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Kudernatschs Kolumne

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Der Sommer wird mir fehlen


Ach, ich fühle mich wie ein Thüringer Politiker. Mir fällt überhaupt nichts ein. Naja, höchstens so alte Hüte wie Theaterfusionierung. Man packt zusammen, was nicht zusammengehört, oder man packt es weg. Genau das packt man jetzt wieder an - und alle beklagen sich bitter.
In Erfurt haben wir seit Jahren einen besonderen Trick: Wir nennen das Theater Oper oder die Oper Theater - je nachdem, was gerade gebraucht wird oder fehlt. Dem Gebäude an sich ist es egal. Das wäre auch eine prima Bow-lingbahn oder ein IKEA mitten in der Stadt.
Aber ich verstehe die Politiker nicht. Sie müssten doch viel weiterdenken als bis zur nächsten Künstlergarderobe. Warum fusionieren nicht auch Orte? Wie etwa Bad Sulza, Bad Salzungen oder Bad Langensalza. Die werden eh immerzu verwechselt und versalzen Gästen aus der Ferne die Reiseplanung zur Reha. Also huschhusch, ein salziges Superbad daraus gemacht - und geschwind fusioniert zu einem Bad Langeherumsülzen oder so.
Aber kommen wir nochmal zurück nach Erfurt. Dort hat Bausi Bausewein für eine Überraschung gesorgt, als er im Sommer gesagt hat, Flüchtlingskinder sollten nicht in die Schule gehen. Das ist zu kurz gedacht, denn ohne Schule würden sie gar nichts von all der schönen Demokratie um Bausi Bausewein herum lernen - und könnten als Erwachsene nicht SPD wählen. Weil sie gar nicht wissen, wie das geht. Obwohl es die SPD dann vielleicht sowieso nicht mehr gibt, wenn erstmal die roten Khmer in Thüringen einmarschieren … Momentan beschränkt sich die rote Gefahr ja noch darauf, dass Bodo Ramelow einem bei "Salve TV" plötzlich in die Wohnstube schaut. Sonst ruhen wir spätsommerlich sanft.
Daher ist Zeit für einen Blick ins Freibad, das nun wieder geschlossen ist. Es langweilt nur noch, wer da wo tätowiert ist. Neu scheint zu sein, dass es zunehmend Frauen gibt, die sich das Dekolleté vollbrennen lassen - allerdings nicht mit Pfeilen, die auf den Busen zeigen oder einer Bedienungsanleitung dafür, sondern mit sinnlosen Ornamenten oder chinesischen Schriftzeichen, die "Pekingente" heißen könnten. Stop! Tattoo-Kritik ist völlig retro und out!
Hier ist ein neuer Aspekt: Wer macht beim Schwimmen welche Geräusche? Prusten, Grunzen, Quieken - es ist alles dabei. Gerade die größten Muskelprotze erzeugen Töne wie aus Kinder-Trickfilmen. Überprüft es in der Schwimmhalle! Folgt ihnen und belauscht sie. Die Dicken hingegen sind eher mucksmäuschenstill beim Brustschwimmen. Sie verbergen alle Sounds in ihren Speckfalten.
Das hat was. Darum war ich ehrlich erschüttert, als ich im August erfuhr, dass der schöne runde Kobold Pumuckl abnehmen muss. In einem neuen Buch ist er plötzlich dünn - und der Kugelbauch guckt nicht mehr raus. Nach der Heidi und der Biene Maja wurde auch der Pumuckl verschlankt. Oder kriegt er beim Meister Eder nix mehr zu essen und schnüffelt aus Verzweiflung am Holzleim?
Mein Freund Günther, der wie Horst Schlemmer aussieht und auch so grunzt, mag den Pumuckl ebenfalls sehr und liebt die folgende Anekdote: Steht ein Junge im Spielzeugladen - und oben im Regal stehen lauter Pumuckls, die der Junge sehnsüchtig anschaut. Da kommt die Verkäuferin und fragt: "Na, soll ich dir einen runterholen?" Sagt der Junge: "Ja, aber nur wenn ich einen Pumuckl dafür kriege!"
Das waren die Themen in diesem Sommer. Finde ich. Er wird mir fehlen. Und wem noch mehr einfällt, der kann mir gern schreiben. Die ersten Sätze waren nämlich nicht gelogen.


Internet:

www.kudi.de


Wort und Bild: André Kudernatsch