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Dr. Winters Kolumne

Dr. Winters Kolumne

Dr. Winters Kolumne

Die Offenbarung des Rock


Liebe Freunde,
es ist doch seltsam, immer, wenn irgendwo eine regionale Band vorgestellt wird, wird sie als die größte, erfolgreichste, beliebteste Gruppe aller Zeiten geschildert, als die neuen Giganten, die absoluten Überflieger, die Musiker, die die Massen begeistern, aber in Wirklichkeit sieht das alles anders aus, ganz anders, nämlich so, wie es die Blue Note Heroes beschreiben, hier kommt die Wahrheit: "Die Städte waren sich immer sehr ähnlich. Sie waren klein, schmutzig und unerträglich öde. Wir spielten jedes Wochenende in diesen Städten. Wir spielten in Milchbars, Bierzelten und wenn wir viel Glück hatten auch einmal auf einem Tanzsaal. Allerdings wollten uns die Leute nicht hören. Wenn sich jemand dazu herabließ, mit uns zu sprechen, dann nur, um nach der nächsten Disko zu fragen. Trotzdem gaben wir auf der Bühne alles. Wir spielten lauter als sonstwer, unser Sänger sang zwei Oktaven höher, als er konnte, und unser Gitarrist weinte bei jedem Solo, aber die Gäste ignorierten uns einfach. Viele von ihnen zogen es vor, den ganzen Abend vor der Tür im Regen zu verbringen. Das letzte Stück spielten wir generell ohne einen einzigen Zuhörer. Nach der Show waren wir körperlich am Ende. Unsere Augenringe waren so groß, dass sie Schmerzen verursachten. Wir setzten uns auf unsere Verstärker und schliefen sofort ein.
Als wir aufwachten, hatte jemand unsere Gitarren geklaut. Ein Mikrofon fehlte auch. Unser einziger Trost war, wenigstens ein bisschen Kohle gemacht zu haben, aber die Veranstalter vertraten die Ansicht, dass der von uns fabrizierte Schrott nicht bezahlt werden müsse. Wir hielten es für das Beste, sie in ihrer Ansicht zu bestärken. Wenn es draußen hell wurde, begannen wir die Anlage abzubauen. Der Dreck klebte an jedem Kabel, Notenblatt und Instrument, und über das Mischpult hatte jemand eine Flasche Likör gekippt. Zu Hause brauchten wir eine Packung Waschpulver, um uns sauber zu kriegen. Irgendwann warf unser Keyboarder das Handtuch und stieg aus. Wir suchten eine Ewigkeit, bis wir einen neuen fanden. Er nannte sich Mozart, und hätte, was sein Alter anbelangte, der echte sein können. Mozart war ein Genie. Innerhalb eines Tages lernte er das gesamte Repertoire, achtzig Songs. Allerdings nützte er der Gruppe außerordentlich wenig. Bei den Auftritten fuhr er in der Regel nach dem dritten Song nach Hause. Rückenschmerzen.
Eines Tages, wir hatten in einer Milchbar gespielt und so viele Mixgetränke getrunken, dass uns weißer Schaum vor dem Mund stand, trat dieser Typ durch die Tür und behauptete, wir wären groß, genial, fantastisch, die Offenbarung des Rock! Es war klar, dass er taub war. Aber er hielt uns einen Vertrag für eine CD-Produktion unter die Nase. Wir nahmen einen vierstelligen Kredit auf, um die Produktion zu bezahlen und spielten die Songs ein. Der Typ bekam das Geld für das Studio, das Geld für die Aufnahme, das Geld für seine unentwegte Anwesenheit. Als wir fertig waren, verschwand er damit nach Griechenland. Die CD verkaufte sich schlecht. Nicht einmal unsere Angehörigen wollten sie haben. Danach machten wir ein Jahr Pause. Als wir wieder anfingen, war unser Schlagzeuger so nervös, dass er mehrere Stöcke zerbrach, obwohl er sie nur in der Hand hielt, und weil niemand anderes es tat, applaudierten wir nach jedem Song selber…" Das ist die Realität, denkt daran, wenn Ihr die nächste Rezension lest!

Euer Doktor Silbermond Rammstein Winter