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Jürgen Flemming

Jürgen Flemming

Jürgen Flemming

Die Puppen tanzen weiter

Am 1. Juni wurde das bislang rund 60 Jahre dem Zwickauer (bzw. dem Theater Plauen-Zwickau) zugehörige Puppentheater der Kultour Z. GmbH Zwickau angegliedert. Über die sich daraus ergebenden Aufgaben sprach Joachim Weise mit Jürgen Flemming, einem der beiden Geschäftsführer dieser Einrichtung.

BLITZ!: Herr Femming, wie kam es zu dieser für die Kultour Z. GmbH gewiss mit erheblichen neuen Anforderungen verbundenen Entscheidung?
Jürgen Flemming: Der Ausgliederung des Puppentheaters aus dem Theater Plauen-Zwickau ist ein längerer Abwägungsprozess vorausgegangen. Das oberste Ziel war jedoch, die Zukunft des Zwickauer Puppentheaters dauerhaft zu sichern. Dabei wurde empfohlen, das Puppentheater in eine eigene Rechtsform, als Tochtergesellschaft der Kultour Z. GmbH, zu organisieren. Der Gründungs-prozess ist nun abgeschlossen. Es mussten neben den üblichen Formalitäten auch etliche Stellen, einschließlich der Direktorin, neu besetzt werden. All dies ist in sehr kurzer Zeit bewerkstelligt worden, und mit Monika Gerboc haben wir eine sehr profunde, engagierte Direktorin gefunden, die diese Herausforderungen als Chance angesehen hat.

BLITZ!: Es gab in diesem Zusammenhang etliche Diskussionen. Intendant Roland May zeigte sich nicht beglückt. Die bisherige Chefin und einige Mitarbeiter verließen das Ensemble. Auch in der Fachpresse waren weniger euphorische Stimmen zu vernehmen. Man sprach sogar davon, das Puppentheater befinde sich mit dieser Entscheidung kurz vor seiner Abwicklung. Wie stehen Sie hierzu?
Jürgen Flemming: Ich denke, dass wir jetzt schon allen Kritikern und Pessimisten zeigen können, dass eine eigenständige Rechtsform auch mehr an Kreativität und Eigenverantwortlichkeit bringen kann. Dafür spricht die erfolgte Programm-erweiterung. Eine Abwicklung war nie vorgesehen, ganz im Gegenteil sollte die Zukunft des Puppentheaters dauerhaft gesichert werden. Im nächsten Jahr planen wir sogar die Gesamtsanierung des Puppentheaters Zwickau.

BLITZ!: Das Puppentheater verfügt nunmehr erstmals über eine theaterpädagogische Abteilung. Worin bestehen die Aufgaben?
Jürgen Flemming: Die Theaterpädagogik ist ein Riesengewinn für das Puppentheater. Unsere beiden Theaterpädagoginnen, Sabine Weitzel und Franziska Rilke, bieten viele neue Aktionen für die Kitas und Schulen. Sie gehen direkt in die Einrichtungen, machen Workshops mit den Kindern, organisieren Veranstaltungen für Familien, Fortbildungsangebote für Pädagogen, Bastelstunden, Exkursionen hinter die Kulissen, sogar Englisch-Unterricht mit Puppen. Dieser Abteilung verdanken wir seit Oktober auch ein eigenes Kinderensemble. Jeden Dienstagnachmittag können Kinder einen Puppenspielerkurs bei uns besuchen. In den Ferien bieten wir einen Wochen-Workshop für Kinder an, dessen Ergebnis dann öffentlich präsentiert wird. Ich denke, dass eine Herauslösung aus dem klassischen Theaterbetrieb auch eine Erweiterung des Spektrums nach sich ziehen kann.

BLITZ!: Fällt in diesen Bereich auch die "Papa Zeit", in der Sie Väter mit ihren Sprösslingen einladen?
Jürgen Flemming: Genau. Einmal im Monat können die Papas mit ihren Kindern einen außergewöhnlichen Samstagvormittag bei uns erleben. Die Mamas haben dann Zeit für sich, und wir bekommen dazu bereits jetzt ein absolut positives Feedback von Vätern und Müttern.

BLITZ!: Nach einem knappen halben Jahr unter Ihrer Regie dürfte es schwer sein, ein Fazit der bisher geleisteten Arbeit zu ziehen. Wenn doch, wie würde dies ausfallen?
Jürgen Flemming: Es ist unglaublich, was die Mitarbeiter des Puppentheaters sowie alle Helfer und Unterstützer seit August 2016 geleistet haben. Vieles musste neu entwickelt werden. Marketing-Strategien, Theaterpädagogik, Spielplanstruktur usw. Der ganze Betrieb hat sich verändert. Die Spielzeit wurde mit einem großen Spektakel und über 1.000 Zuschauern eröffnet. Damit haben wir Erwartungen geweckt, die wir bislang erfüllen konnten. Alle Akteure und Verantwortlichen sind mit Spaß bei der Sache. Hier ist allen ein guter Start gelungen!

BLITZ!: Welche sind Ihre nächsten Projekte und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Jürgen Flemming: Als nächstes großes Projekt steht in der Spielzeit 2017/18 die grundlegende Sanierung des Hauses an. Schon jetzt sind wir auf der Suche nach Ersatzspielstätten, Proberäumen und Gästen, um ein noch umfangreicheres Programm bieten zu können.

www.puppentheater-zwickau.de
www.facebook.com/PuppentheaterZwickau


Wort: Joachim Weise / Bild: mattrose.de/kultour Z. GmbH