Film 160x600_content
Dr. Winters Kolumne

Dr. Winters Kolumne

Dr. Winters Kolumne

Lachen, kichern, feixen


Liebe Freunde, in einer Zeit, in der es anscheinend nichts mehr zu lachen gibt, habe ich mir zur Aufgabe gemacht, Euch das Lachen wieder näherzubringen. Ich hoffe, die folgenden Anregungen helfen dabei. Die auffälligste Art zu lachen ist das dröhnende Lachen, bei dem sich der Erheiterte auf die Schenkel oder seinem Nachbarn auf die Schulter haut, und das zumeist in Folge von Witzen auftritt, die überhaupt nicht lustig sind und von ihm selbst erzählt wurden. Das dröhnende Lachen wird durch Ausnutzung des gesamten Lungenvolumens und des halben Bauchraumes erzeugt und endet häufig in barbarischen Hustenanfällen und Tränenausbrüchen. Ein weiteres Merkmal des dröhnenden Lachens ist die zum Entsetzen hin tendierende und oftmals einen Zustand wahren Mitleids hervorrufende Betroffenheit der Zuhörer.
Das dröhnende Lachen ist das gefürchtetste Lachen und ähnelt in Ansätzen dem höhnischen Lachen, das sich bei Missgeschicken und Niederlagen in den unterschiedlichsten Bereichen etabliert hat. Wenn ein Eiskunstläufer ins Eis einbricht beispielsweise oder wenn ein Jockey vom Pferd fällt und ohne sein Tier über das Hindernis springt. Höhnisch gelacht wird beim Anblick eines hässlichen Schönheitschirurgen oder beim Aberkennen der Doktorarbeit eines Spitzenpolitikers. Nein, das höhnische Lachen ist kein anständiges Lachen.
Glücklicherweise existieren ja noch weitere Variationen dieses Ausdruckes ungebremster Heiterkeit. Das Kichern etwa. Das Kichern ist grundsätzlich nur Mädchen oder Frauen vorbehalten, es äußert sich durch hohe, glucksende, hinter vorgehaltener Hand ausgestoßene, der Schnappatmung verwandte Laute und wird im Grunde durch Situationen hervorgerufen, die einen Mann bei absolut kompromittierenden Handlungen zeigen, beim Befestigen eines Haarteils etwa oder beim Kauf von Unterhosen mit Eingriff. Manchmal kichern Frauen und Mädchen aber auch, weil es sonst nichts zu tun gibt, also dann, wenn ein Mann ganz unspektakulär herumsteht. Die Ursache ist dann das unspektakuläre Herumstehen eines Mannes. In Gegenwart eines Mannes wird grundsätzlich gekichert. Männer sind nun mal komische Geschöpfe, über die Tag und Nacht gekichert werden kann.
Doch kommen wir zu einer weiteren Möglichkeit, spaßige Gefühle zu äußern, zum Feixen. Die Formulierung Feixen ist nahezu vollständig aus unserem Sprachgebrauch getilgt (nicht einmal das Sprachprogramm meines Computers kennt es noch), trotzdem wird nach wie vor gefeixt. Das Feixen ist eine Art stilles Lachen mit zusammengekniffenen Augen, breitgezogenen Lippen und nach vorn geschobenem Unterkiefer. Wenn beim Feixen irgendetwas verbal geäußert wird, dann ist es die Lautverbindung "Hihi". Horst Seehofer ist einer der wenigen, die gern und viel feixen, und wie man sieht, hat diese Fähigkeit seiner Popularität alles andere als geschadet.
Zuletzt will ich noch an die denken, die immer lachen. Die immer lachen, die immer lachen. Immer zu lachen ist natürlich alles andere als gesund. Wer immer lacht, kann sich schon darauf einstellen, irgendwann einmal von einem Spezialisten einen irreparablen geistigen Schaden attestiert zu bekommen. Generell sind die, die immer lachen, in Nervenkliniken und anderen, mit dem Krankheitsbild eines sich akut darstellenden Irrsinns vertrauten Spitälern anzutreffen. Trotzdem, lacht soviel wie möglich.
Euer Doktor Plessner Prütting Winter