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Konzert-Special

Nicht im Regen stehen bleiben!


Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter an - mit Wasserfarben. Eine schöne Jahreszeit eigentlich, man könnte sich glatt daran gewöhnen, wenn es nicht ganz so kühl, zugig und nass, dafür morgens ein wenig heller und tagsüber etwas wärmer wäre. Aber gut, man kann nicht alles haben - fast alles aber derzeit in den Clubs, Sälen und Konzerthallen des Landes, wo die Popper und Rocker so richtig einheizen. Darum solltet Ihr nicht lang zögern und die einschlägigen Ticketdealer bemühen. Denn wer zu lange wartet, wird später draußen im Regen stehen! Und da das keiner wollen kann, treffen wir uns dann doch drinnen bei Jazz, Folk, Rock, HipHop, Metal...


Gregory Porter

Gregory Porter

Gregory Porter

Es gibt sie noch, die großen schwarzen Stimmen des Jazz, basierend auf Ausbildung und Feeling in Gospel und Blues. Musik, die so unverwechselbar schwarz ist, wie der gepflegte Bierzeltgesang weiß. Die übliche Biografie: Porter wuchs in Bakersfield (Kalifornien) in einem Schwarzenviertel auf, sang im Gospelchor der Gemeinde, erlebt die De-facto-Apartheid in weiten Teilen der USA von Kindesbeinen an (sein Bruder wurde angeschossen). Porter wollte raus, spielte Football, ging zur Uni - und sang: Soul, Funk, Rhythm 'n Blues. Er landete am Broadway, der Startrampe für eine Solokarriere. Jetzt, nur wenige Jahre später, hat er alle wichtigen Preise, Grammies, Echos, die ein Jazzer haben kann.

18.11. Leipzig, Haus Auensee


Chris Norman

Chris Norman

Chris Norman

Seine Band Smokie hatte die Kinderzimmerwände in der zweiten Hälfte der 70er unter ihre Kontrolle gebracht. Doch eigentlich ging es nur um ihn. Die kumpelhaft-sympathische Erscheinung, die raue, charismatische Stimme: Chris Norman wurde nicht nur von Mädels geliebt! Als dann aber das Gerücht aufkam, er würde bald schon an Kehlkopfkrebs sterben müssen (die Stimme eben!), waren sie es vor allem, deren hysterische Reaktionen den größten Gruppensuizid um der Kunst willen seit dem Erscheinen von Goethes Werther befürchten ließen. Doch er lebt!

20.11. Chemnitz, Stadthalle
21.11. Zwickau, Stadthalle
23.11. Halle, Händel-Halle
24.11. Leipzig, Haus Auensee
25.11. Dresden, Alter Schlachthof


Karl Bartos

Karl Bartos

Karl Bartos

Er war bis zu seinem Ausstieg in der zweiten Hälfte der 80er (also nach ihrer großen Zeit) bei Kraftwerk und ist Mitautor aller großen Hits. Kraftwerk sind musikhistorisch die entscheidenden Innovatoren auf dem Weg zur elektrisch basierten Pop-Musik, sie sind die Wurzeln von Depeche Mode ebenso wie von Techno und Schlagerhouse: Kraftwerk sind der wahrscheinlich wichtigste deutsche Beitrag zur westlichen Pop-Kultur. Im Unterschied zu den ehemaligen Kollegen, die eher mit Erbe-Verwaltung befasst sind, stellt sich Bartos der Entsorgung durch Vergottung seitens der Medien und macht bis heute Neues. Sein Album von 2013 wurde zu recht "als die beste Kraftwerk-Platte seit 30 Jahren" bezeichnet.

21.11. Leipzig, Haus Leipzig


Saltatio Mortis

Saltatio Mortis

Saltatio Mortis

Das vorletzte Opus "Das schwarze Einmaleins" war nach hartem Aufstieg schließlich bis auf den Gipfel der deutschen Albumcharts geklettert. Der taufrische Nachfolger "Zirkus Zeitgeist" schaffte es jetzt direkt auf die Pole Position! Unter den hierzulande ja nicht eben seltenen Mittelalter-Rockbands sind die Mannheimer damit die angesagteste. Was vielleicht daran liegt, dass sich in ihren derben Haudrauf-Rock in der Art der alten Rittersleut (jedenfalls, wenn die in der Lage gewesen wären, elektrische Verstärker an ihre Lauten zu löten) gelegentlich lustvolle Schlenker ins Aktuellpolitische mischen. Da passt dann auch der Bandname: Totentanz.

21.11. Dresden, Alter Schlachthof
04.12. Leipzig, Haus Auensee


Sido

Sido

Sido

Fast hätte der Osten es geschafft, den Westen wirklich zu unterwandern. Mit Rammstein haben wir es schon ziemlich weit gebracht. Tokyo Hotel zählen nicht. Aber als der maskierte Typ aus Westberlin seinen Block besang und sich in der Folge die Aggro-Gegenkultur zur beschaulichen weißen deutschen Rap-Variante, wie sie die Fanta 4 im behaglichen Stuttgart zusammenschraubten, etablierte, da hatten wir sie fast. Denn Sido kommt ja eigentlich aus Prenzlberg. Aber dann nahm er die Maske ab, sieht sich "zu gerade für die Straße und zu Straße für die Nachbarschaft", aber rappt besser denn je.

23.11. Zwickau, Stadthalle
02.12. Erfurt, Messehalle
03.12. Magdeburg, Stadthalle


Sasha

Sasha

Sasha

Er war mal ein richtiger Indie-Rocker, die Band Junkfood Ende der Neunziger lokal ziemlich angesagt. Dann entdeckte ihn ein Producer, nahm mit ihm den Young-Deenay-Hit "Wannabe Your Lover" neu auf und ab ging's in die Top Ten. Dort hat er sich bis heute behaglich eingerichtet. Ob nun unter dem Namen Sasha oder als sein Alter Ego im eigenen Körper: Als Kopf der Rockabilly-Combo Dick Brave & The Backbeats erreichte er zum ersten Mal die Spitze der Verkaufshitparaden. Auf der aktuellen Tour "Sasha Proudly Presents: The One - A Club Night Special" tritt er aber ganz als er selbst auf (er heißt richtig Sascha Schmitz) und spielt das Beste aus seinen Erfolgsalben und 22 Chartsingles.

26.11. Leipzig, Haus Auensee


Marsimoto

Marsimoto

Marsimoto

Fans wissen es natürlich: Marsimoto ist das Maskenprojekt des Rappers Marteria. Anders als Sido, der seine erst Maske ablegte, als er berühmt wurde, hat der Rostocker von Anfang ein normales und ein Maskengesicht auf der Bühne. Genauso wie der Ami-Rapper Quadlib jagt er unter der Maske seine Stimme erstmal durch ein Effektgerät. Er wäre so nicht zu erkennen - aber irgendwie haben's von Anfang an alle gewusst. Als Marsimoto lebt er seinen Hang zum Grünen, zur Natur allgemein aus. Das neue Album heißt "Ring der Nebelungen" (Richard Wagner dreht seit ein paar Monaten Pirouetten in seinem Grab), die gewitzte Single gleichen Namens beschreibt ein Fernweh nach der ganzen Welt.

06.12. Leipzig, Haus Auensee


Schandmaul

Schandmaul

Schandmaul

Sie sind die freundlichen Mittelalterrocker von nebenan - begonnen als nettes, bajuwarisches Pendant zum martialisch-bösen, weitgehend humorfreien Mittelalter-Hard Rock, wie ihn Subway To Sally, In Extremo oder Tanzwut gerade im Osten etabliert hatten. Die einen fuchtelten mit dem Schwert, die anderen mit der Narrenkappe. Diese Nische war neu und erwies sich als ziemlich breit. Inzwischen folgten sie dem Trend der Pioniere (zu denen sie längst auch gehören): Sie erweiterten das instrumentale und textliche Spektrum, traten heraus aus dem Mittelalter und machen heute einen breit gefassten, immer unterhaltsamen und meist tanzbaren Folk-Rock.

11.12. Halle, Steintor-Varieté
17.12. Weimar, Weimarhalle


Keimzeit

Keimzeit

Keimzeit

Bei Menschen ist es so, dass die einen immer ausrechenbarer, gesetzter, kurz: langweiliger daherkommen, je älter sie werden. Die anderen aber werden weiser, gewitzter, relaxter, kurz: spannender. Keimzeit gibt's seit 35 Jahren, also fast so lange wie die Puhdys und die Steinkohle, doch sie musizieren sich unverdrossen, dabei nie uninspiriert, mit stetig fröhlichem Sängergrinsen durch die vollen Konzerte, deren Zahl längst in die Tausende geht. "Auf einem Esel ins All" heißt das jüngste Opus, sie sind damit mal wieder in die Albumcharts eingestiegen - aber das ist bei dieser Band ziemlich unwichtig.

11.12. Leipzig, Haus Auensee
18.12. Jena, F-Haus
19.12. Freiberg, Tivoli


Nightwish

Nightwish

Nightwish

Die Helden des Symphonic Opera Metals (sie haben das Genre nicht erfunden, aber weltweit etabliert) haben nach einigen Jahren Pause mal wieder ein neues Album gemacht. Seit 2012 bestreitet Floor Jansen, bekannt durch After Forever, den Gesangspart. Die Trennung von der Schwedin Anette Olzon ging eher unschön vor sich, genau wie einige Jahre zuvor die von Tarja Turunen, mit deren Stimme die Band groß wurde. Aber Boss Tuomas Holopainen, der die Songs schreibt und für das Konzept steht, agiert in solchen Fällen eigenwillig und empathiefrei. Die alten Helden Amorphis und Arch Enemy werden das Vorprogramm bestreiten - jede dieser beiden Legenden wäre allein schon eine Arena-Show wert.

14.12. Leipzig, Arena



Wort: FW / Bild: Murat Aslan, Patrick Beerhorst, Bernd Brundert, Robert Eikelpoth, Ville Akseli Juurikkala, Muriel Liebmann, Tom Waberseck, Erik Weiss, P.D.