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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Zuckerberg, Hoeneß und ich


Es ist schwer geworden, Gutes zu tun. Im positiven Fall wird man dafür nur mit Geringschätzung missachtet. Das musste auch Mark Zuckerberg erfahren, der mit Facebook ohnehin schon ganz viel Gutes getan hatte. Jedenfalls für die Geheimdienste. Und die Großkonzerne. Und die vielen Intellektuellen, die den anderen Intellektuellen mittels ziemlich alter Videosequenzen aus längst abgelaufenen Nachrichtensendungen sagen, dass endlich einer das ausspricht, was er ausspricht. Bisher durfte das ja keiner! Außer eben der Typ in der längst abgelaufenen Sendung. Manchmal möchte ich laut rufen: "Auch wenn der Eine lügt, bedeutet es nicht, dass der Andere die Wahrheit sagt!" Doch darum geht es nicht.
Dieser Zuckerberg hatte also angekündigt, sein Vermögen von etwa 45 Milliarden Dollar spenden zu wollen. Es ist eine Menge Geld und man könnte sich auch darüber freuen. Stattdessen wird ihm vorgeworfen, damit nur Steuern sparen zu wollen, was als Nebeneffekt tatsächlich so ist. Aber was hat er am Ende effektiv davon, wenn er sowieso alles spendet? Er hat lediglich an Stelle des Staates selbst entschieden, wer sein Geld bekommt. Auch das warf man ihm vor. Denn wenn er dieses Geld der AIDS-Forschung gibt, kann es sein, dass es der Krebsforschung viel mehr genutzt hätte.
Was aber nicht heißt, dass es die Krebsforschung bekommen würde, wenn er statt zu spenden, Steuern bezahlen würde. Es könnte auch zur Waffenlobby fließen, die gerade Übungsschießen in Syrien machen lässt. Oder in das Erschließen von Ölvorkommen in Alaska. Oder das Tapezieren der Zellen in Guantanamo. Ich habe mich jedenfalls entschieden, seinen Entschluss cool zu finden und bedauere, nicht auch 50 Milliarden spenden zu können, nur um den deutschen Staat zu ärgern.
Andererseits muss man in Deutschland nicht spenden, um Steuern zu sparen. Man kann auch normal hinterziehen, wie Ulli Hoeneß. Er hat es auf etwa 30 Millionen hinterzogene Euro gebracht und ist dafür seit ein paar Monaten im Knast. Manchmal sogar tagsüber! Der Rest war lediglich eingeschränkte Beinfreiheit, mit dem kleinen Makel der Steuernachzahlung. War aber scheinbar kein so großes Ding, denn auch er hat am Jahresende gespendet, wenngleich nur lächerliche 10.000 Euro. Seine völlig schlüssige Begründung war, dass man sich untereinander nichts geschenkt hatte. Fast wie in jeder normalen Familie! Und zeigt doch ein paar feine Unterschiede zur Mittelschicht.
Andererseits, wenn ich das für mich durchrechne, bedeutet es doch, ich könnte ganz bequem aufhören, überhaupt Einnahmen beim Finanzamt anzugeben. Wenn das herauskäme, ergäben sich im Verhältnis zu Hoeneß vielleicht mehrere Minuten Gefängnis, die ich wegen Geringfügigkeit gleich bei meinem Steuerberater absitzen dürfte, bei Kaffee und Kuchen, die der wiederum von der Steuer absetzen könnte! Da die Hälfte davon sicher zur Bewährung ausgesetzt werden würde, müsste ich nur aufpassen, dass es kein zu großes Stück Kuchen wäre. Nicht dass ich länger absitzen müsste, weil noch Kuchen da wäre. Sollte sich daran jemand stoßen, weil er zum Beispiel keinen Kuchen bekommen hat, dann würde meine Redaktion an die Öffentlichkeit gehen, mit dem Wunsch: "Ach, lasst ihn doch in Ruhe! Er hat doch keinem was getan."
Interessanterweise haben auch andere Menschen keinem was getan und werden dafür beschimpft und bedroht. Die haben noch nicht mal Steuern hinterzogen, müssen sich dennoch rechtfertigen und haben Glück, nicht auf die Fresse zu kriegen. Tut mir leid, aber das zu verstehen, fällt mir zusehends schwer. S isso!
Ciao, Euer Mario


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade