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Renato Borghetti

Renato Borghetti

Kulturhauptstadt Halle

Festivalherbst


Der Herbst wird bunt und vergoldet sich in Halle selbst mit verschiedensten Festivals, die sich der breiten Masse musikalisch und thematisch in unterschiedlichsten Schubläden präsentieren.


Akkordeon Akut

Los geht's mit dem Akkordeon Akut, das am 14. Oktober startete und an zehn Tagen das Handzuginstrument unter den Aerophonen feiert. Dabei wird wie gewohnt eine Kombination aus großen Namen wie Renato Borghetti, jungen Talenten und lokalen Musikern präsentiert. In diesem Jahr nimmt man mit dem Namenszusatz "global music festival" auch Projekte ins Programm, in denen das Akkordeon zwar immer noch eine tragende, gleichwohl aber nicht die führende, allenfalls eine gleichberechtigte Rolle spielt. Bei den Aufführungen des Landesakkordeonensembles Sachsen-Anhalt und des 30köpfigen Bundesakkordeonorchesters stellt sich die Frage freilich nicht. Letztere geben am 22. Oktober im Opernhaus ein Doppelkonzert mit der Norwegerin Rebekka Bakken, die eigens für dieses Festival ein Trio mit Stian Carstensen am Akkordeon und Rune Arnesen am Schlagzeug zusammengestellt hat. Aber das ist schon fast das Finale, dabei hat auch die Eröffnung sehr Empfehlenswertes zu bieten. "Verflixte Gastfreundschaft" heißt eine Stummfilmkomödie mit Buster Keaton, die am Abend des 14. Oktober im Puschkinhaus über die Leinwand flimmert. Thomas Wittenbecher und Patrick Zörner untermalen die wunderbar absurde Bildfolge mit Akkordeon und Gitarre. Ein feiner Abend, der explizit auch für Kinder ab sechs Jahren geeignet ist. Völlig ungeeignet für diese ist hingegen die Spielshow "Riskier dein Bier" am 16. Oktober in der Theatrale.
www.global-music-festival.net


Stephan Graf von Bothmer

Stephan Graf von Bothmer

Filmmusiktage

Die Filmmusiktage Sachsen-Anhalt von 23. bis 29. Oktober und die Verleihung des Deutschen Filmmusikpreises sind Highlights im städtischen Kulturkalender. Die 9. Auflage steht erstmals nicht unter einem Motto, sondern widmet sich einem Länderschwerpunkt - Frankreich. Da klingeln einem sofort Yann Tiersens Filmmusik zur fabelhaften Amélie oder die singenden Kinder des Monsieur Mathieu im Ohr. Das Galakonzert am 29. Oktober, dieses Jahr im Steintor-Varieté, sollte daher wieder ein einmaliges Erlebnis werden. Schon allein, weil Dirigent Bernd Ruf einmal mehr die Leitung übernimmt und äußerst unterhaltsam durch den Abend führen wird. Als Special Guest wird die französische Sängerin Constance Amiot auf der Bühne stehen und in der ersten Reihe Ehrengast Klaus Doldinger Platz nehmen. Ihm wird am 28. Oktober während der Verleihung des Deutschen Filmmusikpreises der Ehrenpreis für sein Lebenswerk verliehen. Mit seinen Kompositionen zu Filmen wie "Das Boot" oder "Die unendliche Geschichte" und den Erkennungsmelodien zu "Tatort" oder "Liebling Kreuzberg" ist und bleibt er unvergessen. Für den Tag zuvor, den 27. Oktober, möchten wir zudem das Stummfilmkonzert "Madame Dubarry" empfehlen. Den Streifen aus dem Jahre 1919 wird der weltberühmte Stephan Graf von Bothmer mit seinem eigens dafür komponierten tiefgreifenden Soundtrack live an Flügel und Orgel begleiten.
www.filmmusiktage.de


Kristjan Järvi

Kristjan Järvi

Impuls Festival

Das Impuls Festival präsentiert von 20. Oktober bis 22. November Neue Musik in sieben Städten Sachsen-Anhalts. Darüber hinaus verstärken Konzerte in Brüssel, Berlin und Leipzig die Leuchtkraft dieses besonderen Ereignisses, das sich, 2008 gegründet, zu einem der bedeutendsten Musikfestivals in den neuen Bundesländern entwickelt hat. Oft ist es radikal, avantgardistisch und experimentell. Harmonien werden aufgegeben und Tonalität wird ignoriert. Das diesjährige Motto "Löwen wecken" bündelt ein vielseitiges Programm und glänzt mit zehn Uraufführungen. Zum Eröffnungskonzert dirigiert Kristjan Järvi sein MDR-Sinfonieorchester zu Kompositionen des Indie-Gitarristen und klassischen Komponisten Bryce Dessner, des Filmmusikkomponisten Max Richter und des Minimalisten John Adams. Mit dieser musikalischen Achterbahn, Cocktails und einer anschließenden Party beginnt das Festival am 20. Oktober im Steintor-Varieté. Am 23. und 24. empfehlen wir Euch das Konzert der Staatskapelle Halle. Unter dem Titel "Dies Irae - Tag des Zorns" geht es um den Sinn des Lebens, der mitten im Krieg gesucht wird. Leonard Bernstein hat das "Zeitalter der Angst" dazu komponiert. Der palästinensisch-israelische Komponist Samir Odeh Tamimi stellt die Belagerung Ramallahs sinfonisch dar und der türkische Komponist Fazil Say baut eine Brücke zwischen Orient und Okzident. In allen Aufführungen wird eines deutlich, das Impuls Festival gibt ein klares Statement ab für das, was alle vereint, die Vielfalt.
www.impulsfestival.de


Klezmatics

Klezmatics

Jüdische Kulturtage

Am 25. Oktober eröffnen die Klezmatics im Steintor-Varieté die 4. Jüdischen Kulturtage Halle. Wir fragten den künstlerischen Leiter, Andreas Schmitges, nach weiteren Highlights und Geheimtipps. "Spannend werden sicher die Entdeckungen in Kooperation mit dem Weill-Fest Dessau. Ich will aber auch nicht verhehlen, dass ich mich sehr auf das Doppelkonzert meines Ensembles Voices of Ashkenaz zusammen mit der bekannten Band Bube Dame König in der Aula des Löwengebäudes freue - das wird ein spannender Abend der deutsch-jüdischen Begegnungen! Es gibt viele interessante Vorträge, und im Stadtmuseum kann man die Kochkünste der Jüdischen Gemeinde genießen." Die Jüdische Gemeinde habe eine fast tausendjährige Geschichte in unserer Stadt, so Schmitges weiter. Außerdem sagt er: "Jüdische Kultur ist nichts Statisches - sie entwickelt sich beständig, und wir wollen eine Tür hin zu dieser dynamischen Bewegung öffnen." Er empfiehlt die Stadt- und Synagogenführungen von René Zahl, der uns alles über die vielseitigen Verbindungen erzählen kann. Jüdisches Leben sei aus Halle nicht wegzudenken und gehöre quasi "schon immer" dazu. Im hallischen Dialekt gebe es viele jiddische Wörter. Und die Martin-Luther-Universität Halle- Wittenberg verfüge über eine renommierte Judaistik-Abteilung, Leopold Zunz begründete hier die Wissenschaft des Judentums, der Verfasser des bedeutendsten Hebräisch-Wörterbuchs, Wilhelm Gesenius, liegt auf dem Stadtgottesacker begraben ...
www.juedischekulturhalle.de


Wort: Thomas Leibe / Bild: Adrian Buckmaster, Jean-Luc Goffinet, Birgit Meixner, Peter Rigaud