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Willy Dettmeyer

Willy Dettmeyer

Willy Dettmeyer

Filme mit Subtext

Aufmerksame BLITZ!-Leser werden bei dem Namen Dettmeyer zu Recht stutzen, denn der Autor und Kabarettist Stefan Dettmeyer hat nicht nur zahlreiche Musenkinder in die Welt gesetzt, sondern ist darüber hinaus stolzer Vater eines mittlerweile 40jährigen Sohnes.

Und der, Willy Dettmeyer, genießt sowohl in der Werbebranche als auch bei Film und Fernsehen einen exzellenten Ruf als Kameramann. Schon während des Gymnasiumbesuches ersann der Filmenthusiast kleine Geschichten, Mini-Drehbücher, und so erwies es sich für ihn als Glücksfall, eines Tages den Weg zur Chemnitzer Filmwerkstatt zu finden, wo er einen ersten Einblick in die Filmwelt und das Rüstzeug für seinen zukünftigen Beruf gewann, sich anfangs als Assistent verdingte, aber bald schon an der Seite des heute im medizinischen Bereich glücklich gewordenen Klaus Gregor Eichhorn Filmprojekte als Jung-Kameramann in Angriff nahm.
In diesem Zusammenhang wäre sein erster Spielfilm "Splitterwelten" mit Teresa Weißbach in einer der Hauptrollen zu nennen. Erwähnt sei außerdem der Kurzfilm "Die Prüfung" mit Ralph Herforth. Im nahen Mittweida vertiefte der junge Mann seine Fähigkeiten in puncto Medientechnik, einem Studienzweig, der Ingenieursausbildung mit Fernsehjournalismus verband. Weitere Kurzfilme entstanden. Als sich jedoch der Wunsch, "Kunst zu machen", endgültig Bahn brach, entschied sich Willy Dettmeyer für ein freiberufliches Dasein, wischte als Beleuchter (später Oberbeleuchter) und in diversen Assistenzen Staub, arbeitete als Kameramann bei freien Kurzfilm- und Filmhochschulprojekten. Eigene kleinere Werbeproduktionen kamen hinzu. Ein erfolgreich abgeschlossenes Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg, wo der heutige Regisseur Sebastian Marka zu seinen Kommilitonen zählte, beendete diesen Lebensabschnitt.
Gleichzeitig diente dieses Studium als eine Art Kontaktbörse, die dem frisch gebackenen Absolventen nicht zuletzt den Weg in die Werbebranche öffnete. So gehen zahlreiche Werbespots und Filme für Messen auf sein Konto, die das Interesse international agierender Firmen an diesen Arbeiten weckten. Unterdessen befinden sich Bosch und Daimler-Benz auf Dettmeyers Kundenliste. Dergleichen erfordert Flexibilität, internationale Einsätze werden als selbstverständlich vorausgesetzt. "Einen Spot für Audi China kann man nicht im Schwarzwald drehen. Und wo mediterrane Atmosphäre auf der Wunschliste steht, verbietet sich der deutsche Winter von selbst. Wenn ich mich dem verweigerte, würde sofort ein anderer einspringen."
Aber Willy Dettmeyer wollte ja auch Kunst machen. Deshalb nahm er gern ein Angebot seines ehemaligen Weggefährten Sebastian Marka für einen Kurzfilmthriller an, der unter dem Titel "Interview" auf 22 Festivals Preise absahnte. Dabei geht es um einen Pressemann, der während des Interviews mit einem flüchtigen Serienmörder feststellen muss, dass dieser Kriminelle auch die Frau des Journalisten auf dem Gewissen hat. Florian Panzner und Stephan Großmann waren die Darsteller dieses um keine vordergründig gesellschaftskritische Sicht bemühten Streifens, der vor allem dank seiner die Thematik psychologisch akribisch ausleuchtenden Art und Weise die Herzen der Juroren gewann. "Ein Film mit Subtext sozusagen." Eine weitere solche Arbeit mit Subtext, es könnte auch Autorenfilm heißen, legte Dettmeyer bald darauf vor - "Dolores", in dem Franziska Petri die Hauptrolle übernahm.
Und wieder einmal wurde Sebastian Marka vorstellig, indem er seinem erprobten Mitstreiter die Kameraführung für einen inzwischen am 23. Oktober vorigen Jahres erstmals ausgestrahlten Münchner "Tatort" antrug. Unter dem Titel "Die Wahrheit" legten die Filmemacher diesmal keinen Wert darauf, dem Publikum einen der üblichen Verdächtigen als Täter zu präsentieren, vielmehr wollten sie ausloten, welch emotionalen Auswirkungen die Kommissare bei ihrer Spurensuche ausgesetzt sind, wie diese Arbeit zu Momenten der Verzweiflung führen kann, wenn es eben um die Wahrheit geht.
Demnächst stehen eine Komödie für den Hessischen Rundfunk und ein Berlin-"Tatort" auf dem Terminplan. Letzterer dürfte für den Ex-Chemnitzer ein Heimspiel bedeuten, hat er doch der Liebe wegen seinen Wohnsitz in die Bundeshauptstadt verlegt. Für all diese Aufgaben drücken wir ihm kräftig die Daumen und werden besonders aufmerksam sein, wenn es im Vorspann erneut heißt: Kamera - Willy Dettmeyer.

www.willydettmeyer.de


Wort / Bild: Joachim Weise