugt gewesen, noch nie von einem Roderich gehört zu haben. Deswegen habe ich auch voller Inbrunst behauptet, keinen Roderich zu kennen. Aber mittlerweile bin ich mir da gar nicht mehr so sicher.
Ist Roderich nicht dieser hilfsbereite Nachbar, der immer alles kaputt repariert? Ich meine diesen Nachbar, der noch einen Mietvertrag aus dem Jahr Neunzehnhundertzweiundachtzig hat und auf elektrische Kaffee-mühlen steht. Ja, klar, das ist Roderich. Roderich, der sich seine Zigarette hinters Ohr klemmt und mit einer Sonnenbrille, bei der das rechte Glas fehlt, auf einem Liegestuhl vor seiner Garage in der Sonne liegt. Keine Frage, das ist er. Oder doch nicht?
Ist Roderich vielleicht der Radsportler aus dem Flachbau hinter der Ludwig-Jahn-Turnhalle, der immer, wenn es bergab geht, sein Fahrrad schiebt? Also dieser Roderich, der, wenn er beim Tandemfahren hinten sitzt, so schnell in die Pedale tritt, dass er seinen Vordermann überholt? Nee, ich glaube, der heißt anders, Göran oder Wilbur. Der Roderich, den ich meine, hat immer gefüllte Hörnchen gegessen, Tag und Nacht gefüllte Hörnchen. Ich verstehe bis heute nicht, weshalb ihm davon nicht schlecht geworden ist. So viele gefüllte Hörnchen zu essen, ist doch nicht normal, habe ich immer gedacht. Aber Roderich hat sie in sich hineingeschlungen. Ganze Backbleche voller gefüllter Hörnchen, er konnte nicht aufhören damit. "Du musst in eine Hörnchen-Entziehungsanstalt!", habe ich zu ihm gesagt. "Bleib mir mit deiner Entziehungsanstalt vom Leibe!", hat er geantwortet, "gib mir lieber noch ein Hörnchen!" Also habe ich es ihm gegeben. Es war egal, hätte er es nicht von mir bekommen, dann hätte er es sich selber genommen. Bei gefüllten Hörnchen kannte er keine Gnade. Was Hörnchen anbelangte, hatte er sich nicht in der Gewalt. Aber war das wirklich Roderich?
Ist Roderich nicht dieser Eigenbrötler aus der Anton-Günther-Straße, der immer behauptet, die meisten Autos sähen hübscher aus als ihre Fahrer? Also dieser Roderich, der zum Beispiel auch Einkaufswagen schöner findet, als die Leute, die sie schieben, oder Schneeschuhe eleganter als Skifahrer oder Rednerpulte sympathischer als Redner oder Badewannen optisch ansprechender als die Leute, die darin herumliegen. Ja, ich bin mir fast sicher, dass das Roderich ist. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass er Heizungsrohre viel lieber betrachtet hat als deren Installateure. Woran ich mich nicht genau erinnern kann, ist sein Name. Hieß er wirklich Roderich?
Möglicherweise handelt es sich bei Roderich ja auch um den Verkaufsstellenleiter der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft am Hutholz, der immer mit einem Rasenmäher auf Arbeit fährt und in dessen Vorgarten ein drei Meter hohes, braun gestrichenes Holzkänguru steht, das er täglich füttert. Aber heißt der nicht Schulze? Wie die meisten Verkaufsstellenleiter? Ach, keine Ahnung. Wisst Ihr was? Wenn ich es mir richtig überlege, kenne ich doch keinen Roderich.

Einen schönen Sommer wünscht Euch
Euer Doktor Kunkler Kreile Winter