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Konzert-Special

Kurzfristig, interessant und einmalig


Manch einer mag gedacht haben, dass in der Weihnachtszeit alle Höhepunkte des Konzertjahres 2016 schon verkündet worden seien. Natürlich beeilen sich die Veranstalter tatsächlich, ihre Trümpfe für die kommende Saison bereits in dieser konsumfreudigen Zeit auszuspielen. Das ein oder andere As haben sie dabei aber im Ärmel gelassen. Und ohnehin werden ja immer wieder kurzfristig interessante und einmalige Tourneeprojekte ausgehandelt. Es lohnt also, auch jetzt in das BLITZ!-Konzert-Special reinzuschauen, bei der Vielfalt der angebotenen Highlights dürfte für jeden etwas dabei sein! Schnelle Entscheidungen sind wie immer gefragt, denn viele der hier angepriesenen Konzertknaller finden faktisch schon morgen statt!


Christina Stürmer

Christina Stürmer

Christina Stürmer

Sie ist das Austro-Pop-Gegenstück zur perfekten neuen deutschen Welle des Anspruchspop mit Frauengesang, für die hierzulande Bands wie Wir sind Helden (die Auslöser des Ganzen), Juli oder Silbermond stehen. Mit letzteren ist sie vielleicht am ehesten zu vergleichen: Alles begann in der ersten Hälfte der Nuller Jahre, wuchs bald zum Riesen-hype und schien vor ein paar Jahren ein wenig abzuflauen. Beide konnten mit den aktuellen Produktionen (Stürmer: "Ich hör auf mein Herz") aber wieder beachtliche Akzente setzen. Insgesamt dürfen beide etwa 1,5 Millionen Alben verkauft haben. Der Unterschied: Silbermond schreiben ihre Songs innerhalb der Band, Christina Stürmer lässt sich von Songwriter-Profis zuarbeiten.

19.02. Leipzig, Haus Auensee


Heather Nova

Heather Nova

Heather Nova

Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrtausends hatte es eine große Welle charismatischer, engagierter, songschreibender junger Frauen mit großen Stimmen und schönen Liedern zur Wanderklampfe gegeben. Es war die Zeit der Sheryl Crow, Alanis Morissette, Sarah McLachlan und Tori Amos. Europa steuerte hier die auf den Bermudas geborene, in London lebende Heather Nova bei, die sich rasch in der absoluten Spitzengruppe des Genres festsetzen konnte. Zum Durchbruch wurde das Album "Oyster" aus dem Jahr 1994, vor allem dank des Hits "Walk This World". Der Hype ist längst vorüber. Heather wohnt wieder auf den Bermudas, jetzt im eigenen Häuschen und macht trotzdem weiter wunderschöne Platten.

02.03. Leipzig, Haus Auensee


Scooter

Scooter

Scooter

Sie sind die Dinosaurier des Tekkno, des großen Bumm-Bumm-Booms, der Anfang der 90er als Bass-Box-Tsunami über die Republik hinwegdonnerte und dank der absoluten Lufthoheit in den einschlägigen Großraumdiskotheken den Lebens-Rhythmus der ländlichen Jugend über Jahre bestimmte. Wo sich das Hyper-Hyper-Gewummer einmal drüberweg gewalzt hat, wächst kein Gras mehr, nur noch der harte Tinnitus. Frontmann Hans Peter Geerdes alias H.P. Baxxter, so war kürzlich in der Zeitung zu lesen, ist seit kurzem mit einem 19jährigen gutaussehenden weiblichen Fan aus Russland zusammen. Das beweist 1., dass Scooter zu den wenigen deutschen Stars gehören, die auch im Ausland Helden sind, und 2. Techno ein Jungbrunnen ist!

04.03. Leipzig, Arena


Hermann van Veen

Hermann van Veen

Hermann van Veen

Irgendwie war er schon immer da. Schon immer diese Kinder- ("He, kleiner Fratz auf dem Kinderrad") und Erwachsenenlieder ("Ich hab ein zärtliches Gefühl"), alles natürlich nur echt mit dem authentisch holländischen Akzent. Hermann van Veen gehört zu den nicht wenigen Niederländern, die nicht nur Stars in ihrer Heimat waren, sondern auch auf dem bedeutend lukrativeren deutschen Markt ordentlich abräumten. Und sogar in doppelter Hinsicht: Der unverhohlen linksaffine Liedermacher wurde in beiden Teilen des Mauerlandes seit dem Debütalbum von 1973 innig geliebt und war häufig in West und Ost zu Gast. Kein Wunder, dass er längst gesamtdeutschen Kultstatus genießt.

11.03. Chemnitz, Stadthalle
12.03. Halle, Händelhalle


Ida Gard

Ida Gard

Ida Gard

Sie ist jung, charismatisch, unglaublich musikalisch: Ida Gard, damals 24, hat für ihr Debütalbum "Knees, Feet & The Parts We Don't Speak Of" in ihrem Heimatland Dänemark die Nominierung als "Independent Pop Album weltweit" bekommen. Schon Jahre vorher hatten die großen Plattenfirmen angestanden, aber die gerade 20jährige schlug alle Angebote aus, weil sie ihr eigenes Ding machen wollte. Spätestens nach einer Support-Tour für Bob Dylan war klar, dass sie es auch alleine schaffen würde. In Dänemark laufen ihre Songs im Radio rauf und runter. Genießt Ida, solange sie hier noch in kleinen Clubs spielt. Das nächste Mal werden es Hallen sein!

12.03. Leipzig, Horns Erben
13.03. Erfurt, Museumskeller


Oomph!

Oomph!

Oomph!

Inzwischen hat es sich ja herumgesprochen: Das ist die Band, die den Rammstein-Sound schon produziert hat, bevor es Rammstein gab. Das firmierte damals noch unter Electronic Body Music mit harten Industrial- und Metal-Einflüssen. Es wurde vor allem von Gruftis gehört. Nach dem Rammstein-Hype wurden sie allgemein dem großen Lager der Epigonen zugerechnet. Gottlob haben sich ihre eigenen Qualitäten am Ende aber durchgesetzt. Die Alben tummeln sich schon lange in den Charts, sie gewannen den BuViSoCo und sind am Ende mit gleichbleibend bösem Sound doch noch Popstars geworden.

01.04. Leipzig, Täubchenthal
02.04. Erfurt, HsD
03.04. Dresden, Reithalle


Pur

Pur

Pur

Vor 30 Jahren hob Hartmut Engler im beschaulichen Bietigheim-Bissingen die Band Pur aus der Taufe. Stimmt nicht ganz, denn die Jungs spielten da schon zehn Jahre lang zusammen. Erst als Coverband und dann als Opus mit eigenen deutschen Texten. Als 1985 die Österreicher dieses Namens mit "Life Is Live" ihre Riesen-Hit hatten, war Pur fällig. Deren erster Hit hieß "Lena" im Jahr 1990. Weitere fünf Jahre brauchten sie bis zur absoluten Spitze: Das legendäre "Abenteuerland"-Album von 1995 war fast eineinhalb Jahre in den Charts, das Land lag im puren Fieber. Noch heute verkaufen sie locker Arenen aus.

05.04. Magdeburg, GETEC-Arena
12.04. Erfurt, Messe
16.04. Zwickau, Stadthalle
17.04. Leipzig, Arena


Laibach

Laibach

Laibach

Diese Band verstörte seit Mitte der 80er Normalverbraucher mit ihren irritierenden Botschaften und Symboliken. Der Name ist die deutsche Bezeichnung ihrer Herkunftsstadt Ljubljana, sie konstituierten sich als musikalischer Teil eines interdisziplinären Künstlerkollektivs namens Neue Slowenische Kunst (NSK). Musik und Texte provozieren bewusst durch autoritäre Ästhetik und Posen, bekannt wurden ihre Coversongs großer Hits wie "Life Is Live" (Opus) oder "One Vision" (Queen), die in den Laibach-Versionen aus martialischem Industrial-Metal plötzlich ganz andere Botschaften zu transportieren scheinen und zeigen, wie nahe wir immer am Abgrund stehen.

15.04. Leipzig, Haus Auensee
16.04. Dresden, Alter Schlachthof


Donovan

Donovan

Donovan

Ja, er ist es wirklich! Der unglaublich charismatische Schotte, der heute in Irland lebt, hatte in den 60er Jahren eine ganze Reihe von Riesen-Hits wie "Universal Soldier", "Mellow Yellow", "Sunshine Superman" und vor allem das unvergessliche "Atlantis", mit dem er im wilden Jahr 1968 wochenlang auch die deutsche Hitparade anführte. Donovan galt als europäische Ausgabe von Bob Dylan und war in seinen Glanzzeiten auch tatsächlich so populär wie dieser. Seit den 70ern fuhr er seine Öffentlichkeitspräsenz herunter, er verschwand aus den Schlagzeilen. Umso sensationeller scheint uns nunmehr seine Fifty Years Celebration Tour!

20.04. Dresden, Alter Schlachthof
22.04. Leipzig, Haus Auensee


BAP

BAP

BAP

Seit 40 Jahren werden wir von Wolfgangs Niedeckens BAP in feinster kölscher Mundart berockt. Sie waren in den Kölner Vorstädten schon ein paar Jahre lang eine schwer angesagte Nummer, bevor sie mit dem dritten Album und dem Hit "Verdamp lang her" durchbrachen und Anfang der 80er, mitten im Hype der Neuen Deutschen Welle mit bodenständigem Rock und einer Sprache, die keiner verstand, Riesenerfolge feierten. Die Platte "Vun drinne noh drusse" gab es sogar in der DDR. Eine Tour im Osten kam aber nicht zustande, weil sie das extra für die Tour geschriebene Lied nicht aufführen durften.

22.05. Erfurt, Messe
15.07. Chemnitz, Wasserschloss Klaffenbach
16.07. Dresden, Junge Garde



Wort: FW / Bild: Casper van Aggelen, Michael Collopy, Sarah Hesselbo, Carsten Klick, Jens Koch, Jørund F. Pedersen, Karsten Spehr, P.D.