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Johann Janus' Kolumne

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28 Menschen


Nur 28 Menschen stehen zwischen der Ehre und dem Versagen. Einmal mehr gedemütigt von Magdeburg, der hässlichen Hauptstadt, der langweiligen Landesmetropole, sogar im sonst sterbensöden Fußball siegreich. Torben hatte mir den Artikel gezeigt, der Magdeburg den endgültigen Triumph zuschrieb, nun auch noch mehr Bevölkerung aufzuweisen als Halle. Ich seufzte: "Da bleibt uns nur noch die Kulturhauptstadt."
Wir machen eine Liste aller ehemaligen Kommilitonen, Freundinnen und Bekannten auf, die in den vergangenen Jahren Halle verlassen haben. Die Liste ist lang. Zu lang. "Inga zieht jetzt auch weg", fällt mir noch ein, ich ergänze ihren Namen auf der Liste. "Nach Bielefeld, für den Master." Torben schüttelt den Kopf. "Ausgerechnet Bielefeld." Wenn es wenigstens Berlin oder Frankfurt oder Dresden gewesen wären, das könnte man ja noch verstehen. Aber Bielefeld? Da kann man ja gleich nach Eisleben ziehen. "Was haben wir nur falsch gemacht?", frage ich mit theatralisch zum Himmel gereckten Händen. Wenn wir nur die Hälfte der Liste vom Wegziehen abgehalten hätten, stünde Halle noch immer auf dem verdienten Platz 1. Wir haben versagt. Leise blende ich die veraltete Fabster-Hymne aus und nehme die Stern-und-Halbmond-Cocktailfähnchen aus meinem vertrockneten Ficus.
"Niemals!", protestiert Torben und springt kampfbereit auf. "28 Menschen, das kriegen wir locker korrigiert! 2016 holen wir Halle den Titel zurück! Mit diesem ausgeklügelten Plan ..." Wir skizzieren eine Handvoll Punkte, mit denen wir nicht nur den Rückstand gegenüber Magdeburg aufzuholen gedenken, sondern ein für allemal einen weiten Abstand zwischen die sachsen-anhaltischen Konkurrenten bringen werden. Der Plan wird natürlich geheim gehalten. Wenn das gesamte Konzept vor Mitte des Jahres einem Magdeburger Statistiker in die Hand fällt, wären Hopfen und Malz verloren. Entsprechend starten wir natürlich auch keine aufwändig gestaltete Internetseite, erstellen keine farbigen Aufnäher und drucken keine teuren Visitenkarten für unsere Initiative zur Populisation offensichtlicher Prädestiniertheit (kurz iPop). Also, genaugenommen haben wir alles das versucht. Da wir aber nichts davon wirklich können, ist das alles unserer Initiative ziemlich unwürdig. Außerdem ist unser Name ganz schön bescheuert, das muss man ja nicht jedem auf die Nase binden. Da können wir auch gleich eine Geheimgesellschaft bleiben.
Aber der Plan, der steht: Magdeburger, macht Euch gefasst. In den nächsten Monaten werden wir Euch in Grund und Boden populisieren. Unser erster Auftrag wird uns zum Geisteswissenschaftlichen Campus führen, jenem offenbar hilflosen Versuch der Universität, das grassierende Problem sich verirrender Studierender durch Zentralisierung einzudämmen. Aber nichts übereilen, eine solche Aktion erfordert Vorbereitung. Wir vergraben uns in unseren Arbeitszimmern, erstellen Detailkonzepte, telefonieren mit wichtigen Menschen, kochen Kaffee, erstellen einen Videoschnitt von schnell aufeinanderfolgenden Lernprozessen, legen Tabellen an und erstellen endlich doch noch ein vernünftiges Logo. Denn im Februar, da wird Punkt 1 die bisherige Universitätsstrategie erschüttern wie die Alliierten den Roten Turm 1945. Fortsetzung folgt...


Wort: Jesko Habert / Bild: Sabine Kirchner