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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Kurz vorm Ende Polizisten


Wir nähern uns rasant dem Ende, also dem Jahresende. Das muss man dazu sagen, denn glaubt man den besorgten Bürgern, dann nähern wir uns dem Ende des Christentums bzw. erleben es gerade. Dabei ist interessant, wie viele der Besorgten dieses Endzeitgefühl allein vom Hören der Erzählungen von Dritten beschleicht, ohne zu hinterfragen, ob die Dritten es auch nur gehört haben. Theoretisch müssten sich ganz viele Aufgeheizte jedes Mal schämen oder entschuldigen, wenn sie einem Falsch-Ende, sprich einer Ente, aufgesessen sind. Aber da ruft man nicht laut "Lügenerzähler", sondern beharrt auf dem Irrtum und verteidigt sich mit "Es hätte aber sein können!". Oder verweist darauf, dass die Polizei gar nicht erzählen darf, wie es wirklich ist. In diesem Zusammenhang kennen neuerdings ganz viele Leute wenigstens einen Polizisten persönlich bzw. haben sogar einen in der Familie. Na, das war früher anders. Und der eigene persönliche Polizist hat natürlich nicht nur alle aktuellen Fälle und Statistiken im Kopf, sondern verrät die Details auch noch komplett den nächsten Angehörigen. Das lässt auf eine Polizei voller Transparenz bis ins letzte Glied schließen. Bei Leuten ohne eigenen Polizisten genügt der Hinweis, dass man froh sein kann, gar nicht alles zu wissen, was wiederum erst recht das baldige Ende befürchten lässt.
Apropos Polizei: Manchmal schaue ich mir deutsche Filme an, in denen die Polizei eine wichtige Rolle spielt. Die heißen dann Tatort, Polizeiruf oder SoKo sonst wo. Mittlerweile gehört es für eine Stadt mit mehr als 5.000 Einwohnern zum guten Ton, wenigstens einen eigenen Tatort, Polizeiruf oder eine SoKo zu haben. Während im amerikanischen Krimi der Polizist immer ordentlich alles Verdächtige aus dem Weg räumt, sprich zehn Tote verursacht, um ein Menschenleben zu retten, bietet der deutsche Kommissar eher psychologische Probleme an, die ihn leider bei der Aufklärung des Falles behindern, wie auch seine Waffenallergie oder Metallunverträglichkeit. Und er ist oft latenter Alkoholiker. Manchmal auch cholerischer latenter Alkoholiker. Meistens Single, der nur zu einer Frau kommt, um gleich wieder zu gehen. Dabei immer schweigsam, was okay ist, denn oft nuschelt er sowieso nur. Auf jeden Fall etwas kurzatmig, wegen der Leibesfülle oder der Zigaretten, und ganz oft schwer von Begriff, damit der Fall nicht zu schnell gelöst wird.
Die weiblichen Kommissare vereinen dafür Beruf und Familie. Leider nur schlecht. Nicht nur, dass der Gatte nörgelt, weil sie gar nicht mehr sagt, ob und wann sie heimkommt. Auch ihre Kinder sehen Kommissarinnen nur im Bett, wo sie schon schlafen. Aber der Gatte ist eh schon lange der Ex und ihr Verhalten als Mutter in der Regel als asozial einzustufen. Da habe ich die Ernährung noch gar nicht erwähnt. Frühstück gibt es ganz selten und wenn, dann als Kaffee "to go". Dafür gibt es nach keinem Frühstück bloß noch Kaffee für den restlichen Tag. Es schmiert doch keiner mehr Schnitten!
Herrlich finde ich auch, dass die sich im Team immer mit Nachnamen ansprechen. Wie in der Nationalelf: "Eh, Hummels, was machst Du im Strafraum?" "Halt's Maul, Götze!", oder so. Dabei sind sie ständig gereizt, was am fehlenden Frühstück liegen könnte, vor allem wenn sie mit den Leuten aus dem Team reden, also diese anbrüllen. Die sind aber manchmal auch ganz schön dumm. Neulich, der Kommissar: "Ich will die Namen, von allen Firmen und Arbeitern, die auf der Baustelle tätig waren!" Schlaue Kollegin: "Auch von den Subunternehmen?" Und spätestens da lobe ich mir den Typen, der immer "Schweinebacke" sagt, denn der tut wenigstens nicht erst schlau! S isso!
Ciao, Mario


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade