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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Solche Plinsen


Was macht man zu essen, wenn die Tochter zwei Grundschulfreundinnen zu Besuch hat? Klar, Nudeln mit Soße - oder Eierkuchen! Auch da gibt es mehrere Möglichkeiten: Süß oder nicht, mit Käse, Schinken, Banane, Marmelade - oder mit nichts. Hauptsache Zucker! Am besten macht man das auf Zuruf. Eierkuchen kann ich gut und manche Vorlieben kann man im Gespräch klären bzw. ignoriert man einfach. Die Stimmung war heiter und entspannt, bis die eine Freundin bat: "Kann ich noch einen Pfannkuchen, bitte?" Da hatte sich wohl jemand versprochen, dachte die andere. "Bei uns heißen die Eierkuchen!" Damit das mal klar war! Es klang nicht wie ein freundlicher Hinweis, sondern eher wie die bockige Erwiderung auf eine sagenhafte Frechheit. Ihr böser Blick sagte das auch. Meine Tochter wollte die Stimmung entkrampfen und meinte: "Du weißt doch, dass sie aus Bayern kommt und da sagen die Pfannkuchen." Die bayerische Freundin war immer noch sprachlos wegen der aggressiven Zurechtweisung. "Aber hier heißen die Eierkuchen und daran muss sie sich halten!" Meine Tochter wollte schlau sein: "Und in Bayern sagst du Pfannkuchen?" "Wieso? Die heißen Eierkuchen, also sage ich Eierkuchen!" "Siehst du! Und sie sagt immer Pfannkuchen, also hat sie Pfannkuchen gesagt." Stolz auf diese logische Ausführung schaute meine Tochter in die wuterfüllten Augen ihrer nun Ex-Freundin, die noch ein starkes Argument im Ärmel hatte: "Das ist doch was ganz anderes!"
Als Erwachsener hat man immer die Qual der Wahl, ob und wann man in Diskussionsrunden der Kinder einsteigt bzw. wie lange man weghört. Eigentlich war das Problem auch keins, da ich ja wusste, was das bayrische Kind wollte und mich freute, dass es schmeckt. So beruhigte sich die Lage - etwas. Bis meine Tochter ihren Eierkuchen mit Käse bestellte. Das hatte die Bayerin nun noch nie gesehen, weshalb sie fragte, ob Käse auf Pfannkuchen nicht eklig sei? Nun war meine Tochter in Wallung, die so etwas wie Obst auf Eierkuchen abartig fand und nicht verstand, was an Käse darauf falsch sein sollte. Jetzt war die Stimmung doch vergiftet, zumal die eine prinzipiell von Pfannkuchen sprach und die andere sie aus Prinzip verbesserte. Meine Laune wurde auch nicht dadurch besser, dass die hiesige Freundin pikiert darauf hinwies, dass sie ihre Eierkuchen ganz anders kennt, nämlich viel dicker und nicht so gelb. Oder dünner und gelber. Jedenfalls anders! Trotz der Meckerei aß sie dabei schon ihren vierten, und ich fragte mich, ob das Prinzip war, Hunger oder ob der das am Ende schmeckte?
Die bayrische Brut bockte mittlerweile und meinte, dass sie eigentlich Kaiserschmarrn wollte, der wohl die Steigerungsform dieser Pfannkuchen sei, welche sie nur aß, weil man hier ja wohl keinen Kaiserschmarrn erwarten könne. Meine Tochter aß ihre Eierkuchen mittlerweile mit sauren Gurken und Zimt, nur um den anderen zu zeigen, was Vielfalt ist. Allerdings hatte sie dabei Tränen in den Augen, hoffentlich von den Zwiebeln, die sie vorher neben den Fisch in ihren Eierkuchen gerollt hatte. Ich hatte Lust, die lautstark streitende Weiberherde aus der Küche zu werfen und mir gingen dabei Begriffe wie Ultima Ratio und Schießbefehl durch den Kopf, die sich als Lösung durchaus anboten, brüllte aber nur: "Hier heißen die Dinger Plinsen! So wie ich die mache, sind sie genau richtig! Und wem das nicht passt, der muss hier nicht essen!" S iss dor so! Ciao, Euer Mario


Thiels Treffen mit Gerd Kastenmeier:

17.03. Putjatinhaus


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade