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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Erzähl nicht so einen Mist!


"Erzähl nicht so einen Mist! Überlege mal, was du sagst!" Das war ganz oft die genervte Reaktion meiner Mutter, wenn ich als Kind mit meinem unerschöpflichen Halbwissen krude Theorien voller Überzeugung herausposaunte. Das hatte eine bis heute anhaltende psychische Störung zur Folge, die mich immer wieder zwingt, mal zu überlegen, ob ich nicht gerade Mist erzähle. Manchmal entstehen daraus regelrechte Ängste. Wenn ich zum Beispiel auf der Bühne stehe und etwas moderiere, worüber ich nur durch Recherche Kenntnisse erlangt habe, während im Publikum die wirklich Wissenden sitzen. Das ist ein Problem! Ich habe ein paar Mal die Wahl zur sächsischen Weinkönigin moderieren dürfen und war definitiv der Einzige im Saal, der von Wein, außer dem Trinken des solchen, fast keine Ahnung hatte. Ich behauptete allerdings auch nie, dass es anders sei und erhielt damit zumindest einen Mitleidsbonus.
Auch jetzt sitze ich gerade über der Vorbereitung einer Moderation zu einer Veranstaltung mit Schlagergrößen, von denen ich zwar schon mal gehört hatte, aber von denen ich bisher nichts gehört habe. Das macht den Hinweis auf das aktuelle Album nicht leichter! Allerdings muss ich da durch und trotzdem meinen Job machen, was heißt, ich versuche, so viele Infos wie möglich zu bekommen und mich mit Fakten fit zu machen. Wenn das nicht geht, kommt meine psychische Störung zum Einsatz, sprich: Wovon ich nichts weiß, davon rede ich auch nicht! Selbst wer mich auf der Bühne scheiße findet, soll zumindest nicht behaupten können, ich hätte Mist erzählt. Über Geschmack kann man streiten, über Fakten nicht. Das alles nur, weil ich als Kind diesen Knacks bekommen hatte.
Warum erzähle ich davon? Weil ich immer mehr das Gefühl habe, zu einer aussterbenden Spezies zu gehören, die sich noch darüber Gedanken macht, ob das, was sie sagt, stimmt, falsch ist oder sogar dem Bereich der Strunzdummheit zugeordnet werden muss. Dazu kommt ein schier grenzenloses Selbstbewusstsein bei manchen, die dummes Zeug erzählen, so dass andere Unwissende nur auf Grund dieses Auftretens das strunzdumme Zeug glauben, um es dann ebenso mit überzeugender Inbrunst weiterzutragen. Die Tatsache, dass dadurch ganz viele Unwissende unschlaues Zeug erzählen, ändert allerdings nichts an der Dummheit der Aussage. Demokratie heißt ja nicht, potenzierte Dummheit wird zur Wahrheit, nur weil sie überwiegt.
Überaus gespannt schauen wir gerade in die USA, wo sich ein Trampel mit einem Kühlschrank um das Präsidentenamt streitet. Ganz viele der Unwissenden hierzulande können dabei gar nicht glauben, dass man so einen Intelligenzignoranten wie Donald Trump erwägen kann, zu wählen. Und doch ist dieser Trampel nichts weiter als das amerikanische Modell dessen, was hier auch gerade stattfindet. Da wird mit einfachen Worten einfach dargestellt, was eigentlich kompliziert ist. Und obwohl man manchmal auf Grund dieser Schlichtheit nur mit dem Kopf schütteln kann, wird die Zahl derer, die den scheinbar logischen Argumenten folgen, immer größer. Ob dabei objektive Wahrheiten, Fakten oder Argumente fehlen, interessiert nicht wirklich, weil das die Sache nur verkompliziert. Vielleicht würde es schon genügen, wenn die jemand ermahnt: "Überlege mal, was du da sagst!" S isso!
Treffen uns beim Psycho, ciao, Euer Mario


Thiels Treffen - Dresdens Promitalk:

01.12. Putjatinhaus, Gast: Anja Koebel (MDR)


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade