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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Das Wort zur Hose


Unbemerkt von den großen Fashion-Shows hat sie ihren Siegeszug angetreten - die Jogginghose! War sie vor kurzem noch verpönt und wurde nur von Leuten getragen, die schnell mal den Sack von links nach rechts heben mussten oder deren Ausfahrt so oft juckte, dass sie immer mal zum Kratzen ran mussten, sieht man sie mittlerweile überall, im Lebensmitteldiscounter, der Bahn oder beim Spaziergang. Dabei gilt es festzuhalten, dass diese Hose zwar Jogginghose genannt wird, aber beim Joggen durch ihren Schlabberschnitt eigentlich stört. Das ist kein wirklich großes Problem, denn bei den Permanent-Jogginghosen-Trägern handelt es sich nicht um Menschen, die diese Hose zum Joggen verwenden. Sie verwenden in der Regel gar keine Hose zum Joggen. Nicht weil sie Nudisten wären. Nein, weil sie nicht joggen! Oft gleicht ihr Gang dem eines ehemaligen Fußballprofis, der vom vielen Flankenschlagen extreme O-Beine hat. Dabei haben sie diese vom vielen Rumstehen. Im sportlichsten Fall am Spielfeldrand der untersten Kreisklasse.
Ehrlich gesagt, habe ich auch eine Jogginghose, aber sobald ich mich dem Ausgang meiner Wohnung nähere, sagt mir eine innere Stimme: "Zieh das Ding aus! Wenn das einer sieht." Das nennt man ästhetische Hemmschwelle. Tatsache ist, dass so eine Hose bequem ist, gerade bei Sport im Fernsehen. Übrigens auch bei allen anderen Fernsehgeschichten. Nur, sollte man diese Hose auch in der Öffentlichkeit tragen? Was sagt sie über den Träger? Zu faul zum Anziehen? Glaubt er, es macht ihn sportlich? Oftmals in Kombination mit einer Plauze, die beinahe zum Applaus nötigt, weil der Träger nicht nach vorn umfällt. Das ist fast vorsätzliche Wirbelsäulenschädigung und sollte von den Krankenkassen auch so behandelt werden! Andererseits spricht es für den Humor der Leute, wenn sie von oben bis unten in Nike, Adidas oder Puma-Klamotten rumlaufen. Ich meine, das sind Sportartikelhersteller!
Und was sagt die Hose über die Bildung ihres Trägers? Nichts! Jedenfalls nicht direkt. Was bedeuten schon drei Streifen im Gegensatz zu drei Punkten? Dass man zwar sehen kann, aber trotzdem behindert ist? Wenn man weiß, auf welchem Niveau der Uncle Sam-Robert (Mann von der Carmen) unterwegs ist, dann fällt es schwer, die Träger seiner Sachen für intellektuelle Astronauten zu halten.
Wir können also feststellen: Der Jogginghosen-Träger hat kaum noch ästhetisches Empfinden, ist als Sportskanone unauffällig, gilt selten als Intellektueller und es juckt ihm ständig am Sack oder der Ausfahrt. Juckt es, weil er die Jogginghose zu lange anhat? Das sei dahingestellt, aber bringt mich zu der Frage, wie lange am Stück man das flauschige Teil tragen kann? Ich denke, da gilt eine Faustregel: Wenn man die Hände nur noch in der Hose hat, dann ruhig mal einen Tag nicht anziehen. Oder gegen die andere tauschen ...
S isso! Euer Mario


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade