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Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

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Bereit zum Fasten?


Nein, die dicken Kinder sind nicht das Problem. Auch wenn sie nicht mehr mit dem Schlitten rodeln gehen, sondern mit Tupper-Dosen, die großzügig "Rutscher" genannt werden. Der Schlitten ist nämlich zu schwer, wenn das dicke Kind ihn bergauf ziehen muss - da kommt es tüchtig ins Schnaufen. Bevor es auf halber Strecke kollabiert und schlaff den Hang hinuntergleitet, lassen es sich die Eltern lieber eine Plastikscheibe unter den Hintern klemmen, oder sie spendieren einen Foliesack. Trotz Leistungsabfall: Die dicken Kinder sind nicht das Problem. Auch wenn sie die speckigen Ärmchen nicht mehr hochkriegen, um Schneebälle zu werfen, der Oma zu winken oder beim Faschingsumzug Bonbons zu fangen. Diese dicken Kinder sind stärker als wir. Sie lernen nämlich früh zu kämpfen, weil zu sie fett zum Wegrennen sind.
Das Problem sind die Rentner! Statistisch gesehen ist jeder zweite Deutsche zu dick. Bei den über 70jährigen sind es jedoch schon stramme 80 Prozent! Jeder Rentner wiegt zwei Zentner! Oma und Opa haben es nicht schwer - sie sind es! Die Generation 60 plus mag einst gesungen haben: "Wir werden niemals auseinandergehen." Gehalten hat sie dieses Versprechen nicht. Die Statistiker reiben sich die Hände. Denn sie deuten all dies adipositiv oder wie das heißt: Die Deutschen nehmen zu - wenn schon nicht in der Stückzahl, dann doch wenigstens in der Masse. Das Volumen stimmt.
Also: Die fetten Jahre sind noch lange nicht vorbei, sie kommen erst noch. Denn jeder, der jetzt noch Normalgewicht hat, nimmt zu. Die Statistik lügt nicht: Je älter wir werden, desto dicker sind wir. Das ist ein Gesetz, auf das sich jeder einen Reim machen kann: "Heute bist du dünn wie 'n Schlauch, doch morgen kommt der Wohlstandsbauch." Die Sache ist längst ins Rollen geraten. Jeder weiß: Masse mal Beschleunigung sind nicht aufzuhalten. Damit gleichen wir noch jede Veränderung aus. Solange der Rollator einen Doppel-T-Träger hat und der Treppenlift ein paar zusätzliche Stahlstreben, um das Schwergewicht ins Jenseits zu befördern - oder zumindest erstmal in die zweite Etage. Wir müssen daher keine Angst vor Fremden haben, wir können sie jederzeit erdrücken. Fetten dass? Hinter jeder deutschen Wuchtbrumme können sich mindestens drei dünne Flüchtlinge verstecken. Man sieht sie gar nicht! Denn nur wir sind ganz dicke miteinander, also müssen wir uns überhaupt nicht aufregen. Das würde nur stressen - und dann purzeln doch noch die Pfunde.
Bleibt die Frage, warum die deutschen Rentnerinnen und Rentner so dick sind. Was ist passiert? Was lässt sie so aufblühen? Dickmacher Nummer 1 ist der Alkohol. Unser Altenbestand ist also nicht nur kugelrund, sondern auch hackedicht. Hoffentlich auch untenrum, wenn oben immerzu nachgegossen wird. Wir haben Omas und Opas, die dick im Geschäft sind und dick zu Hause und sich die Welt schön saufen. Darum sollten wir nachsichtig sein, wenn so ein altes Eisen Unsinn von sich gibt und wahlweise gegen die Politik, das Wetter oder die Jugend wettert. Dann war es einfach ein Schnäpschen zu viel. Schnell noch eins drauf - schon ist wieder Ruhe. Prostata!
Ich hoffe, ich konnte ein wenig aufklären. Schließlich ist Deutschland das Land der Aufklärung, sonst hätten wir ja keine Tornados. Aber das ist ein anderes Thema.


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC