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Konzert-Special

Aus Respekt vor reiferen Damen


Was die Leute wohl veranlasst hat, der vielleicht schönsten Zeit des Jahres den eigenartigen Namen Altweibersommer zu verpassen? Respekt vor reiferen Damen war es jedenfalls nicht. Wir indes genießen das Abebben der Hitzewellen und freuen uns an lauen Abenden an der Aussicht auf die Konzerte des bevorstehenden goldenen Herbstes. Für die Bühnen sind diese Wochen, die sich bis in den beginnenden Weihnachtstrubel hinein ziehen, die spannendsten des Jahres, weil irgendwie alle unterwegs sind. Ja, wirklich alle - vom Newcomer bis hin zu den Dinosauriern des Rock. Die Auswahl ist also noch schwerer als sonst - aber auf BLITZ! ist ja Verlass.


Philipp Dittberner

Philipp Dittberner

Philipp Dittberner

Der junge Mann aus Berlin dürfte sich gerade mindestens auf Wolke 7 fühlen. Ohne ein Album veröffentlicht zu haben - nur ein paar Songs auf Soundcloud stehen bisher zu Buche - macht er 2014 mit mit dem Hannoveraner Frickler Marv (er kennt ihn nur via Netz) den Song "Wolke 4", gewinnt einen Talent-Award damit und geht dank enormem Airplays und Net-Streams schließlich locker in die Top Ten damit. Ohne Plattenfirma, dicke Anzeigen und schlaue Promoter im Rücken. 200.000 Singles hat er von der Wolke schon verkauft, physisch sicher die wenigsten. Jetzt kommt er mit Band auf Tour

08.10. Erfurt, HsD
06.11. Dresden, Puschkin
14.11. Leipzig, Werk 2


Faun

Faun

Faun

Sie waren keineswegs die Ersten im Boom der mittelalterinspirierten Musik. Aber der Erfolg in der dunklen Szene kam sehr rasch nach ihrer Gründung in den beginnenden Nullern. Weil sie eine mystisch durchsetzte Authentizität erreichten, die bis dahin neu war in der eher von Haudrauf-Barden besetzten Stilistik. Um so größer der Aufschrei, als sie plötzlich kommerzielle Erfolge feierten, was sie durch Auftritte bei Carmen Nebel oder Kollaborationen mit Casting-Produkten wie Santiano selbst erzwungen hatten. Die Szenefans wandten sich erschreckt ab, dafür kamen viele neue aus der Bevölkerungsmehrheit. Sie sind so ein wenig die Unheilig der Mediäval-Szene, geliebt und angespien ...

11.10. Leipzig, Haus Auensee


Bob Dylan

Bob Dylan

Bob Dylan

Tatsächlich. Der wichtigste Solokünstler der Pop-Geschichte, der Singer/Songwriter schlechthin, kommt zu einem Konzert in das Leipziger Gewandhaus. Also fast ins Wohnzimmer. Zum Anfassen nah. So richtig wird man es doch erst glauben, wenn er samt Gitarre und Begleit-Band auf der Bühne Platz genommen und einen seiner Evergreens angestimmt hat. Denn Dylan müsste zweifellos mit Gott gleichgesetzt, jedenfalls ganz in die Nähe eingeordnet werden, würde es nicht als ausgemacht gelten, dass Gott bis dato eher selten auf Konzertbühnen zu erleben war. Für jene, die die Cleverness oder einfach das große Glück hatten, dafür ein Ticket ergattert zu haben, wird es ein Restleben lang was zu erzählen geben.

12.10. Leipzig, Gewandhaus


Cirque du Soleil

Diese fantastische Unternehmung, die den Zirkus neu erfunden und damit diese zauberhafte eigene Welt vielleicht gerettet hat, ist nun schon 30 Jahre alt und geht auf die kanadische Stadt Quebec zurück.
Hier wird beispielhaft die Konzeption des Cirque Nouveau verwirklicht, des neuen Zirkus ohne Sandmanege und Tierdressuren, dafür mit wunderbar choreografierter Artistik, sowie Schauspiel und Tanz in fantasievollen, die gängige Zirkusästethik weit überschreitenden Raumgestaltungen. 5.000 Menschen arbeiten heute für das Unternehmen, bis jetzt wurden 100 Millionen Zuschauer weltweit erreicht.

Cirque du Soleil

Cirque du Soleil

Cirque du Soleil

Cirque du Soleil

Cirque du Soleil

Cirque du Soleil


In Leipzig ist die genau auf die Größe der hiesigen Arena zugeschnittene Show "Varekai - Ein Vulkan voller Magie" zu Gast, die all das vereinigt, was den ungebrochenen Erfolg und die Einzigartigkeit des Cirque ausmachen.
Die Inszenierung sucht in einer Atmosphäre von magischem Mystizismus nach den Grenzen der Vorstellungskraft beim staunenden Zuschauer. Traumsequenzen aus Dramatik und Akrobatik spielen in einem Zauberwald auf dem verwunschenen Gipfel eines schlummernden (?) Vulkans, seelenvoller Live-Musik begleitet Tänzer in farbenprächtigen Kostümen in einer Kaskade immer neuer Lichteffekte - die Macher sprechen von einer Sinfonie aus Licht. Es scheint, als verschwimmen die Gesetze der Schwerkraft und der Optik. Das Unmögliche wird möglich, die reale Welt wird einen Abend komplett verdrängt.

14.-18.10. Leipzig, Arena


Joachim Witt

Joachim Witt

Joachim Witt

Er ist souverän auf den Kronen großer Modewellen mitgeritten. War gefeierter Star der Neuen Deutschen Welle und hat der Neuen Deutschen Härte mit der "Flut" und den Folgealben ein gotisches Portal verpasst. Immer wieder hat er es aber auch verstanden, sich aus den entsprechenden Erwartungshaltungen zu lösen. Seine letzten Werke beschreiben einen beeindruckenden Selbstfindungsprozess, der im jüngsten Epos "ICH" gipfelt, auf dem Witt Songwriting und Produktion komplett in die eigenen Hände genommen hat. Die Clubs sind kleiner geworden. Um so größer die Chance, diesen Ausnahmekünstler und seine unvergleichbare Bühnenaura hautnah zu erleben.

16.10. Erfurt, HsD
17.10. Dresden, Beatpol
30.10. Leipzig, Stadtbad


Westernhagen

Westernhagen

Westernhagen

Er war schon immer ein echter Rock 'n Roller, wenn auch aller zehn Jahre ein anderer. Seine unsterblichen Auftritte als Schauspieler wurden begleitet von den ersten rotzigen Alben, deren Hits bis heute Kult sind. Danach hat er eine ganze Weile etlichen musikalischen Experimenten gefrönt, bis er Anfang der 90er plötzlich als Armani-Rocker zum Superstar wurde. Doch im Unterschied zu vielen anderen hat er die Stadionzeit hinter sich gebracht, ohne an Authentizität zu verlieren. Inzwischen hat er ohne Geschiele auf alte Millionseller zu einer ganz eigenen Musikalität gefunden. Auf seiner Hallentournee wird er das Beste aus allen seinen guten Zeiten zu einem hoch spannenden Gemisch vereinen.

22.10. Dresden, Messehalle


Lena

Lena

Lena

Selten hat es in diesem Land einen kometengleicheren Aufstieg gegeben, wie jenen von Frau Meyer-Landrut, die sich heute nur noch Lena nennt. Mit gerade 19 und dem Hit "Satellite" hatte sie schon halb Deutschland verrückt gemacht, bevor sie mit diesem süß-unschuldigen, dabei quirlig-hektischen Liedchen, das so ideal zu seiner Interpretin passte, im Jahr 2010 auch noch den Eurovision Song Contest abräumte. Noch immer sehr jung und auf der Suche nach dem eigenen Stil, wird sie den Rest ihrer gerade begonnenen Karriere damit leben müssen, dass der Höhepunkt ihrer Publikumsresonanz bereits hinter ihr liegt. Vielleicht gibt ihr gerade das die Lockerheit für schöne, entspannte Musik.

23.10. Leipzig, Werk 2


Zaz

Zaz

Zaz

Der Stern von Isabelle Geffroy a.k.a. Zaz ging ähnlich strahlend auf wie hierzulande jener von Lena Meyer-Landrut. Bekannt geworden durch einen großen Talentwettbewerb (Lena hatte Stefan Raab) nahm sie 2010 (in dem Lena den ESC abräumte) ihr Debütalbum auf, mit dem sie in Frankreich durch die Decke ging. Der Unterschied: Zaz ist zehn Jahre älter. Stimme und musikalische Orientierung haben längst ihren Platz in der stilistischen Palette des Pop gefunden. Das erste Album von Zaz machte bei uns nicht annähernd so viel mediale Furore wie das von Frau Landrut. Dafür blieb es 146 Wochen, also fast drei Jahre, ununterbrochen in den Charts. Heute bespielt Zaz die größeren Häuser.

07.11. Leipzig, Haus Auensee


Deep Purple

Deep Purple

Deep Purple

Smoke on Elbe & Elster! Noch immer kann ihnen keiner das Wasser reichen. Ian Gillan ist unbestritten einer der wichtigsten Rock-Shouter aller Zeiten und mit Bassist Roger Glover an der Seite von Drummer Ian Paice ist bis heute eine Rhythmussektion am Start, die noch keiner übertrumpft hat. Gitarrist Steve Morse ist längst raus aus dem Status des Blackmore-Ersatzes, seine ausufernden Filigran-Soli bestimmen heute den Purple-Live-Sound. Keyboarder Don Airey hat auch eine Menge Meriten in der Rock-History gesammelt und macht fast vergessen, dass an seinem Platz mal die Legende John Lord (R.I.P.) die Tasten drückte. Sogar ein brandneues Album (Nummer 20!) soll sich im Gepäck finden.

14.11. Magdeburg, Getec-Arena
17.11. Leipzig, Arena



Wort: FW / Bild: Bob Dylan (Veranstalter), Martin Girard, Nicolas Kantor, Romney Mueller-Westernhagen, Yann Orhan, Jim Rakete, Helen Sobiralski, Christoph Voy