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Kudernatschs Kolumne

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 Diesel ist Super


Endlich beginnt wieder die voll närrische Zeit - am 11.11. um 11 Uhr 11. Jeder darf sich daneben benehmen und sowas machen, wie an Straßenbahnhaltestellen oder die "Mathilda" oder das Rathaus zu pinkeln, andere Menschen mit Bonbons zu bewerfen oder zwei Uhr morgens "Atemlos durch die Nacht" zu grölen.
Fragt sich, was davon am ekligsten ist. Das wird quasi wie Oktoberfest nur ohne Oktober und ohne Festbier. Wer möchte, kann gleich sein kariertes Leibchen vom Oktoberfest anbehalten und zum Fasching als Tischdecke gehen.
Und damit sind wir schon bei den beliebtesten Kostümen der Saison. Es kann nicht immer nur Indianer oder Hexe sein. Langweilig! Ebenso wie Pirat oder Prinzessin. Gähn! Erst recht Vampir oder Zombie. Schnarch! Da erschreckt sich seit "Walking Dead" eh niemand mehr. Da müsste schon zu Halloween plötzlich Bodo Ramelow klingeln und sich zum Abendessen einladen. Also das wäre echt gruselig. Was serviert man da? Rotwurst?
Jedenfalls muss etwas Anderes her. Neue Kostüme braucht das Land. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Pandamaske? Einfach aufsetzen, harmlose Liedchen über Mädchen und Jungen singen - und schon wird man für Cro gehalten. Okay, das ist jetzt vielleicht etwas spät und wäre eher was für 2014 gewesen. Aber lieber spät als nie. Wer jetzt meint: "Ich kann aber nicht singen. Und ehrlich, ich kann eigentlich gar nichts." - dem hilft das nächste Outfit garantiert. Nennen wir es "Vollpfosten" - und das geht so: Zähne nicht putzen, sondern fletschen, ein bekleckertes T-Shirt mit ***ida-Schriftzug anziehen (möglichst mit Rechtschreibfehler in "***ida") und eine halbvolle Bierpulle schwenken. Dazu dumpf gucken.
Jedem, der es noch minimalistischer mag, sei das Kostüm "Poller" empfohlen. Dafür stellt man sich einfach irgendwo mitten in den Weg und macht gar nichts. Bloß nicht bewegen! Dazu gibt's noch die Variante "Rentner": Dafür kleidet man sich vorher beige ein.
Wobei mich das unheimlich an meinen Kindergarten erinnert, wo es in der großen Gruppe vorm Fasching hieß: "Geh doch als Streichholz?" "Wie denn?" "Na ganz nackig - einen roten Kopf kriegst Du von alleine!" Es hat aber nie jemand wirklich ausprobiert. Aber ich hatte einmal im Kindergarten ein viel schlimmeres Kostüm - meine Mutter ließ mich als Rotkäppchen gehen. Die anderen Kinder lachten sich schlapp - und noch heute leide ich unter den Spätfolgen und sehe Rot bei Rot und bei Käppchen.
Und damit kommen wir zu den politischen Verkleidungen. Der Super-Tipp für alle, die Mitte Zwanzig sind: Einfach in eine Deutschlandfahne einwickeln und als "25 Jahre deutsche Einheit" auftreten.
Ich werde diesmal als VW-Manager gehen. Dafür zwänge ich mich in meinen alten Anzug von der Jugendweihe und erzähle Unsinn. Sowas wie "Diesel ist Super!". Oder ich sage gar nichts - obwohl ich alles schon lange weiß. Das ist noch authentischer. Ab und zu huste ich in ein weißes Tuch und zeige allen danach, dass es immer noch weiß ist. Überhaupt darf jeder dann in dieses Tuch husten - und sich damit den Mund abwischen. Und keiner steckt sich an. Und wenn doch, bin ich ja schon lange fort. So macht man das. So darf man das. Wir leider nur zum Fasching - andere immer.


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: RF