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Summer In The City

Summer In The City

Summer In The City

Glocken auf der Glatze


Seit an Seit sitzen Leipzig-Bewohner und Leipzig-Besucher an kleinen Tischen, auf denen E-Kerzen, Knabbereien und Getränke stehen, und amüsieren sich.

Wo? Im Krystallpalast-Varieté. Das zeigt nach dem Theaterstück um Bienenkönigin und Bienenagent seit Anfang Juni wieder eine Nummernrevue. Richtig so, denn Abwechslung muss ein. Und "Summer In The City" bietet Abwechslung, selbstverständlich in Kombination mit Unterhaltung.
Klaus Renzel führt als sympathisch-witziger Moderator durchs Programm. Er spielt wunderbar Gitarre, was er auch studiert hat, und klebt sich immer wieder Kleinigkeiten aufs haarlose Haupt - vor zwölf Jahren entdeckte er seine Glatze "als multimediale Oberfläche künstlerisch-komischen Ausdrucks". Mit Mini-Pömpeln (= Haushaltssaugglocken) wird er beispielsweise in Sekundenschnelle vom Bahnhofs-Punk zur Freiheitsstatue.
Fürs Frauenauge verbiegt und entkleidet sich der junge Equilibrist Mirko Köckenberger, fürs Männerauge windet sich Rosannah Star Riess an den Multicordes, einem Vorhang aus vielen zarten Seilen, und lässt Vanessa Alvarez Teppiche sowie eine Gitarre auf ihren Füßen tanzen. Stichwort Tanzen: Emily & Menno zeigen zunächst, wie sich Tango-Virtuosen bewegen, und kombinieren dann, als wäre das nicht genug, den anspruchsvollen Tanz mit ebenso anspruchsvoller Jonglage. "Ooohr, Menno", möchte man sagen. Und damit hat es sich noch lange nicht ausjongliert! Detlef Winterberg, der Typ mit den flexibel tätowierten Armen, versucht sich an einer naturechten Jonglage auf einem fahrenden (Pantomime-)Motorrad. Köstlich & logisch!

Klaus Renzel

Klaus Renzel

Emily und Menno

Emily und Menno

Detlef Winterberg

Detlef Winterberg

David Burlet

David Burlet


Doch den Höhepunkt des Abends darf David Burlet, den man "Monsieur Hectique" nennen müsste, auf sich buchen. Der Franzose bringt Teller zum Rotieren und den gesamten Saal an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Ständig in Eile und von vermeintlichen Missgeschicken geplagt (da fliegt ein Tischbein ab und ein Teller quer durch den Saal), demonstriert der Artist im Postboten-Outfit Hochleistungsunterhaltung. Das Publikum ist nach dieser Nummer genauso geschafft wie der Mann auf der Bühne.
Klaus Renzels Breakdance im Mutterleib, seine Ausführungen zur Babygitarre oder die immer wieder gern gesehene Autofahr-Pantomime sind dagegen die reine Erholung, ebenso die gebärdensprachliche Deutung des Schlagers "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" durch Detlef Winterberg (welcher seine Laufbahn übrigens einst als Silberner Roboter auf dem Kurfürstendamm in Berlin begann). Fazit: Kurzweil, Kurzweil, Amüsement!
Tipp: Von 2. bis 5. Juli läuft im Krystallpalast die Newcomer-Show und der "Summer In The City" bis Ende August.


Internet:

www.krystallpalastvariete.de


Wort: Bastian Cramer / Bild: Tom Schulze