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Selbstversuch im Kletterwald

Selbstversuch im Kletterwald

Selbstversuch im Kletterwald

Aaaaaaaahhhhhhhhhh!!!!!


Im hallischen Kletterwald Schwindelfrei gibt es jetzt ein völlig neues Abenteuer zu erleben, das Mut und Überwindungskraft erfordert. Sie nennen es den Giant Swing.

Als Kim (Foto unten) vor drei Jahren aus Wolfenbüttel nach Halle zog, um hier Geschichte und Politikwissenschaften zu studieren, ahnte sie nicht, dass sie mal mit einem Job als Retterin am Giant Swing ihr Studium finanzieren würde. Als Kim im Frühling dieses Jahres nach einem neuen Nebenjob im Internet suchte, fiel ihr ein Stellenangebot vom Kletterwald Schwindelfrei ins Auge: "Trainer gesucht". In ihrer Heimat war sie schon einmal Gast in einem dieser sogenannten Hochseilgärten gewesen und erinnerte sich an den Spaß, den sie beim Klettern hatte. In einem solchen zu arbeiten, wäre ein schöner Kontrast zum Studium und auch zu den bisherigen Nebenjobs an immergleichen Schreibtischen.
Als ich mich mit Kim im Kletterwald Schwindelfrei am Heidesee treffe, hat sie bereits zwei Wochenenden Ausbildung, die anschließende Prüfung zur Retterin und etwa einen Monat praktische Erfahrung hinter sich. Ausgebildete Retterin sei der fachlich korrekte Begriff, "aber das sagen wir hier nicht, das klingt, als wäre die Kletterei unsicher, und dieses Gefühl wollen wir nicht vermitteln", sagt Kim, stellt sich als Trainerin vor und beschreibt diesen Job als den besten, den man haben kann. "Du bist draußen, in der Natur, an der frischen Luft, betätigst dich sportlich, und wenn ich Freunden von meiner Arbeit erzähle, sind alle ganz neidisch" schwärmt Kim. "Die Kollegen sind alle toll, und nach dem Feierabend schwimmen wir noch 'ne Runde im See." Jetzt werde auch ich neidisch.
Plötzlich gellt ein Schrei durch die Kiefern. Der kommt vom Giant Swing, erklärt man mir milde lächelnd. Ich will mich von Kim an ihrem Arbeitsplatz herumführen lassen und der liegt irgendwo in den Baumkronen. Ihr Arbeitstag beginnt stets mit dem Aufstieg bis in 17 Meter Höhe, denn täglich werden die komplette Anlage und alle Elemente auf Sicherheit überprüft. Ehrlich gesagt, von hier unten sieht das alles nicht besonders waghalsig aus, ich will gleich direkt zum Gipfel und entscheide mich, obwohl ich noch nie einen Kletterwald bestiegen habe, für den schwierigsten und höchsten Parcour. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.
Den Giant Swing, aus dessen Richtung schon wieder laute Schreie schallen, heben wir uns für das Finale auf. Kim empfiehlt mir mit gütigem Blick, doch erstmal den zweithöchsten Parcour zu probieren. Nach dem Anlegen der Sicherheitsgurte und der kurzen Einweisung geht's baumauf. Hatte ich schon erzählt, dass alles von unten nicht besonders einschüchternd wirkt? Hier oben in einer halsbrecherischen Höhe von zwölf Metern ist die Welt eine völlig andere. Bäume schwanken bedrohlich im Wind und der Blick in die Tiefe weiß zu beeindrucken. Die Nerven kitzelt's.

Selbstversuch im Kletterwald

Selbstversuch im Kletterwald

Selbstversuch im Kletterwald

Selbstversuch im Kletterwald


Da brüllt es durch die Wipfel und reißt es heftig an der Baumkrone, in der ich mich an den Stamm klammere. Ein echter Schreckmoment, der auch wieder mit der neuen Attraktion, dem Giant Swing, zusammenhängen soll. Mit uns teilt eine sechste Klasse die luftige Höhe. Wie kleine Äffchen mit grauen Helmen klinken sie ihre Karabiner aus und wieder ein und hangeln durch die Elemente. Und da bemerke ich es: Kim hat einen roten Helm, die anderen Trainer auch und alle Klettergäste tragen graue. Auf den Bäumen sind nur graue Helme, die Trainer mit den roten alle mit den Füßen auf dem Boden und den Blick in den Bäumen, sie klettern nur, wenn es sein muss. Kim erzählt mir von Teilnehmern, die verängstigt auf einer Plattform hocken und keinen Schritt mehr vor oder zurück machen. "Da kannst du reden, wie du willst, die hören gar nicht mehr zu - wir müssen dann hoch und sie runterholen"
Für sie ist es mal eine ganz nette Abwechslung, hier oben zu sein und den Besuchern aus nächster Nähe ins Gesicht zu schauen. Über die Seilrutschen, an denen noch einmal ordentlich Adrenalin verschüttet wird, erreichen wir den eigentlichen Arbeitsplatz der Trainer - in Höhe der Wurzeln. Den Giant Swing habe ich noch vor mir, einen Sturz aus zehn Metern Höhe. Die sechste Klasse, so sagt man mir, ist komplett gesprungen - keiner hätte gekniffen. Das setzt mich irgendwie unter Druck. Oben angekommen wird es noch schlimmer. Die ganze Aktion erinnert ein bisschen an Bungee-Jumping, hab ich auch noch nie gemacht. Ich bin mal im Freibad vom Zehner gesprungen, aber Wasser ist irgendwie anders als der Waldboden hier. Ich will auf Drei springen und zähle. Dann zähle ich noch mal und noch mal, auch mal bis Vier und weiter und springe erst kurz, bevor es peinlich wird. Augen zu und durch. Aaaaaaaaaahhhhhhhhhh!!!!!


Internet:

www.kletterwald-schwindelfrei.de


Wort und Bild: Thomas Leibe