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Konzert-Special

Open Air ist es am schönsten


Es steht wieder ein heißer Sommer ins Haus. Und wie üblich gibt es auch wieder jede Menge Konzerte auf schönen Bühnen. Open Air ist das natürlich am schönsten. Dafür ist man in den Hallen vor Regen sicher. Am Ende greift wie immer Murphys Gesetz, und das sagt bekanntlich unumstößlich, dass es genau dann regnet, wenn man sich mal im dünnen Hemdchen auf eine laue Sommerkonzertnacht gefreut hat, und die Sonne gnadenlos scheint, wenn man ein Ticket für die Halle gekauft hat. Doch da hilft kein Jammern, gegen dieses Naturgesetz kommt keiner an. Gleich noch was Schlaues: Für Meteorologen hat der Sommer bereits am 1. Juni begonnen...


Silbermond

Silbermond

Silbermond

Dresden hatte mit Polarkreis 18 eine Nummer-Eins-Band, Chemnitz ist mit dem Kraftklub ganz oben und sogar Bautzen schaffte es mit Silbermond, eine Combo ganz nach oben zu bringen. Nur in Leipzig wollte seit den Prinzen der ganz große Erfolg im Pop-Geschäft nicht mehr zünden. Schön, dass die Silbermonde (die freilich längst in Berlin wohnen) nun die Feierlichkeiten zu Leipzigs 1.000-Jahre-Jubiläum bereichern. Sie überbringen Grüße einer älteren Schwester: Bautzen ist eine der wenigen größeren Städte des Freistaates, die älter sind als Leipzig. Aber das ist an diesem Abend ohnehin egal. Die Musik ist jung und frisch - besticht dabei aber trotzdem mit einem guten Schuss Zeitlosigkeit.

19.06. Leipzig, Völkerschlachtdenkmal


Xavier Naidoo

Xavier Naidoo

Xavier Naidoo

Dieser stolze Sohn Mannheims hat sich von einem verrückten Vogel zu einem permanent präsenten Star in der deutschen Pop-Landschaft gemausert. Selbst das Best-Of-Album "Danke fürs Zuhören - Liedersammlung 1998-2012" stieg auf Nummer 1 in die Charts ein und hat inzwischen Platin. Er hat eine eigene Show auf Vox und kann es sich leisten, unter dem Namen "der Xer" ein Seitenprojekt voll clubbiger Sounds für urbane Dancefloors zu betreiben. Die Sommer-Stadion-Tour ist die musikalische Untermalung des Best Of, begleitet von einem klassischen Rockquartett mit Gitarre, Bass, Drums und Keyboards wird er die Höhepunkte seiner Karriere präsentieren.

26.06. Dresden, Elbufer
04.09. Erfurt, Domplatz


Elton John

Elton John

Elton John

Leipzig feiert nicht nur den 1000. Jahrestag seiner Ersterwähnung, sondern auch 850 Jahre Leipziger Messe. Zu diesem stolzen Anlass gönnt sich (und uns!) die Messe die größte der Hallen auf dem Neuen Gelände, jene mit der Nummer 1, den exklusiven Besuch einer der größten Künstler, die das Pop-Geschäft seit Elvis und den Beatles hervorgebracht hat. Vor 25 Jahren, 1971, war der Shooting Star Reginald Kenneth Dwight, schon damals unter seinem Künstlernamen bekannt, gleichzeitig mit vier Titeln in den amerikanischen Top Ten vertreten. Damit war der Beatles-Rekord erreicht. Übertroffen hat das wohl keiner mehr. Das Schöne bei Elton John ist, dass er danach für immer als Fixstern am Pop-Himmel blieb.

28.06. Leipzig, Messehalle 1


With Full Force

With Full Force - Kreator

With Full Force - Kreator

Eines der dienstältesten Festivals des Ostens wird auch in diesem Jahr kein bisschen leiser. Auf dem geräumigen Flugplatz gibt es drei Tage und vor allem Nächte knüppeldick was auf die Ohren. In diesem Jahr haben die Veranstalter noch mehr Wert auf stilistische Vielfalt gelegt. Neben dem traditionellen ultrabrutalen Hardcore sind zum Beispiel auch skandinavische Dunkelmetaller vertreten - auch hier eher aus der härteren Richtung. Wie üblich gibt es viele junge Heißsporne, die sich mit gestandenen Monsters of Rock messen. Kreator (Foto) zum Beispiel haben schon unmäßig gelärmt, da waren viele derer, die jetzt vor der Bühne gepflegt das Langhaar schütteln, noch gar nicht geboren.

03.-05.07. Roitzschjora (bei Leipzig), Flugplatz


Dark Flower Open Air

Dark Flower Open Air - VNV Nation

Dark Flower Open Air - VNV Nation

Eigentlich glaubt man ja, dass Clubs im Keller genau dorthin gehören, weil im elektrischen Gewummer auf den Dancefloors die Zeit stehen bleibt und man alles gebrauchen kann, bloß kein Tageslicht. Das sollte für Keller des Dunkeltanzes erst recht zutreffen. Im vergangenen Jahre kamen die Macher von einem der wichtigsten Goth-Clubs des Landes dann ans Tageslicht. Sie zogen auf die Parkbühne und tatsächlich: Die schwarzen Jünger tanzten auch im hellen Licht des frühen Sommerabends enthemmt zu ihren Düster-Electro-Göttern. In diesem Jahr gibt es folgerichtig die zweite Auflage. Das Line-Up wird angeführt von Ronan Harris (Foto, vorn) mit seinen VNV Nation. Das geht in Leipzig überall und immer!

04.07. Leipzig, Parkbühne


Billy Idol

Billy Idol

Billy Idol

Einer der Überlebenden des britischen Punkrocks der allerersten Stunde. Weil er sich im richtigen Moment aus den eingefahren Gleisen löste, über den großen Teich ging und - aufgebaut durch den ehemaligen Manager von Kiss - ein verrücktes Crossover aus der Rotzigkeit des Punk, der Power des Hard Rock und poppigen Ohrwurmmelodien entwickelte. Hits wie "Rebel Yell", "Dancing With Myself", "Flesh For Fantasy" oder "Cradle Of Love" machten ihn schnell zum Superstar. Nach einem fast tödlichen Motorradunfall und fast ebenso finalen Drogenerfahrungen hat er sich in den letzten Jahren selber am Blondschopf aus dem Sumpf gezogen und bringt heute die großen Hits wieder wie in den besten Tagen.

07.07. Leipzig, Arena


Mark Knopfler

Mark Knopfler

Mark Knopfler

Für einen, der mit über 120 Millionen verkaufter Alben zu den eigentlichen Superstars des Planeten gehört, steht Mark Knopfler wenig im Rampenlicht. Er hat sich nie einer Modewelle angedient, höchstens war seine ehemalige Band Dire Straits ganz alleine eine. Insbesondere nach dem phänomenalen "Brothers In Arms"-Album, das zu den größten (und bestverkauften) Platten der Geschichte gehört. Auch in seiner langen Solokarriere hat er weder spektakuläre Aktionen gestartet, noch Monsterhits gelandet. Trotzdem weiß fast jeder auf diesem Planeten, wie er und seine Gitarre klingen. Die spielt er als einer der ganz wenigen übrigens ohne Plektrum. Nur mit den Fingern wie zu Bachs Zeiten.

09.07. Leipzig, Arena


Die Lochis

Die Lochis

Die Lochis

Eine oberschräge Erfolgs-Story: Zwei Brüder mit Namen Lochmann machen ihr Abi, sitzen mit den Eltern beim Abendbrot und sehen so aus, wie jeder Vater sich den Typen wünscht, den die Tochter mal nach Hause bringt. Adrett, intelligent, etwas picklig, weitgehend harmlos. Doch hinter der Tür ihres Jugendzimmers betreiben sie seit Jahren einen YouTube-Channel, auf dem sie mit Parodien diverser Chart-Hits glänzen. Inzwischen haben sie eine Million Abonnenten und insgesamt 250 Millionen Klicks, Zahlen, von denen die meisten Superstars nur feucht träumen. Jetzt kommen die Crazy Twins auch live.

10.07. Chemnitz, Stadthallenpark (Summerbreak Festival)
11.07. Leipzig, Parkbühne (Schools Out Party)


Melissa Etheridge

Melissa Etheridge

Melissa Etheridge

Sie sieht ein wenig so aus wie Hillary Clinton in dem Alter (also Mitte 50, Clinton ist etliche Jährchen reifer). Sie ist ebenso engagiert, intelligent und selbstbewusst, machte sich stark für Frauenrechte und Emanzipation gleichgeschlechtlicher Lebensweisen (lebt selbst in einer lesbischen Ehe, Samenspender für eine gemeinsame Tochter war David Crosby!). Politisch bekennt sie sich zur Demokratischen Partei, ihr Coming Out erfolgte bei der Amtseinführung Bill Clintons, den sie mehrfach unterstützte. Melissa Etheridge und Hillary Clinton kennen sich also gut. Der Unterschied: Clinton hat nie solch geniale Stücke wie "Ain't It Heavy", "Bring Me Some Water" oder "Like The Way I Do" geschrieben - und wird auch nicht.

13.07. Leipzig, Parkbühne


Konstantin Wecker

Konstantin Wecker

Konstantin Wecker

Wir reden ja seit Jahren aus leider immer wieder neuen Anlässen über die Verfasstheit von Mehrheiten bezüglich gewisser politischer Themen. Besonders solcher mit tatsächlichen oder vermeintlichen Anknüpfungspunkten zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Es sind darüber unzählige Lieder gemacht worden. Doch hat es seit Konstantin Weckers "Willy" aus dem Jahr 1977 nie wieder ein Lied gegeben, das die Verwurzelung politisch rechtsradikalen Gedankenguts in der sogenannten breiten Masse und das Münden dieser Gedanken in körperliche Gewalt gegenüber Andersdenkenden derart plastisch, drastisch und tief berührend schilderte. Ein unsterbliches Lied.

17.07. Zwickau, Freilichtbühne
20.10. Chemnitz, Stadthalle



Wort: FW / Bild: Harald Hoffmann, Eric Ullrich, Ben Wolf, Michael Muller, Tarina Doolittle, Thomas Karsten, P.D.