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Johann Janus' Kolumne

Mission 2: Die drei großen Vs


Eigentlich finde ich das ja eher erschreckend. Neulich erfuhr ich die irgendwie gruselige Neuigkeit, dass meine Ex-Freundin schwanger ist. Also, zum Glück nicht von mir, hat ja einen Grund, dass sie eine Ex-Freundin ist, und das auch schon lang genug.
Aber trotzdem: Die Bomben schlagen immer näher ein. In meiner Großfamilie bin ich der vorletzte Kinderlose, Kommilitonen kaufen sich plötzlich Häuser in Brandenburg, Cousinen denken über ein Drittkind nach und wann immer ich jemandem von irgendeiner "großartigen Neuigkeit" erzählen will, vermuten alle als Erstes: "Du wirst Vater?"
Nein! Das wäre ja nicht großartig! Zumindest derzeit nicht. Ich hab ja nichts gegen Kinder, Patenonkel sein ist fantastisch, aber das ist doch eine Invasion! Die kommen hierher und nehmen uns erst unsere Frauen und dann unsere Arbeitsplätze weg! Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
"Nein, Johann, so darfst du das nicht sehen", korrigiert Torben mich. Wir haben das wöchentliche Treffen der Initiative zur Populisation offensichtlicher Prädestiniertheit (iPop) bei gutem Wetter auf die Würfelwiese verlegt und eine vorbeispazierende Bekannte mit Kinderwagen hat meinen obigen Ausfall provoziert.
"Im Gegenteil, das kommt unserer Sache zugute!", beschwört er. Unsere Sache, das ist der Bevölkerungszuwachs Halles um mindestens 28 Einwohner, damit wir Magdeburg wieder überholen. Natürlich hat Torben recht. Je mehr Babys, desto mehr Hallenser.
"Aber Torben, das ist echt anstrengend! Kaum Schlaf, keine entspannten Musiksessions, Kindersicherung fürs Internet und das Schlimmste: Babyklamotten shoppen! Alle zwei Monate!" Ich schüttele mich schaudernd. "In Himmelblau oder Samtrosa!"
"Ach Quatsch", wiegelt Torben ab, "niemand sagt, dass wir welche kriegen müssen. Oder unsere Freundinnen."
Ich atme auf. "Aber wie dann?"
"So, wie das alle Politiker machen: Andere Leute dazu bringen, es für dich zu machen. Wir selbst haben natürlich eine wichtigere Aufgabe: Alle anderen Hallenser dazu zu bringen, möglichst früh und häufig zu werfen."
"Ich denke nicht, dass du das Verb dabei verwenden solltest", wende ich ein. "Ich glaube, das ist abschreckend." Ich denke nach.
"Man muss das positiver ausdrücken, und für verschiedene Zielgruppen. Und Gott sprach: Vermehret euch! für die Religiösen, Vögeln für Halle für die lebensbejahenden Lokalpatrioten, Verantwortung übernehmen für die Konservativen ..."
"Vögeln, Vermehren, Verantwortung. Die drei großen Vs", stimmt Torben begeistert zu. "Und was machen wir mit den besorgten Bürgern? Der Kinder-statt-Inder-Klassiker?" Wir verziehen angewidert die Gesichter.
"Nee", wiegele ich ab, "die lassen wir außen vor. Stell dir vor, die züchten alle noch kleinere Kleingeister heran." "Stimmt", murmelt Torben, "verdammt. Dabei wären das die aussichtsreichsten Kandidaten für hirnlose Propaganda gewesen."
"So wichtig ist der Bevölkerungsvorsprung vor Magdeburg dann doch nicht."


Wort: Jesko Habert / Bild: Sabine Kirchner