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Kudernatschs Kolumne

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Bad Supermegasalza


Ich finde das verwirrend: Bad Sulza, Bad Salsa, Bad Langensalza, Bad Salzungen. Nie weiß ich am Tag nach dem Badetag mit einhundertprozentiger Sicherheit, in welchem Bad ich gewesen bin. Jedes besitzt eine Therme und viel Salz und führt den Titel "Bad". Das macht mich ganz kirre! Na gut, Bad Salsa existiert nicht. Ein Kurort, in dem ganztägig lateinamerikanisch getanzt wird, fehlt uns. Vorauseilend wollte ich ihn hier erwähnen. Ich möchte an dieser Stelle nicht Bad Langeherumsülzen oder so. Wie kann man diese schönen Bäder in den Griff kriegen und sie doch noch voneinander unterscheiden? Beginnen wir mit Bad Sulza. In die dortige Toskana Therme lockt ein Tempel der Stille, in dem die Badegäste still sein sollen, während sie wie tote Fische im Becken treiben. Das passiert nie, sie haben laut zu plappern, zu prusten, zu planschen oder - pardon - zu furzen. Tödliche Gase wallen über das Becken. So wird der Tempel der Stille zum Tempel des Todes. Ein zusätzliches Unterscheidungsmerkmal steht draußen vor der Therme, das falsche Goethe-Gartenhaus, eine exakte Kopie aus Weimar. Der folgende Reim nützt, sich dieses Merkmal einzuprägen: Aus dem falschen Goethehaus / Schaute niemals Goethe raus, / Dafür Detlef und Doreen - / Die ha'm alles schon geseh'n.
Reisen wir nach Bad Salzungen. Hier bestechen direkt neben der Therme die beeindruckenden Gradierbauten, an denen atemfreudige Besucher entlanghecheln dürfen. Sie ziehen sich vorher einen weißen Gespensterkittel an. So kleckern sie sich nicht die guten Sachen voll. Für Neulinge und Nicht-Graduierte: Gradierbauten sind große Holzgestelle, die mit abgelaufenem Sauerkraut bespannt sind (Womit sonst?), über das die Besitzer Salzwasser rieseln lassen. Das riecht ausgefallen und es erleichtert, weil man sich bei jedem Atemzug freut, dieses Gammel-Sauerkraut nicht essen zu müssen. Ich hoffe, ich habe mich mit dieser simplen Erklärung nicht degradiert. "Sauerkraut" ist die Eselsbrücke für Bad Salzungen. Bleibt Bad Langensalza. Das ist ein Ort mit langen Wegen zwischen wunderschönen Gärten, die in der salzigen Stadt verteilt sind. Aus Platzgründen kann ich sie nicht vollständig aufzählen, höflich erwähne ich den Rosen- und den Japanischen Garten. Im ersten gedeiht die Rose, im zweiten blüht der Sushi! In diesen Gärten und zwischen ihnen lässt es sich schier endlos spazieren. Allein Japan ist weit. Da qualmen die Socken nach dem Marsch durch Bad Langensalza. Künftig erinnert Euch das Schnuppern an den Füßen daran.
Ein Gedicht, ein gegärter Kohl, ein Geruch - sie bringen Euch Glück und geben Halt in Bad Sulza, Bad Salzungen und Bad Langensalza. Doch die Gebietsreform in Thüringen ist in vollem Gange. Da könnten die drei Bäder zu einem riesigen Bäder-Dreieck fusionieren, das sogar Gotha, Erfurt und Weimar umschließt. Guckt es Euch auf der Karte an: Sie werden eingekreist, obwohl es kein Kreis, sondern ein Dreieck ist! Da steckt Soul in der Sole! Das wäre das Salz in der Thüringer Suppe, ein Superbad oder ein Supermegabad namens Bad Supermegasalza, kurz SMS. Ein Staat im Freistaat! Wer nicht mitzieht und zurückschaut, erstarrt zur Salzsäule - wie Lots Frau in der Bibel, als sie sich nach Sodom umdreht. Pfeffer und Salz - Gott erhalt's! Daher blicken wir voraus und ehren das Salz. Am besten besingen wir es: "Oh Sole mio!"


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC