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Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

Zum Schießen


An der Autobahn wird uns Suhl als Waffenstadt empfohlen. "Ich finde das blöd", sagt Beifahrerin Brenda. Denn sie ist friedliebend.

"Ich finde das zum Schießen", entgegne ich und bin gar nichts. Ich erkläre, dass eine Waffenstadt ein lohnendes Ziel darstelle. Das sei keine leere Hülse, dort könne man die verschiedensten Leute treffen. "Du Lehrerkind", knurrt Brenda, weil ich dabei belehrend klinge. Da sind wir an Suhl vorbeigerauscht und fahren in den Rennsteigtunnel ein. Es ist Licht am Ende des Tunnels: Kaum kommen wir raus, werden wir fünf Minuten früher informiert. So verspricht es der Verkehrsservice von Radio Jump. "Wenn ein Stau schon länger besteht und man das jetzt erst hört, kann das auch 55 Minuten zu spät sein", kritisiert Brenda. Ich will die Stimmung im Auto heben und erfinde rasch etwas: "So ein Verkehrsservice kann echt lustig werden. Wenn man nicht richtig zuhört, versteht man Wörter wie Nebelschwaben oder Ottendorf-Gorilla. Stell dir das mal vor! Der Ottendorf-Gorilla sieht die Nebelschwaben nicht und wird von ihnen weggefangen!" "Echt mal", meint Brenda und guckt weg.
Wir passieren Ilmenau und überholen einen Pferdetransporter mit zwei Pferden drin "Zwei PS!", stelle ich fest. Das ist so bescheuert, da muss sogar Brenda kichern. Es ist sehr motivierend. "Ich finde, dass es nicht richtig ist, wenn man immer noch von Pferdestärken spricht", überlege ich laut. "Allein dieses Auto hier hat 140 PS. Das wären 140 Pferde vor unserer Kutsche. Da wäre die Autobahn ja schon voll mit unseren 140 Pferden und uns. Und das wären nur wir - und niemand sonst!" "Blabla", sagt Brenda, ich rede weiter: "Sogar Motorräder haben viele Pferdestärken, obwohl sie nicht mal so groß sind wie ein Pferd. Eher wie ein Pony!" Brenda verdreht die Augen. Ich glaube, damit ist alles zu diesem Thema gesagt. Zum Glück rollen wir gerade in Erfurt ein.
"Gut gemacht!" Jetzt rede ich nur noch mit dem Auto und klopfe ihm aufs Lenkrad. "Der Diesel schnurrt wie ein Kätzchen!" Brenda hat unser Gespräch belauscht und reagiert heftig. "Wo der Diesel so eine Dreckschleuder ist! Da kannst Du doch sowas nicht sagen, sowas mit Kätzchen!" Ich schweige betreten, und Brenda macht weiter: "Das kann höchstens ein total räudiges Kätzchen sein - mit nur einem Ohr und drei Beinen und Löchern im Fell." "Eins, das im falschen Moment an der falschen Ecke falsch abgebogen ist?", frage ich zaghaft nach. "Ja, und zwar in der Waffenstadt Suhl!", vollendet Brenda und grinst. Wir lachen, und ich finde, wir hatten eine richtig gute Fahrt und eine anregende Unterhaltung. Und nur darauf kommt es an.


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC